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Das steckt hinter der Gegenbewegung zu Maria 2.0
Aus Kultur-Aktualität vom 28.04.2022.
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Konservative Katholikinnen «Maria 1.0»: Wo Frauen wieder fromm sein wollen

In der Bewegung «Maria 1.0» suchen Katholikinnen ihre Rolle jenseits des Feminismus. Das stört progressive Gläubige.

«Maria 1.0 expandiert in die Schweiz», titelte jüngst das Portal kath.ch. Anlass war ein Workshop in St. Gallen, zu dem etwa 45 überwiegend junge Menschen kamen.

Moment – Maria 1.0? Die heissen doch 2.0! Diese Reformbewegung aus Deutschland protestierte laut gegen Klerikalismus, Machtmissbrauch und Ungerechtigkeiten in der römisch-katholischen Kirche. Sie machte auf sich aufmerksam. Sie war und ist medial präsent.

«Maria braucht kein Update»

Genau diese lauten Proteste fanden einige junge, gläubige Katholikinnen falsch. «Wie können wir die Heilige Messe bestreiken, die Höhepunkt unserer Woche und Quelle der Kraft für uns ist?», fragt Lisa Martin. Sie ist 19 Jahre alt, studiert Biologie in Basel.

Und so war Maria 1.0 die Antwort auf Maria 2.0. «Maria braucht kein Update», lautet der Slogan der Bewegung. «Das bedeutet: Maria ist auf besondere und perfekte Weise unser Vorbild», sagt Lisa Martin. «Sie verkörpert alle Tugenden, nach denen wir streben: Geduld, Gottesvertrauen, Glaube und Hoffnung.» Zudem sei die Kirche keine menschliche Institution, die wie ein Verein verändert werden könne, sondern «von Christus selbst gestiftet».

Frieden dank katholischer Glaubenslehre

Lisa Martin fand erst in der römisch-katholischen Kirche, dann bei Maria 1.0 eine Heimat. Die konservative Bewegung spricht ihr aus dem Herzen, erzählt sie: «Als ich mich fragte, was es heisst, als junge Katholikin Frau zu sein, habe ich Maria 1.0 gefunden.»

Die junge Studentin möchte nicht gegen, sondern für etwas sein. Denn in der traditionellen Glaubenslehre ihrer Kirche sieht sie «einen wunderschönen Schatz». Seitdem sie sich dieser Lehre zuwandte, habe sie einen «unvergleichlichen Frieden» gefunden.

Was zeichnet die Frauenrolle aus?

Die Rolle der Frau wird bei Maria 1.0 als besonders mütterlich angesehen, sie soll liebevoll und fürsorglich sein. Das stösst Feministinnen auf – haben sie doch teilweise jahrzehntelang genau gegen solche Bilder gekämpft, erzählt Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (SKF).

«Wir stellen uns klar gegen ein patriarchal geprägtes Menschen- und Frauenbild», sagt die 60-jährige Aktivistin, die sich seit Jahrzehnten für eine gerechtere Gesellschaft und Kirche engagiert.

Eine «zukunftsfähige Kirche» müsse Frauen dieselben Rechte einräumen wie Männern, ist sie überzeugt. Und somit auch das Priesteramt für alle öffnen.

«Der Missbrauchsskandal schreit zum Himmel»

Vertreterinnen von Maria 1.0 hingegen sagen: Gleiche Würde ja, doch mit unterschiedlichen Aufgaben. Eine Frau sei nicht dazu berufen, Priesterin zu werden, da Jesus sich mit zwölf Jüngern umgab.

Maria sei beim letzten Abendmahl nicht dabei gewesen, obwohl sie für Jesus eine zentral wichtige Frau gewesen sei, sagt Lisa Martin. Ihr ist es jedoch wichtig zu betonen, dass nicht nur Frauen zum «liebevollen Dienst» berufen seien, sondern ebenso Männer, auch Priester.

Angesprochen auf den Missbrauchsskandal, der Auslöser für Maria 2.0 war, sagt sie: «Der Missbrauch in der Kirche schmerzt mich wie sonst nichts! Es schreit zum Himmel, in dem Punkt sind wir bei Maria 2.0». Der Unterschied ist aber, dass die junge konservative Bewegung die Gründe für den Skandal nicht in den Strukturen sieht. 

Wie bedeutend wird Maria 1.0 in der Schweiz?

Simone Curau-Aepli vom SKF versteht das Bedürfnis junger Menschen, sich mit einer charismatischen Bewegung zu identifizieren. Sie bedauert es aber, dass diese «die notwendige Wandlung der Kirche behindern». Dass die Bewegung eine grosse Rolle in der Schweiz spielen wird, glaubt sie nicht.

Lisa Martin sieht das anders. Derzeit arbeiten zwar erst fünf Schweizerinnen aktiv mit, doch sie stünden in der Schweiz ja auch erst am Anfang. Und jede von ihnen kenne «eine ganze Reihe an Sympathisantinnen». Sie beobachtet «ein Aufblühen des katholischen Glaubens in der neuen Generation.»

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 28.04.2022, 08:06 Uhr

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33 Kommentare

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  • Kommentar von SRF Kultur (SRF)
    Liebe Community, wir schliessen die Kommentarspalte wieder. Vielen Dank fürs Mitdiskutieren und bis zum nächsten Mal. Schönes Wochenende, beste Grüsse, SRF Kultur
  • Kommentar von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
    Wir brauchen kein „Aufblühen des Glaubens“, sondern Aufklärung. Hinterfragen statt glauben. Was da von dieser nächsten Generation schon wieder als Fakt verstanden wird, obwohl längst widerlegt, ist erschreckend. Da muss man nicht mal über die Jungfräulichkeit sprechen, auch zum Beispiel dass Jesus die christliche Kirche gegründet habe, ist schlicht historisch falsch. Er sah sich als Jude, wie übrigens auch Paulus, der noch eher als Gründer gesehen werden kann.

    Arte hat gute Dokus zum Thema.
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Ich musste beim Lesen des Artikels mehrmals leer schlucken. Meine Hoffnung, dieser Trend kann sich nicht verbreiten, bleibt bei den jetzigen Mitgliedern stehen. Alles was ins Extreme geht, ist für mich ziemlich suspekt. Solange solche Gruppierungen ihr "Ding" tun, andere nicht belästigen, okay. Denke ich an die Evangelikalen in den USA schaudert's mich. Die Bibel wurde von Menschen geschrieben, übersetzt und wird von ihnen gedeutet. Wo überall flossen/fliessen wohl Eigeninteressen ein.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Felix Meyer: Vermutlich sind Ihre Ängste übertrieben. Das sind Frauen, die den Katholizismus modern leben möchten. Das dürfen diese doch gerne tun. Sie und ich werden nicht gestört, belästigt oder attackiert dadurch. Wäre das der Standard, gäbe es wohl keinerlei Kriege auf der Welt und auch die ökologischen Probleme würden nicht bis zum globalen Kollaps aufgeschoben.
    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Absolut, sogar sehr viele Eigeninteressen - zumindest wenn man die Durchsetzung der eigenen Interpretation der Lehre Jesu als solches versteht. Die Spuren davon sind im NT für jeden zu erkennen, der nicht die Augen verschliesst. Durchgesetzt hat sich grossteils Paulus - aber sein Ziel war eigentlich nicht die Gründung einer eigenen Religion, sondern eine Reform des Judentums.