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Weshalb machen wir immer die gleichen Schreibfehler?
Aus Kultur-Aktualität vom 05.01.2020. Bild: Getty Images / ullstein bild
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Rechtschreibung Korrektorin: «Der Duden macht es uns nicht einfacher»

Leider wahr: Schreibfehler machen wir alle. Und zwar alle stets die gleichen. Das müsste nicht sein, sagt die Zürcher Korrektorin Patrizia Villiger. Sie hat in einem Buch die häufigsten Schreibfehler gesammelt – eine praktische Orientierungshilfe im Dschungel der Orto, pardon, Orthografie.

Patrizia Villiger

Patrizia Villiger

Korrektorin

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Patrizia Villiger, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen redigiert und korrigiert Texte für Magazine wie «Du» oder «Bolero» und schreibt die Kolumne «Word-Trade. Englisch im deutschen Text» auf theonliner.ch.

SRF: Warum machen wir immer wieder die gleichen Schreibfehler?

Patrizia Villiger: Die Sprache ist ein komplexes System. Es gibt zwar Grundsätzliches, das wir in der Schule gelernt haben sollten. Aber es gibt auch Ausnahmen, Feinheiten und vieles, was der Duden neuerdings zulässt. Das macht es in meinen Augen nicht einfacher, sondern eher schwieriger.

In meinem Buch habe ich versucht, ein paar wenige Grundsätze weiterzugeben, an die man sich halten kann – auch wenn noch andere Varianten zulässig wären.

Was ist ein einfacher, sinnvoller Grundsatz?

Nomen schreibt man gross. Das tönt einfach, aber ist schwierig, wenn es zum Beispiel heisst «als Erstes» oder «als Nächstes».

Das schreiben die meisten Leute klein, weil sie nicht erkennen, dass das eine nominalisierte Form ist. Wie erkenne ich eine nominalisierte Form? Ich kann einen Artikel davorstellen, also «das Erste», «das Nächste».

Ein anderes Beispiel: «Beim Champagnertrinken» schreiben die Leute häufig getrennt, obwohl im «beim» schon ein Artikel integriert ist und danach ein Nomen folgt.

Es ist eine einfache Regel und im Zweifelsfall kann man sich stets fragen: Könnte da ein Artikel stehen?

Welches sind unsere häufigsten Rechtschreibfehler?

Die häufigsten Fehler finden wir in der Getrennt- oder Zusammenschreibung, dann in der Gross- oder Kleinschreibung und nicht zu vergessen das Komma.

Wo passieren die meisten Kommafehler?

Es werden häufig keine Kommas gesetzt zwischen einem Haupt- und einem Nebensatz. Etwa: «Ich bin überrascht, dass du zuhörst.» In diesem Satz hat es zweimal eine konjugierte Verbform, deshalb braucht es ein Komma.

Eine weitere Schwierigkeit sind die sogenannt «nebensatzwertigen Infinitive». Das sind Infinitive mit «zu». Zum Beispiel: «Ich bin froh, morgen nicht arbeiten zu müssen.» Das gilt auch als nebensatzwertig, deswegen trennt man es mit einem Komma ab.

Auch der Bindestrich macht immer wieder Probleme.

Ich lese Dinge wie «Dorf Platz» in zwei Wörtern ohne Bindestrich. Im Englischen schreibt sich etwa «Flower Power» in zwei Wörtern. Würde man das Wort aber in einen deutschen Text integrieren, müsste man Flower-Power mit einem Bindestrich kuppeln.

Es gibt eine Tendenz, die aus dem Englischen kommt. Hier schreiben sich Fügungen aus zwei Nomen häufig offen – also weder mit Bindestrich noch zusammen. Das überträgt sich immer mehr ins Deutsche, was sehr schade ist.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 05.01.2020, 07:52 Uhr;

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55 Kommentare

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  • Kommentar von Roland Ruckstuhl  (Roland Ruckstuhl)
    Wieso so kompliziert? Wann kommt endlich die Kleinschreibung - durchgängig. Es braucht eine wirkliche Rechtschreibereform. Und zwar eine, die auf die Menschen schaut, wie sie schreiben und nicht von oben herab wie es der Duden vorschreibt.
  • Kommentar von Martin Ebnöther  (Venty)
    Im ganzen Artikel wird aber der schlimmste aller Fehler ueberhaupt nicht erwaehnt, naemlich das Deppenapostroph!
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Frau Villiger, Wie stehen Sie zu den heute gebräuchlichen, aber eigentlich falschen Redewendungen?

    "Es macht (keinen) Sinn" und "Die Menschen wurden evakuiert"