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Handwerk im Alpendorf «Das klappt ja eh nie» – Uhrmacher im Bergdorf

Mario Scarpatetti betreibt im Graubündner Bergdorf Parsonz eine Uhrenwerkstatt – mit Kundschaft von weit her.

In einer kleinen Werkstatt in Parsonz dreht sich alles um Zahnräder, Zeiger und um Geduld. Mario Scarpatetti repariert mechanische Uhren im Haus seiner Urgrosseltern, das er mit seinen Ersparnissen umgebaut hat. Das Inventar liest sich wie ein Museum: antike Möbel, schwarzweisse Familienbilder, alte Wanduhren. Darunter ein handgeschmiedetes Turmwerk aus dem 17. Jahrhundert, das sich noch immer aufziehen lässt und dann einfach läuft – als wäre die Zeit hier nie stehengeblieben.

Mario Scarpatetti ging seinen Weg. Dass er eines Tages Uhrmacher werden würde, stand für ihn früh fest. Als Kind sammelte er alte Wecker, schraubte sie auseinander und versuchte geduldig, sie wieder zusammenzusetzen. «Die meisten sind dabei natürlich kaputtgegangen», sagt der 34-Jährige. Den Traum liess er sich trotzdem nicht nehmen: «Wenn ich gross bin, werde ich Uhrmacher. Das war immer klar für mich.»

Ein Beruf, der im Berggebiet kaum existiert

Der Weg dorthin war alles andere als selbstverständlich. Uhrmacher-Lehrstellen gibt es in der Schweiz fast ausschliesslich im Jurabogen zwischen Genf und Schaffhausen. Graubünden kommt auf der «Berufs-Landkarte» kaum vor. Und als Scarpatetti seine Werkstatt in Parsonz eröffnete, hielten viele im Dorf wenig davon. «Die meisten haben den Kopf geschüttelt und gefunden: Das klappt ja eh nie», erinnert er sich.

Finanzielle Unterstützung fand er bei der Schweizer Berghilfe, die seit 1943 Projekte im Berggebiet fördert und damit Regionen lebendig halten will, die sonst an Attraktivität verlieren würden. Bei der Werkstatt fehlten zu Beginn für gewisse Arbeitsschritte noch Technik und das Geld dafür. Heute sagen dieselben skeptischen Stimmen im Dorf: «Es ist schön, dass das so gut funktioniert.»

Abgelegen, aber gut besucht

Dieser Wandel kommt nicht von ungefähr. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum: Handwerksberufe machen laut Bundesamt für Statistik heute nur noch rund zehn Prozent der Erwerbstätigen aus. 1970 waren es noch 25 Prozent. Umso mehr fällt auf, was Scarpatetti in Parsonz aufgebaut hat. Seine Kundschaft ist bunt: jung, alt, Sammler, aber auch Menschen, die Uhren von Angehörigen geerbt haben und sie wieder zum Laufen bringen wollen.

Handwerksberufe in der Schweiz

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Handwerksberufe sind in der Schweiz auf dem Rückzug: Laut Bundesamt für Statistik machten sie 1970 noch rund 25 Prozent aller Erwerbstätigen aus. Heute sind es noch knapp zehn Prozent. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel in technischen und handwerklichen Berufen hoch. Laut dem Fachkräftemangel-Index 2025 der Adecco Gruppe und der Universität Zürich gehören Bau- und technische Berufe weiterhin zu den am stärksten betroffenen Berufsgruppen.

Für Präzisionshandwerker wie Uhrmacher und Schmuckwarenhersteller zeigt sich ein gespaltenes Bild: Schweizweit ist der Fachkräftemangel in dieser Berufsgruppe unterdurchschnittlich. In der Zentralschweiz hingegen ist sie laut dem Fachkräftemangel-Index 2025 der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz mit Rang 19 von 102 Berufen deutlich stärker betroffen als die nationale Rangliste (Rang 98) vermuten lässt.

Die abgelegene Lage hoch im Hang tut dem Geschäft keinen Abbruch – im Gegenteil. «Die meisten Leute kommen extra vorbei», sagt Scarpatetti. Und er selbst reist durch die ganze Schweiz, wenn es um grössere Stücke geht.

Der Alltag in der Werkstatt verlangt absolute Konzentration und Fingerspitzengefühl. Verliert Scarpatetti ein winziges Teilchen, was in diesem Beruf schnell passieren kann, gibt es nur eine Lösung: «Auf den Boden gehen und alles zusammenwischen, bis ich es gefunden habe. Meistens findet man es wieder. In ganz, ganz seltenen Fällen nicht mehr.» Neben der Reparatur stellt er auch eigene Uhren her, in kleinstmöglicher Stückzahl. Eines seiner Modelle existiert genau elfmal. Der Preis: 19'500 Franken.

Eine Uhr, ausgestellt in einer Vitrine.
Legende: Scarpatettis selbst gefertigte Uhr kostet 19'500 Franken. Es gibt sie nur elfmal auf der Welt. SRF

Was einmal mit alten Weckern auf dem Boden eines Bauernhauses begann, hat in Parsonz eine unerwartete Heimat gefunden – und eine Zukunft.

Die Sendung «mitenand»

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Hände greifen ineinander.

Mit kurzen Reportagen nimmt «mitenand» die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise – in eine Welt jenseits der Schlagzeilen.

Im Fokus der Sendungen stehen Menschen, die im Kleinen die grossen Probleme unserer Zeit angehen sowie soziale oder ökologische Projekte gemeinnütziger Organisationen.

Das soziale Engagement in der Schweiz und im Ausland bildet dabei den Rahmen.

SRF 1, mitenand, 19.4.2026, 19:15 Uhr

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