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Vatikan zieht Bilanz Ein heiliges Jahr – zwei Päpste: Eine Bilanz

2025 zog es die Pilger in Scharen nach Rom, um dort beim Gang durch die heilige Pforte des Petersdoms für die Vergebung ihrer Sünden zu beten. Am Dienstagmorgen hat Papst Leo XIV. nun die heilige Pforte wieder verschlossen. Eine Bilanz.

Genau 33’475’369 Pilgerinnen und Pilger im Vatikan seien es 2025 gewesen, weiss Erzbischof und Organisator des heiligen Jahres Rino Fisichella. Eine Zahl, die alle Erwartungen übertreffe – und eine Herausforderung, die Rom gemeistert habe. Schätzungen waren wahlweise von bis zu 30 Millionen und 45 Millionen Menschen ausgegangen.

«Heiliges Jahr»: Die Bedeutung

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Alle 25 Jahre ruft der Papst ein ordentliches «Heiliges Jahr» aus und öffnet dazu die «Heilige Pforte» in Rom, die sonst verschlossen ist. Wer nach Rom pilgert, dort im Petersdom die Gräber von Petrus und Paulus besucht und danach eben durch diese «Heilige Pforte» schreitet, dem und der werden alle Sünden erlassen.

Das «Heilige Jahr» gibt es seit dem 14. Jahrhundert. Es soll den Gläubigen einen Neuanfang im Leben ermöglichen. Die Tradition geht zurück auf die «Jubeljahre» in der Bibel, die alle 50 Jahre stattfanden und mit einem kompletten Schuldenerlass verbunden waren.

Es war auch sonst ein besonderes «Heiliges Jahr» im Vatikan – eines mit zwei Päpsten, von Franziskus vor einem Jahr eröffnet und von Leo beschlossen. Dazwischen lagen die Krankheit und der Tod des argentinischen Papstes und die Wahl des US-amerikanischen.

Erwartungen übertroffen

«Tatsächlich haben Roms Metro, die Busse, die Hotels und die Restaurants die Massen ohne grössere Pannen oder Zwischenfälle aufnehmen können», resümiert auch SRF-Italienkorrespondent Franco Battel. Die ewige Stadt habe sich im Vorfeld an zentralen Punkten fürs grosse Ereignis auch ordentlich herausgeputzt.

Menschen berühren grosse verzierte Türen in einem Gebäude.
Legende: Pilger und Gläubige durchschreiten am 5. Januar 2026, dem letzten Tag der öffentlichen Öffnung, die Heilige Pforte im Petersdom im Vatikan. Keystone/AP Photo/Alessandra Tarantino

Offensichtlich gewesen seien die Pilgermassen vor allem rund um den Vatikan, doch im übrigen Rom sei kein grosser Unterschied zu bemerken gewesen, «denn schon seit einigen Jahren verzeichnet Rom Besucherrekorde».

Das «Heilige Jahr» ist eben immer auch Gelegenheit, Werbung zu machen. Hoch willkommen für die römisch-katholische Kirche und den Vatikan angesichts der negativen Presse, die sie vielerorts aufgrund der Missbrauchsskandale hat.

Und das Heilige Jahr zog – etwa bei der jüngeren Generation: Eine Million versammelte sich im Juni am Jugendtreff. Der Vatikan nutzte die Gelegenheit auch, eine neue Offenheit zu demonstrieren, wie etwa, als die LGBTIQ-Community, erstmals gut sichtbar durch die heilige Pforte schritt. Auch wenn sie nicht offiziell vom Papst empfangen wurde.

Die Bilanz derjenigen, die rund um den Petersdom Geschäfte machen, fällt zurückhaltender aus als jene von Erzbischof Fisichella. Viele Pilgerinnen und Pilger würden gar nicht im Restaurant essen, sondern nur schnell ein Sandwich oder ein Stück Pizza im Stehen verdrücken. Auch besonders kauffreudig seien sie nicht, wie Franco Battel im Gespräch mit Alessia Astrologo, einer Gewerbetreibenden in der Nähe des Vatikans, erfährt.

Zarte Papstbilanz

Und wie kommt der neue Papst bei den vielen Pilgernden an? «Eines der ersten Worte Leos war ‹Pace›, Frieden. Das kommt in dieser kriegerischen Zeit bei vielen sehr gut an», sagt Franco Battel. Viele sagen aber auch, sie wüssten noch zu wenig, wofür der neue Papst stehe. Denn: «Leo hat sich bisher mit Aussagen zu strittigen Themen wie der Ehelosigkeit, der Priester oder der Rolle der Frauen zurückgehalten», so der Italienkorrespondent.

Priester öffnet reich verzierte Tür in Zeremonialrobe.
Legende: 2024 wurde sie noch von Papst Franziskus geöffnet, nun wurde die heilige Pforte des Petersdoms vom neuen Papst Leo wieder geschlossen. Keystone/Yara Nardi/Pool photo via AP

Am Rand des Geschehens verkauft Alessia Astrologo seit einiger Zeit auch gewobene Teppiche mit dem Porträt des neuen Papstes: «Sie verkaufen sich schlecht», sagt sie – hofft aber, dass sich dies noch ändert.

Dass die römisch-katholische Kirche aber insgesamt Anklang findet, zeigt die Zahl der Pilger, vor allem aus Italien, aber auch aus dem Rest der Welt, die im «Heiligen Jahr» nach Rom gekommen sind: Das Versprechen, den Gläubigen ihre Sünden zu vergeben, lockt noch immer viele Leute an. Über 33 Millionen.

Radio SRF 1, Rendez-vous, 6.1.2026, 12:30 Uhr ; 

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