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L'Aquila 2026 Italiens Kulturhauptstadt 2026: Alles nur ein Bluff?

L’Aquila, die Hauptstadt der Region Abruzzen, ist in diesem Jahr Italiens Kulturhauptstadt. Doch was gibt es zu sehen in einer Kommune, die 2009 von einem katastrophalen Erdbeben schwer zerstört und immer noch nicht komplett wiederaufgebaut wurde?

Schon lange vor den Römern lebten in «Amiternum» – dem heutigen L’Aquila – die Sabiner. Ein italisches Volk, das die Stadt auf mehr als 700 Metern Höhe in den Bergen der Abruzzen höchstwahrscheinlich gegründet hatte. Bis 2009 präsentierte sich die uralte Stadt mit mittelalterlichen Türmen und Kirchen, Renaissance-Palästen und barocken Gotteshäusern. Ein kommunales Juwel, umgeben von den hohen Bergen einer Region, die bislang vom Massentourismus verschont worden ist.

Dann, Anfang April 2009, die Zäsur: Ein schweres Erdbeben kostete 309 Menschenleben, machte mehr als 65'000 Menschen obdachlos und verursachte Zerstörungen an den wichtigsten historischen Bauwerken l’Aquilas.

Ein Blick zurück: Das Erdbeben von L'Aquila

Viel Geld, wenige Resultate

Der damalige italienische Regierungschef Silvio Berlusconi versprach das Blaue vom Himmel in Sachen schnellem Wiederaufbau. Geld floss in Massen nach l’Aquila. Die EU, der italienische Staat und private Grossspender stellten insgesamt rund 13 Milliarden Franken zur Verfügung. Fast 17 Jahre sind seit der Katastrophe vergangen. Wer geglaubt hatte, dass die vielen Milliarden ein Wunder vollbringen werden, sieht sich getäuscht. Die Tageszeitung «La Repubblica» spricht nicht zu Unrecht im Fall l’Aquilas von einem «Bluff».

Immer noch präsentiert sich die Regionalhauptstadt als Grossbaustelle: Zahllose Restaurierungs- und Wiederaufbauprojekte wurden entweder noch nicht beendet – oder noch gar nicht begonnen. Baugerüste zieren nach wie vor viele Strassen und Plätze. Sogar der barocke Dom und das Stadttheater aus dem 19. Jahrhundert, architektonische Perlen in der Altstadt, sind immer noch nicht wieder restauriert.

Der Fall des Stadttheaters erzürnt besonders viele Bürger. Denn noch immer finden musikalische Veranstaltungen als auch das Sprechtheater in einer hässlichen modernen Multifunktionshalle statt. 

Zu früh ernannt?

So verwundert es nicht, dass zahlreiche Kunsthistoriker und Architekten, Lokalpolitiker und viele Bürger nicht nur gegen diese Realität protestieren, sondern auch gegen den Umstand, eine Stadt im Wiederaufbau zur Kulturhauptstadt zu ernennen. Und auch angesichts umstrittener Restaurierungsarbeiten wird fleissig protestiert. Wie etwa im Fall des Domplatzes, dem urbanen Herz von l’Aquila.

Historische Kirche mit Brunnen im Vordergrund.
Legende: In L’Aquila stören nicht nur die Autos das schöne Ambiente rund um Domplatz. Die Pläne für den Wiederaufbau mit fremden Marmor und Betonklötzen erzürnen viele Bürgerinnen und Bürger. Imago/Depositphotos

Der Platz wird, so sieht es der Projektplan vor, mit weissen Marmorplatten aus Istrien bedeckt. Doch, so die vielen Kritiker, Marmor aus Istrien hat mit der Architekturgeschichte der Stadt in den Abruzzen nichts zu tun. Das gelte auch, klagen Kritiker, für den grossen Beton-Kiosk, der schräg gegenüber der Fassade des Doms errichtet wurde. In der Umgebung des Platzes mit seinen historischen Gebäuden wirkt dieser Kiosk wie ein ästhetischer Schlag aufs Auge. 

Hätte man also nicht warten sollen mit der Ernennung zur Kulturhauptstadt? Das fragen sich viele Italiener. Aber die Würfel sind gefallen, und so werden viele Besucher vor allem aus Rom und von der Adriaküste l’Aquila in diesem Jahr einen Besuch abstatten – und feststellen müssen, wie viel es hier noch zu tun gibt.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 2.3.2026, 17:10 Uhr

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