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Hilfsbereitschaft der Schweizer Bevölkerung für Corona-Opfer
Aus Kultur-Aktualität vom 28.08.2020.
abspielen. Laufzeit 03:19 Minuten.
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Hilfswerke während Corona In der Krise mussten Schweizer Hilfswerke digitaler werden

Wegen der Coronakrise mussten Schweizer Hilfswerke auf Online-Kommunikation umstellen. Das klappte viel besser als erwartet, erzählt Bernd Nilles vom Hilfswerk Fastenopfer.

«Die Webseite wurde noch nie so stark besucht wie während der Coronakrise», erzählt Bernd Nilles. «Unglaublich viele Menschen haben online gespendet.»

Eine grosse Überraschung für den Leiter des römisch-katholischen Hilfwerks Fastenopfer und sein Team: Sie befürchteten nämlich zunächst, dass sich die Menschen in Zeiten des Lockdowns vor allem auf sich konzentrieren würden und die Spenden für Bevölkerungsgruppen, die von der Coronakrise und anderen Krisen betroffen sind, einbrechen würden. Doch die Solidarität war riesig.

Verbindungen aufrechterhalten

Wie die meisten Entwicklungsorganisationen arbeitet auch das römisch-katholische Fastenopfer mit Partnerinnen vor Ort in Afrika, Asien und Lateinamerika. Über Jahrzehnte hat es ein Netzwerk von Basisgruppen geknüpft. Ein Netz, das auch in der Pandemie hält.

Man kennt sich, kann sich vertrauen – was angesichts dysfunktionaler Staaten wie Kolumbien oder Libanon doppelt wichtig ist. Zunächst ging es aber darum, den Draht zu den Partnerinnen überhaupt zu erhalten.

«Wir mussten bei vielen unserer Partner die Internetanschlüsse verbessern und ihnen Handys zur Verfügung stellen, damit wir überhaupt weiter zusammenarbeiten konnten», erzählt Bernd Nilles.

Das Kirchen-Networking zahlt sich aus

Persönliche Kontakte, global-kirchliche Freundschaft, also Ökumene: Sie spielt auch in der Libanon-Krise eine wichtige Rolle.

Die libanesische Kirchenpräsidentin Najla Kassab etwa war letztes Jahr beim Zürcher Reformationsjubiläum zu Gast und hinterliess Eindruck bei den Schweizer Reformierten.

Die Folge dieses Kirchen-Networkings: Mehrere Kantonalkirchen beten und spenden für Beirut – nicht für den «Failed State Libanon», sondern für die kleine evangelische Kirche im Libanon. Deren Schulen und Kirchen wurden zu Obdach- und Lebensmittelverteilstellen.

Lokale Lösungen versus Weltmärkte

Solchen lokalen Institutionen traut auch der Entwicklungsexperte Nilles mehr zu als maroden Staaten. «Die Dinge müssen lokal funktionieren. Ich glaube, da ist auch während der Krise in bestimmten Regionen ganz viel passiert, um die Ernährungssicherheit zu garantieren. Wohingegen der Staat und die Wirtschaft, die auf die Weltmärkte gesetzt haben, komplett gescheitert sind.»

Zwei Frauen und ein Mann lehnen auf einem Stapel voller Seife.
Legende: Eine Verteilaktion von Seife und Javelwasser durch die Fastenopfer-Partnerorganisation Agrécol im Senegal. Fastenopfer

Auch freikirchliche Hilfswerke sind global aktiv. Sie mobilisieren sogar überproportional viele Spenden und freiwillig Helfende. So wie das Hilfswerk ADRA der Schweizer Adventisten Kirche, das in 130 Ländern aktiv ist. Die Adventistische Kirche hat zwar nur rund 5'000 Mitglieder in Schweiz, hat hier aber 2019 rund fünf ein halb Millionen Franken Hilfsgelder gesammelt.

Der direkte Draht als Krisenhelfer

Auch sie docken bei ihren lokalen Glaubensgeschwistern an. «Oft ist eine Kirchgemeinde die letzte noch funktionierende Institution», betont Politologe Bernd Nilles.

Darum setze auch seine Fastenopfer darauf, regionale, lokale Systeme zu etablieren, die gut funktionieren. «Das kann eine Pfarrerei, ein Dorf oder eine Dorfgemeinschaft sein.» Besonders in der Krise erweist sich der direkte Draht eben oft als der Beste.

Radio SRF2 Kultur, Kultur Aktualität, 28.08.2020, 7:20 Uhr.

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