Männer-Denkmäler seien sehr viel grösser und prominenter platziert als die von Frauen, erklärt die deutsche Künstlerin Frauke Beeck. Seit fünf Jahren reist sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um Denkmäler von Frauen zu dokumentieren und künstlerisch festzuhalten.
«In Berlin gibt es ein Goethe-Denkmal: drumherum ein Zaun, dann ein Sockel, dann ein paar Musen – bis man irgendwann Goethes Schuhsohlen von unten sieht.» Männer-Denkmäler sind also weithin sichtbar. Frauen-Denkmäler dagegen stünden oft auf ebener Erde. Und: Sie seien auch an nicht so zentralen Stellen platziert.
Bereits 300 Frauen-Denkmäler «archiviert»
Künstlerin Frauke Beeck ist per Zufall auf die Idee gekommen, sich mit Frauendenkmälern zu beschäftigen: Für eine Ausstellung im Bremer Frauenmuseum suchte sie nach einem passenden Projekt. Beeck machte sich auf die Suche nach weiblichen Denkmälern, recherchierte, wer die dargestellten Frauen sind und wer die Denkmäler geschaffen hat – und sprayte die Denkmäler dann in Neonfarben aufs Papier.
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Bild 1 von 3. Die US-amerikanische Sängerin Aretha Franklin tritt am 12. Juni 1971 im Casino Kursaal des Montreux Jazz Festival auf. Die Skulptur der Queen of Soul wurde 2010 von dem Bildhauer Marco Zeno geschaffen und steht nahe dem Montreux Palace. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 2 von 3. Frauke Beek fertigt mehreren Perspektiven der Statue an, um sie bestmöglich in Szene zu setzen. Bildquelle: Christine Weber.
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Bild 3 von 3. Als Finish wird den Skizzen ein farblicher Touch aufgesprayt. Bildquelle: Christine Weber.
Seitdem hat das Projekt sie nicht mehr losgelassen. Mittlerweile umfasst ihr gemaltes beziehungsweise gesprühtes Archiv 300 Frauen-Denkmäler im gesamten deutschsprachigen Raum.
Kleiner, aber persönlicher
Dass Frauendenkmäler oft so viel kleiner sind als die von Männern, hat auch Vorteile, findet Beeck: Sie wirkten oft zugänglicher. In vielen Fällen seien sie kombiniert mit Brunnen oder Bänken. Bei ihren Reisen erlebe sie immer wieder, dass Menschen einen sehr persönlichen Bezug zu den Frauendenkmälern hätten, erzählt die Künstlerin: «Es kommen oft Ehepaare oder Frauen an diesen weiblichen Denkmälern vorbei und fragen: ‹Hat sie heute noch keine Blumen bekommen? Wie geht es ihr heute?›»
Diese Frauen-Denkmäler hat Frauke Beeck in Kunst verwandelt
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Bild 1 von 10. Catherine Royaume wird für ihren Widerstand beim Überfall der Savoyarden auf Genf in der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 1602 verehrt und gilt als Schweizer Volksheldin. Die Skulptur ist an der Fassade eines Gebäudes nahe der Oper in Genf angebracht. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 2 von 10. Frauke Beeck wählt ein leuchtendes Gelb für ihre Skizze. Bildquelle: Christine Weber.
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Bild 3 von 10. Meret Oppenheim war eine Künstlerin und Lyrikerin des Surrealismus – in ihren 20ern zog die Berlinerin nach Basel und wirkte von der Rheinstadt aus. Zu ihren Ehren steht nahe dem Bahnhof SBB eine Brunnenanlage samt Figur, die auf einem Modell aus dem Nachlass von Meret Oppenheim basiert. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 4 von 10. Die entsprechende Skizze des Meret-Oppenheim-Brunnens von Frauke Beeck. Bildquelle: Christine Weber.
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Bild 5 von 10. Lucy Walker war die erste Frau, die das Matterhorn bestiegen hat – am 22. Juli 1871. Dieses historische Ereignis gilt als Meilenstein im Alpinismus – seit 2021 steht auf dem Museumsplatz in Zermatt ihre Statue. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 6 von 10. Auch diese Statue hat Frauke Beeck abermals zu Kunst gemacht. Bildquelle: Christine Weber.
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Bild 7 von 10. Emilie Kempin-Spyri ist die erste schweizerische Juristin, die in der Schweiz promoviert wird und sich habilitiert. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 8 von 10. Ihr Denkmal befindet sich im Lichthof des Hauptgebäudes der Universität Zürich. Bildquelle: Christine Weber.
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Bild 9 von 10. Hedwig ab Burghalden ist die legendenhafte Anführerin, die Herzog Albrecht I. von Habsburg 1292 mit seinem Heer in die Flucht schlägt. Bildquelle: Frauke Beeck.
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Bild 10 von 10. Ihre Eisenfigur steht seit 1912 auf dem Brunnen am Lindenhof in Zürich. Bildquelle: Christine Weber.
Diese spezielle Anziehungskraft von Frauendenkmälern hat Frauke Beeck schon überall erlebt. Anderes, erzählt sie, unterscheide sich von Region zu Region. Zum Beispiel, welchen Frauen überhaupt Denkmäler gewidmet werden: In Berlin seien es Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen, in Bremen dagegen einfache Frauen – Fischerinnen, Strassenfegerinnen, Marktfrauen.
Hierzulande seien oft Stifterinnen, Schriftstellerinnen oder Freiheitskämpferinnen dargestellt. Auch das Frauenwahlrecht sei ein grosses Thema. Denkmäler von Naturwissenschaftlerinnen gebe es in der Schweiz eher nicht.
«Frauensleute» in Buchform gepackt
40 Frauendenkmäler in der Schweiz hat Frauke Beeck zusammengetragen und in Kunst verwandelt: Das Ergebnis ist in einem nur DIN A5 grossen Büchlein festgehalten. Auf jeder Seite sind zwei neonfarbene Spraybilder von den «Frauensleuten» zu sehen, wie Frauke Beeck sie nennt. Darunter ist jeweils eine kurze Biografie der Frau zu lesen.
Für sie seien Denkmäler «Ideen für die Zukunft», sagt Frauke Beeck. Damit ihre Recherchearbeit wirklich in die Zukunft weist, hat Wikimedia, die Mutterorganisation der Wikipedia, ihre Recherchen zu Frauendenkmälern im Internet veröffentlicht – samt der Biografien dieser immer noch zu wenig beachteten «Frauensleute».