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Lehrschreiben veröffentlicht Rettung des Menschen in KI-Ära – darum schlägt der Papst Alarm

Papst Leo XIV. hat der Welt sein erstes grosses Lehrschreiben präsentiert: Die Enzyklika trägt den Titel: «Magnifica Humanitas – Über die Bewahrung des Menschlichen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz». Das 120 Seiten starke Dokument ist eine Aktualisierung der katholischen Sozialethik. Es geht darum, die Würde des Menschen auch im KI-Zeitalter zu bewahren. SRF-Religionsredaktorin Judith Wipfler ordnet ein.

Judith Wipfler

Religionsredaktorin

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Judith Wipfler ist SRF-Religionsexpertin. 2021 hat die Universität Bern der reformierten Theologin den Ehrendoktortitel verliehen.

Worum genau geht es dem Papst in diesem Papier?

Papst Leo XIV. erkennt aktuell eine Monopolisierung digitaler Technik und Kommunikation in den Händen weniger und darin eine grosse Gefahr. Niemand weniger als der Mensch selbst sei infrage gestellt. Angesichts von Drohnenkriegen und Cyber-Angriffen – auch auf zivile Infrastruktur – fordert der Papst die «Entmilitarisierung der KI».

Welches Gewicht muss die Öffentlichkeit dem Rundschreiben des Papstes beimessen?

Die Antrittsenzyklika ist so etwas wie ein Regierungsprogramm. Mit Enzykliken antworten Päpste auf drängende Fragen der Gegenwart. So prangerte Papst Franziskus 2015 den Klimawandel, die Zerstörung von Regenwald und Lebensgrundlagen an. Diese Umwelt- und Sozialenzyklika fand im globalen Süden grosse Resonanz, aber auch bei hiesigen kirchlichen Hilfswerken und Umwelt-NGOs. Nun geht Papst Leo den nächsten Schritt und durchleuchtet Chancen und Gefahren, die in der digitalen Transformation unserer Globalgesellschaft liegen. Und er fragt: Wo bleibt der Mensch?

In der Auseinandersetzung mit der US-Regierung hat Papst Leo politisches Profil gewonnen. Ist auch seine Enzyklika politisch?

In der Konsequenz durchaus. Das Kirchenoberhaupt spricht hier aber zuerst als Seelsorger, Theologe und Missionar für die katholische Soziallehre. Er begründet Menschenwürde zunächst einmal theologisch. Demnach ist der Mensch geliebtes Geschöpf Gottes und als solcher «Magnifica», also «grossartig» und gerade nicht zu optimieren oder profitabel zu machen. Genau das wirft die Kirche Transhumanisten und Turbo-Kapitalisten schon lange vor. Eine erste solche Sozialenzyklika kam 1891 heraus. Damals reagierte der Papst auf das Massenelend der Industrialisierung. Heute sieht Leo das Leid, das durch digital unterstützte Kriegsführung ausgelöst wird, aber auch die Abhängigkeit junger Menschen von ihren Chatbots. Er nennt das eine neue Form von digitaler «Sklaverei».

An der der Präsentation der Enzyklika waren Theologinnen, aber auch der atheistische KI-Unternehmer Christopher Olah anwesend. Was zeigt das?

Einen Schulterschluss zwischen Kirche und Technologie. Die digitale Transformation betrifft alle unsere Lebensbereiche und damit uns alle. Darum dürfe sie nicht in der Hand von wenigen liegen; die Weltgemeinschaft müsse sich hier wieder Entscheidungsgewalt zurückholen, wurde plädiert. Anthropic-Gründer Olah dankte dem Papst ausdrücklich für die Initiative. Und Papst Leo XIV. dankte Olah und lud ihn ein, weiter mit dem Vatikan und der römisch-katholischen Kirche für eine gerechtere und lebensfreundlichere Welt zu arbeiten. Er könne zuhören und wolle lernen, betonte der Papst. Das tönte sehr verheissungsvoll: ein lernender Papst. Aber mit klarem christlich-humanistischem Kompass.

SRF 4 News, 25.05.2026, 15:30 Uhr ; 

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