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Manuel Dürr im Vatikan 14 Werke eines Bieler Künstlers hängen nun im Petersdom

Die Bilder eines Schweizers sind nun an einem Ort ausgestellt, wo Michelangelo, Raffael und Bernini dominieren.

Der reformierte Schweizer Maler Manuel Dürr hat für den Vatikan einen neuen Bilderzyklus, einen sogenannten Kreuzweg, geschaffen: Die 14 Bild-Stationen, die vom Leiden und Sterben Jesu Christi erzählen, hängen nun immer zur Fastenzeit im Petersdom.

Was ist ein Kreuzweg?

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Traditionell am Karfreitag gehen Gläubige den Weg Jesu zur Kreuzigung in 14 symbolischen Stationen meditativ nach. Die einzelnen Leidens-Stationen beziehen sich auf die Passionserzählungen im Neuen Testament. Einige Stationen gehen auf ausserbiblische Traditionen zurück: Etwa das dreimalige Hinfallen Jesu unter der Last des Kreuzes.

Kreuzwege können auch draussen in der Landschaft sein und die Topografie Jerusalems nachahmen, dem originalen Kreuzigungsort Jesu. Manche Kreuzwege enden an einem Nachbau des «Heiligen Grabs» von Jerusalem oder auf einem nachgeahmten «Hügel Golgatha», der Kreuzigungsstätte Jesu. Auf sogenannten «Kalvarienbergen» stehen mitunter lebensgross drei Gekreuzigte, Jesus in der Mitte. Kreuzwege wurden seit dem 14. Jahrhundert in der Volksfrömmigkeit befördert. Besonders durch den Franziskanerorden. Ein Kreuzweg fungiert auch als Ersatz für eine Wallfahrt zum historischen Kreuzweg nach Jerusalem (mit Ölberg, Via Dolorosa und Grabeskirche). Heute befindet sich in praktisch jeder römisch-katholischen Kirche ein Kreuzweg.

Dürr ist gläubiger evangelischer Christ. Doch für seine Arbeit fühlte er sich tief ein in die «typisch katholische» Kreuzweg-Frömmigkeit. Denn der Kreuzweg ist auch eine Andachtsübung, bei der die Gläubigen die einzelnen Stationen des Leidenswegs Jesu betend nachvollziehen. Auch stilistisch wollte sich der Künstler bewusst und taktvoll ins traditionelle Umfeld des Petersdoms einfügen.

Nachtsicht auf den beleuchteten Petersdom in Rom.
Legende: Die Basilika St. Peter in der Vatikanstadt, auf Deutsch auch häufig Petersdom. Mit einem Fassungsvermögen von 20.000 Menschen ist sie eines der grössten und bedeutendsten Kirchengebäude der Welt. REUTERS/Ciro De Luca

Hier brauche es keine Kunst als «Intervention». Und auch keine «Korrektur», was das Jesusbild der Kirche angehe. Der Kreuzestod Jesu, ja, das Kreuz an sich – seien schon provokant genug, sagt er im SRF-Interview.

Respektvolles Einfügen in die römisch-katholische Tradition

Dürr hat in Italien Malerei studiert und liebt die alten Meister, vor allem der Renaissance. Das ist seinen klaren und doch sanften Figuren anzusehen. Den Bildern ist zuerst nicht anzumerken, dass sie zeitgenössische Kunstwerke sind. Das neue Werk fügt sich auch in den Farbtönen – marienblau und Porphyr rot – in den Petersdom ein.

Dürr wünscht sogar, dass «sein» Kreuzweg gar nicht als «seine» Bilder wahrgenommen werden, sondern als stimmiger Teil der Kunst und Frömmigkeitsgeschichte im Petersdom.

Im klassisch katholischen Kreuzweg kommen Szenen vor, die in der klassisch reformierten Frömmigkeit keine Rolle spielen: Weil sie nicht in der Bibel stehen und weil man im Protestantismus keine Bilder verehrt oder gar anbetet. Das tut auch Manuel Dürr nicht. Aber: Ausgerechnet im Motiv der Heiligen Veronika findet er sich bild-theologisch wieder. Veronika ist notabene die Schutzheilige der Malerei und der Wäscherinnen.

Gemälde neben einer Statue in einem Museum.
Legende: Das Schweisstuch der Veronika. Wörtlich heisst Veronika «wahre Ikone» oder «wahres Abbild». Dieses Christus-Motiv ist grundlegend für das christliche Bildverständnis. Instagram/ambasciatasvizzerasantasede

Auf dem Schweisstuch, das Veronika dem leidenden Jesus reicht, bildet sich dessen Gesicht ab. Die tiefe Bild-Mystik dieses Motivs habe ihn bei seiner Arbeit für den Petersdom geprägt, erzählt Dürr in seinem Atelier in Biel. Der Maler findet zudem: «Während digitale Bilder die ganze Welt simulieren können, bleibt der Akt des Malens etwas tief Existenzielles.»

Künstler im Atelier mit Gemälden und Malutensilien.
Legende: Manuel Dürr in seinem Atelier Bieler Atelier. Der 1989 geborene Bieler Künstler studierte Malerei, Philosophie und Kunstgeschichte in Florenz sowie in Freiburg CH und Bern. SRF

Als christlicher Künstler sieht sich Manuel Dürr als traditionsbewusster Vermittler: ein Maler, der Bilder von Bildern abmalt, weiterentwickelt.

Schönheit soll zum christlichen Glauben führen

Christus und damit die Heilsbotschaft stehen für ihn im Zentrum: Die radikale Umdeutung des Kreuzes von einem skandalösen Mordinstrument hin zum Kreuz als Symbol für Auferstehung und Leben. Das sei auch 2000 Jahre später eine Provokation gegenüber allen, die Menschen mit Krieg und Gewalt überziehen.

Zur Person Manuel Dürr

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Manuel Andreas Dürr (*1989) studierte Malerei an der Kunstakademie in Florenz, später Philosophie, Kunstgeschichte und Slawistik an den Universitäten Freiburg CH und Bern. Seine Werke wurden bereits in Europa, China und den USA ausgestellt.

Von über 1000 Bewerbungen aus aller Welt wählte die Bauhütte des Petersdoms 2025 Dürrs Entwürfe für eine «Via Crucis» (Kreuzweg) aus. Seine 14 grossflächigen Gemälde wurden am 20. Februar 2026 im Petersdom geweiht (konsekriert). Jeweils zur Fastenzeit sollen sie dort nun Gläubigen zur Mediation dienen. Dürr stammt aus einer evangelisch-reformierten Familie. Bis heute ist er in der evangelischen Gemeinschaft Jahu in Biel BE beheimatet. Dort arbeitet er als freischaffender Künstler in eigenem Atelier, zusammen mit seiner Frau Anja. Die beiden haben drei kleine Kinder.

Expliziter, gar tagespolitischer möchte Dürr nicht werden. Auch nicht in seiner Kreuzwegkunst. Das Kreuz und die christliche Botschaft seien existentiell genug. Manuel Dürr möchte die Menschen auch nicht irritieren oder schockieren, wie das zeitgenössische Kunst sonst gern tut.

Die Gläubigen werden ihre Karfreitags-Andachten und Kreuzweg-Meditationen vor diesen Bildern abhalten. Dürr möchte sie mit seinen Bildern unterstützen, nicht stören. Die Menschen sollen den Glanz und das Licht von Ostern schon auf den Kreuzwegbildern erkennen. Und damit die christliche Hoffnung im Leben.

Sendehinweis

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«Kulturplatz» begleitet den Maler zur Enthüllung seines Bilderzyklus nach Rom und spricht mit ihm in seinem Atelier über die Entstehungsgeschichte des Werks von historischer Dimension.

Zu sehen auf SRF 1 am Mittwoch, 25. Februar um 22:25 Uhr.

Radio SRF 2 Kultur, 18.02.2026, 06:54 Uhr

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