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Neues Buch von J.D. Vance «Communion»: Ein Hillbilly findet den Katholizismus

In seinem neuen Buch beschreibt US-Vizepräsident J.D. Vance seine spirituelle Reise zurück zum Christentum. Und präsentiert dies gleichzeitig als Lösung für die moralische Krise der USA. Doch vieles bleibt Behauptung.

J.D. Vance hatte keine einfache Kindheit. Das weiss man spätestens seit seinem Bestseller «Hillbilly Elegy». Eine dysfunktionale Familie an der Armutsgrenze, die Mutter drogenabhängig, kaum Stabilität. Der einzige Anker: die heiss geliebte Grossmutter. Die Grosseltern waren es auch, die J.D. das Christentum näherbrachten.

Ohne moralischen Kompass

Diese christliche Sozialisierung überlebte die Krisen des jungen Erwachsenenlebens nicht. Er wird zum Atheisten. In «Communion» beschreibt J.D. Vance, wie er während des Studiums nur dem Geld und beruflichem Erfolg nachrennt – und seine moralische Orientierung verliert. Und wie er dann beginnt, sich mit christlichen Denkern und Philosophen zu befassen.

Nahaufnahme einer Person vor lila Hintergrund.
Legende: 2017: Der US-amerikanischen Unternehmer und Politiker J.D. Vance bewirbt sein autobiografisches Buch «Hillbilly Elegie». IMAGO / Newscom World

Er zitiert Einflüsse von U2 bis zum Kirchenvater Augustinus. Auch Tech-Milliardär Peter Thiel erwähnt Vance dabei – verschweigt aber, dass dieser ihn auch bei seinem beruflichen Erfolg und seinem Wahlkampf als Vizepräsident massiv unterstützt hat. Seine politische Laufbahn ist im Buch selten mehr als eine Randnotiz und scheint ihm eher zu passieren, als dass er sie anstrebt.

Gesellschaftsanalyse vor den Midterms

Als Schlüsselerlebnis für seine Rückkehr zum Glauben schildert J.D. Vance die Geburt seines ersten Sohnes. Sein innigster Wunsch: ein guter Vater zu sein. Sein Kompass: der christliche Glaube.

Geht es um J.D. Vances persönliche Geschichte, liest sich das Buch leicht. Sein Bemühen, die Kindheitstraumata zu überwinden und ein guter Ehemann und Vater zu werden, macht ihn nahbar und sympathisch.

Nahaufnahme einer lächelnden Person mit Bart betrachtet in die Ferne.
Legende: Seit Januar 2025 ist J.D. Vance Vizepräsident der Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump – und vielleicht auch selbst irgendwann die Nummer 1 der Vereinigten Staaten. Keystone/AP Photo/Matt Rourke

Doch die persönliche Geschichte ist begleitet von Vances moralisch unterlegter Gesellschaftsanalyse, die man nicht lesen kann, ohne sich bewusst zu sein: Hier spricht wohl ein künftiger Präsidentschaftskandidat – und das kurz vor den Zwischenwahlen im Herbst.

Rückkehr zum Christentum

J.D. Vance beschreibt ein Amerika, das – wie er – die Orientierung verloren hat, weil es vom Glauben abfällt. Und propagiert, dass eine Rückkehr zum Christentum, zu christlichen Werten, alles besser machen würde. Meist bleibt dies eine Behauptung.

Katholikinnen und Katholiken in den USA

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  • Rund 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den USA sind Katholikinnen und Katholiken.
  • 52 Prozent sympathisieren mit der republikanischen Partei, 44 mit den Demokraten.
  • 78 Prozent bewerten Papst Leo XIV. als positiv. 19 Prozent finden, der Papst habe die Trump-Administration zu stark kritisiert, 16 Prozent, er habe sie nicht stark genug kritisiert.

Lange blieben die Mitgliederzahlen der katholischen Kirche in den USA relativ stabil, vor allem wegen der Migranten aus Lateinamerika (die zu 60 Prozent demokratisch wählen).

In den vergangenen Jahren sanken die Mitgliederzahlen. Gewisse Beobachter meinen allerdings, eine Trendwende auszumachen. Vor allem Junge bekennen sich wieder mehr zum Katholizismus, heisst es. Allerdings gibt es auch Religionssoziologen, die diesen Trend wiederum infrage stellen.

An anderen Stellen wird Vance sehr konkret. Bei den brisanten Themen etwa bezieht er Stellung. So bei der Abtreibung. Oder bei der brutalen Ausschaffungspolitik der Trump-Administration, die er gegen die Kritik aus christlichen Kreisen verteidigt. Kritik, die auch aus dem Vatikan kommt, vom Papst selbst.

Kein Wort über Leo XIV.

Wie also geht Katholik Vance damit um, dass der Papst, selbst US-Amerikaner, seine an christlichen Werten orientierte Politik infrage stellt? Seine Begegnung mit dem letzten Papst, Franziskus, beschreibt Vance dagegen ausführlich. Auch, dass er mit mehr Kritik vonseiten der Kardinäle zur Migrationspolitik gerechnet hätte.

Mehrere Menschen in formeller Kleidung versammeln sich, während eine Person eine Hostie empfängt.
Legende: J.D. Vance an der Messe zum Beginn des Pontifikats von Papst Leo XIV. im Petersdom am 18. Mai 2025. IMAGO / ABACAPRESS

Leo XIV. erwähnt er mit keinem Wort, ausser, dass er an dessen Inauguration war. Interessant ist allerdings, dass Vance sich – wie Leo XIV. – in seiner Politik auf die Sozial-Enzyklika von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1891 bezieht – nur mit komplett anderen politischen Schlussfolgerungen.

J.D. Vance gibt in seinem neuen Buch viel Preis von sich, seinen Zweifeln, seinem christlichen Glauben. Doch den Beweis, dass mehr Christentum die Probleme der USA tatsächlich lösen könnte, bleibt der Vizepräsident schuldig.

Buchhinweis

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J.D. Vance: «Communion – Finding My Way Back to Faith». HarperCollins, 2026.

Radio SRF 4 News, 19.6.2026, 9:03 Uhr

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