Mehrere hundert Geistliche sind in Bussen nach Minneapolis gekommen, um sich schützend vor die Menschen zu stellen: Bischöfinnen, Pfarrer, Rabbinerinnen, buddhistische Mönche und Imame bilden Menschenketten zum Schutz von Moscheen und Wohnhäusern – und sie blockieren den Flughafen.
Bei minus 30 Grad demonstrieren sie gegen die Politik Donald Trumps. Der Protest der Religionen steht in langer Tradition, er erinnert stark an die Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre – an den gewaltlosen Teil.
Martin Luther King, der Baptistenprediger, marschierte schon damals zusammen mit dem jüdischen Denker Abraham Joshua Heschel und Thich Nhat Hanh, dem vietnamesischen buddhistischen Mönch. Alle drei werden bis heute verehrt und viel gelesen. Und dieser Tage: Aus welchem religiösen Spektrum genau kommt der Widerstand?
Mannigfaltige Kritik
Das religiöse Bündnis wird immer diverser. Klassisch mit dabei sind die Black Churches in der Menschenrechtstradition Martin Luther Kings. Mit ihnen sind die historischen protestantischen Kirchen und Reform-Synagogen. Besonders aktiv vor Ort: die lutherische Kirche.
Papst Leo XIV. verurteilte die Gewalt gegen Migranten in Minnesota als «inakzeptabel». Seine US-Kardinäle hatten das bereits getan und auch Trumps Aussenpolitik kritisiert.
Selbst aus dem Spektrum der Pfingstkirchen, welche teils den Kapitalismus predigen und Trump wählten, wenden sich nun einige ab.
Kirchen in Abkehr
Warum auch die Pfingstkirchen und katholische Trump-Wählende neu kritisch sind? Weil sie die Gewalt schockiert. Und weil sie teils selbst Angst vor Ausschaffung haben.
Charismatische Pfingstkirchen missionierten besonders unter Hispanics, den Zugewanderten aus Südamerika. Sie lockten mit dem «Wohlstandsevangelium». Nun sind sie selbst von der Abschiebegewalt betroffen. Ebenso wie viele römisch-katholische Migrantinnen und Migranten.
So wächst die religiöse Protestbasis. In guter biblischer Tradition rufen sie: «No Kings» oder «Du sollst den Fremdling lieben wie Dich selbst».
Auflehnung aus Glaubensgründen
Unter dem Motto «State of Belief» hat sich eine interreligiöse Allianz für Demokratie gebildet. «The State of Belief» steht für den «Bekenntnisfall» (Status confessionis). Damit meint die christliche Theologie den absoluten Notfall, wenn sich Gläubige den Herrschenden entgegenstellen müssen, um ihrem Glauben treu zu bleiben. Auch wenn es das eigene Leben kostet, Stichwort «Martyrium».
Der religiöse Widerstand gegen ICE bezieht sich direkt auf den deutschen Widerstandstheologen Dietrich Bonhoeffer, der von den Nazis hingerichtet wurde. Bonhoeffer sagte sinngemäss: Du musst nicht nur denjenigen helfen, die vom Rad der Mächtigen zermalmt werden, sondern selbst dem Rad in die Speichen fallen, auch wenn es Dich selbst zerbricht.
Notabene: Seit der Pandemie versucht das globale Rechtsaussen, Bonhoeffers Widerstand zu vereinnahmen. Dagegen schreien Kirchen weltweit auf.
Es betrifft alle
Warum auch religiöse Menschen hierzulande wegen der Geschehnisse in den USA alarmiert sind? Kirchen und Religionen sind global verbunden. Es betrifft alle, was die US-Regierung tut. «The State of Belief» formuliert ihre menschenrechtliche Vision so: «Demokratie statt Theokratie», «Freiheit statt Extremismus» und «Information statt Indoktrination». Diese Vision ist universell.