Der reformierte Schweizer Maler Manuel Dürr hat für den Vatikan einen neuen Bilderzyklus, einen sogenannten Kreuzweg, geschaffen: Die 14 Bild-Stationen, die vom Leiden und Sterben Jesu Christi erzählen, hängen nun immer zur Fastenzeit im Petersdom.
Dürr ist gläubiger evangelischer Christ. Doch für seine Arbeit fühlte er sich tief ein in die «typisch katholische» Kreuzweg-Frömmigkeit. Denn der Kreuzweg ist auch eine Andachtsübung, bei der die Gläubigen die einzelnen Stationen des Leidenswegs Jesu betend nachvollziehen. Auch stilistisch wollte sich der Künstler bewusst und taktvoll ins traditionelle Umfeld des Petersdoms einfügen.
Hier brauche es keine Kunst als «Intervention». Und auch keine «Korrektur», was das Jesusbild der Kirche angehe. Der Kreuzestod Jesu, ja, das Kreuz an sich – seien schon provokant genug, sagt er im SRF-Interview.
Respektvolles Einfügen in die römisch-katholische Tradition
Dürr hat in Italien Malerei studiert und liebt die alten Meister, vor allem der Renaissance. Das ist seinen klaren und doch sanften Figuren anzusehen. Den Bildern ist zuerst nicht anzumerken, dass sie zeitgenössische Kunstwerke sind. Das neue Werk fügt sich auch in den Farbtönen – marienblau und Porphyr rot – in den Petersdom ein.
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Bild 1 von 6. Im Rahmen der Initiativen zum 400. Jahrestag der Weihe der Vatikanischen Basilika (1626-2026) wurde der neue Kreuzweg von Manuel Dürr am 20. Februar 2026 eingeweiht. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
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Bild 2 von 6. Der Auftrag für den Kreuzweg im Vatikan umfasste 14 grossformatige Ölgemälde mit einer Grösse von jeweils 1.30 mal 1.30 Metern. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
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Bild 3 von 6. Der Bieler Künstler achtete bei der Ausführung darauf, dass die Bilder sich nahtlos in die Architektur und Farbwelt des Petersdom einfügen. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
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Bild 4 von 6. Manuel Dürr hatte den Auftrag im Dezember 2023 erhalten, nachdem er sich bei einem internationalen Wettbewerb gegenüber 1000 Bewerbungen aus achtzig Ländern und fünf Kontinenten durchsetzte. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
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Bild 5 von 6. Die Werke bilden Szenen aus dem Leidensweg Jesu Christi ab. Hier: Jesus fällt zum ersten/zweiten Mal unter dem Kreuz. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
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Bild 6 von 6. Oder: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt. Werk Nr. 14, die letzte Tafel vor der Auferstehung. Die 14 Stationen werden während der gesamten Fastenzeit entlang des Mittelgangs und um die Confessio (Altaranlage) herum ausgestellt sein. Bildquelle: AP Photo/Gregorio Borgia.
Dürr wünscht sogar, dass «sein» Kreuzweg gar nicht als «seine» Bilder wahrgenommen werden, sondern als stimmiger Teil der Kunst und Frömmigkeitsgeschichte im Petersdom.
Im klassisch katholischen Kreuzweg kommen Szenen vor, die in der klassisch reformierten Frömmigkeit keine Rolle spielen: Weil sie nicht in der Bibel stehen und weil man im Protestantismus keine Bilder verehrt oder gar anbetet. Das tut auch Manuel Dürr nicht. Aber: Ausgerechnet im Motiv der Heiligen Veronika findet er sich bild-theologisch wieder. Veronika ist notabene die Schutzheilige der Malerei und der Wäscherinnen.
Auf dem Schweisstuch, das Veronika dem leidenden Jesus reicht, bildet sich dessen Gesicht ab. Die tiefe Bild-Mystik dieses Motivs habe ihn bei seiner Arbeit für den Petersdom geprägt, erzählt Dürr in seinem Atelier in Biel. Der Maler findet zudem: «Während digitale Bilder die ganze Welt simulieren können, bleibt der Akt des Malens etwas tief Existenzielles.»
Als christlicher Künstler sieht sich Manuel Dürr als traditionsbewusster Vermittler: ein Maler, der Bilder von Bildern abmalt, weiterentwickelt.
Schönheit soll zum christlichen Glauben führen
Christus und damit die Heilsbotschaft stehen für ihn im Zentrum: Die radikale Umdeutung des Kreuzes von einem skandalösen Mordinstrument hin zum Kreuz als Symbol für Auferstehung und Leben. Das sei auch 2000 Jahre später eine Provokation gegenüber allen, die Menschen mit Krieg und Gewalt überziehen.
Expliziter, gar tagespolitischer möchte Dürr nicht werden. Auch nicht in seiner Kreuzwegkunst. Das Kreuz und die christliche Botschaft seien existentiell genug. Manuel Dürr möchte die Menschen auch nicht irritieren oder schockieren, wie das zeitgenössische Kunst sonst gern tut.
Die Gläubigen werden ihre Karfreitags-Andachten und Kreuzweg-Meditationen vor diesen Bildern abhalten. Dürr möchte sie mit seinen Bildern unterstützen, nicht stören. Die Menschen sollen den Glanz und das Licht von Ostern schon auf den Kreuzwegbildern erkennen. Und damit die christliche Hoffnung im Leben.