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Leo XIV. zu Krieg und KI Ein Papst, der gehört wird: Warum Leo XIV. den Zeitgeist trifft

Papst Leo XIV. trifft den Nerv unserer Zeit mit seiner ersten Enzyklika «Magnifica Humanitas. Über die Bewahrung des Menschlichen im Zeitalter künstlicher Intelligenz». Selbst Tech-Firmen und Weltpolitik begrüssen den Appell des Papstes: Digitalisierung und KI müssen unter demokratische Kontrolle. Alle Menschen müssten Zugang haben. Es gehe um globale Gerechtigkeit und Friedenssicherung. Das haben vor Papst Leo schon viele gefordert. Und ihrerseits schrieben Päpste schon viel, das noch nicht mal innerhalb der römisch-katholischen Kirche Echo fand. Warum ist das dieses Mal anders? Einschätzungen von SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler.

Judith Wipfler

Religionsredaktorin

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Judith Wipfler ist SRF-Religionsexpertin. 2021 hat die Universität Bern der reformierten Theologin den Ehrendoktortitel verliehen.

Warum sorgt die Enzyklika von Papst Leo XIV. weltweit für so viel Aufsehen?

Das überrascht tatsächlich. Zumal im säkularisierten Teil der Welt. Allerdings hat sich Papst Leo bereits an Ostern mit Anti-Kriegs-Apellen und Kritik an der US-Regierung als moralisches Weltgewissen ins Spiel gebracht. Nun kann er nachdoppeln. Wohldurchdacht, gestützt von Expertinnen und Experten. Und clever präsentiert. In säkularisierten Gesellschaften kümmerten die vielen Klima- und Friedensappelle der Kirchen bisher wenig. Im globalen Süden, wo die Kirchen stark sind, ist das anders. In den beiden Amerikas, in grossen Teilen Afrikas und Asiens zählen Papstworte. Mit seinem «humanistischen Manifest» erreicht Papst Leo jetzt auch weitere Kreise von Menschen «guten Willens». Auch im globalen Norden.

Wie beeinflussen Timing, Inszenierung und Kommunikation den Erfolg der Papst-Enzyklika?

Die Enzyklika war perfekt terminiert und inszeniert. Das kann der Vatikan. Anders als früher gab es dieses Mal auch keine langen, theologisch-verschnörkelten Ausführungen alter Kardinäle. Stattdessen ein ergreifendes Image-Video mit emotionalem Sound: Es zeigt Menschen auf dem ganzen Globus, wie sie leiden: an Hunger, Krieg und Umweltzerstörung. Und, wie sie im menschlichen Zusammenstehen Hoffnung finden. Die Botschaft: Die Menschheitsfamilie muss zusammenarbeiten, muss die Kontrolle über KI gewinnen, sonst gehen wir alle drauf. Auch clever: Papst Leo trat höchstpersönlich auf, sprach Englisch und hatte den (atheistischen) Mitbegründer der KI-Firma Anthropic neben sich. Als Termin wählte man Pfingstmontag: das Fest der Ausgiessung des Heiligen Geistes – und in säkularen Medien ein News-armer Feiertag. Da hatte es sogar in der Tagesschau viel Platz für eine Papst-Enzyklika. Wann hat’s das zuletzt gegeben?

Warum trifft Papst Leo XIV. mit seinen Aussagen den Nerv der Zeit?

Inhaltlich höchst relevant war schon die Umwelt- und Sozialenzyklika von Papst Franziskus 2015. Da ging es auch um die Zukunft des Planeten, Stichwort Klimawandel. Aber Franziskus’ Fundamentalkritik an ungerechter Weltwirtschaft fand damals nicht solch grossen Widerhall. Die USA mochten Franziskus nicht. Jetzt sagt der US-Amerikaner Papst Leo dasselbe, nur anders. Er setzt den Fokus auf das, was Menschen auf dem ganzen Globus bewegt: Krieg und KI – wo bleiben wir da als Menschheit? Überleben wir in Freiheit? Das sind existenzielle Fragen, seelsorgerlich mitfühlend wie theologisch klug beantwortet. Aber trotz alledem: Dass eine Enzyklika – in säkularen Medien, in Ökonomie und Politik weltweit – solch ein Echo bekommt, bleibt erstaunlich.

Radio SRF 1, Echo der Zeit, 25.5.2026, 18:00 Uhr ; 

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