Genau 33’475’369 Pilgerinnen und Pilger im Vatikan seien es 2025 gewesen, weiss Erzbischof und Organisator des heiligen Jahres Rino Fisichella. Eine Zahl, die alle Erwartungen übertreffe – und eine Herausforderung, die Rom gemeistert habe. Schätzungen waren wahlweise von bis zu 30 Millionen und 45 Millionen Menschen ausgegangen.
Es war auch sonst ein besonderes «Heiliges Jahr» im Vatikan – eines mit zwei Päpsten, von Franziskus vor einem Jahr eröffnet und von Leo beschlossen. Dazwischen lagen die Krankheit und der Tod des argentinischen Papstes und die Wahl des US-amerikanischen.
Erwartungen übertroffen
«Tatsächlich haben Roms Metro, die Busse, die Hotels und die Restaurants die Massen ohne grössere Pannen oder Zwischenfälle aufnehmen können», resümiert auch SRF-Italienkorrespondent Franco Battel. Die ewige Stadt habe sich im Vorfeld an zentralen Punkten fürs grosse Ereignis auch ordentlich herausgeputzt.
Offensichtlich gewesen seien die Pilgermassen vor allem rund um den Vatikan, doch im übrigen Rom sei kein grosser Unterschied zu bemerken gewesen, «denn schon seit einigen Jahren verzeichnet Rom Besucherrekorde».
Das «Heilige Jahr» ist eben immer auch Gelegenheit, Werbung zu machen. Hoch willkommen für die römisch-katholische Kirche und den Vatikan angesichts der negativen Presse, die sie vielerorts aufgrund der Missbrauchsskandale hat.
Und das Heilige Jahr zog – etwa bei der jüngeren Generation: Eine Million versammelte sich im Juni am Jugendtreff. Der Vatikan nutzte die Gelegenheit auch, eine neue Offenheit zu demonstrieren, wie etwa, als die LGBTIQ-Community, erstmals gut sichtbar durch die heilige Pforte schritt. Auch wenn sie nicht offiziell vom Papst empfangen wurde.
Die Bilanz derjenigen, die rund um den Petersdom Geschäfte machen, fällt zurückhaltender aus als jene von Erzbischof Fisichella. Viele Pilgerinnen und Pilger würden gar nicht im Restaurant essen, sondern nur schnell ein Sandwich oder ein Stück Pizza im Stehen verdrücken. Auch besonders kauffreudig seien sie nicht, wie Franco Battel im Gespräch mit Alessia Astrologo, einer Gewerbetreibenden in der Nähe des Vatikans, erfährt.
Zarte Papstbilanz
Und wie kommt der neue Papst bei den vielen Pilgernden an? «Eines der ersten Worte Leos war ‹Pace›, Frieden. Das kommt in dieser kriegerischen Zeit bei vielen sehr gut an», sagt Franco Battel. Viele sagen aber auch, sie wüssten noch zu wenig, wofür der neue Papst stehe. Denn: «Leo hat sich bisher mit Aussagen zu strittigen Themen wie der Ehelosigkeit, der Priester oder der Rolle der Frauen zurückgehalten», so der Italienkorrespondent.
Am Rand des Geschehens verkauft Alessia Astrologo seit einiger Zeit auch gewobene Teppiche mit dem Porträt des neuen Papstes: «Sie verkaufen sich schlecht», sagt sie – hofft aber, dass sich dies noch ändert.
Dass die römisch-katholische Kirche aber insgesamt Anklang findet, zeigt die Zahl der Pilger, vor allem aus Italien, aber auch aus dem Rest der Welt, die im «Heiligen Jahr» nach Rom gekommen sind: Das Versprechen, den Gläubigen ihre Sünden zu vergeben, lockt noch immer viele Leute an. Über 33 Millionen.