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Schweizerinnen im Spotlight Eine Künstlerin rückt Schweizer Frauen-Denkmäler in den Fokus

Reiterstandbilder oder Büsten von Dichtern und Denkern – Denkmäler ehren meist Männer. Eine Künstlerin sucht seit fünf Jahren nach ihren weiblichen Pendants – nun war sie auch in der Schweiz auf Entdeckungsreise.

Männer-Denkmäler seien sehr viel grösser und prominenter platziert als die von Frauen, erklärt die deutsche Künstlerin Frauke Beeck. Seit fünf Jahren reist sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um Denkmäler von Frauen zu dokumentieren und künstlerisch festzuhalten.

Wand voller bunter Kunstwerke in einer Ausstellung.
Legende: Die meist grauen Denkmäler bekommen bei Frauke Beeck einen farbigen Anstrich: In der Inselgalerie in Berlin wurden ihre Skizzen bereits ausgestellt. Insel Galerie Berlin

«In Berlin gibt es ein Goethe-Denkmal: drumherum ein Zaun, dann ein Sockel, dann ein paar Musen – bis man irgendwann Goethes Schuhsohlen von unten sieht.» Männer-Denkmäler sind also weithin sichtbar. Frauen-Denkmäler dagegen stünden oft auf ebener Erde. Und: Sie seien auch an nicht so zentralen Stellen platziert.

Bereits 300 Frauen-Denkmäler «archiviert»

Künstlerin Frauke Beeck ist per Zufall auf die Idee gekommen, sich mit Frauendenkmälern zu beschäftigen: Für eine Ausstellung im Bremer Frauenmuseum suchte sie nach einem passenden Projekt. Beeck machte sich auf die Suche nach weiblichen Denkmälern, recherchierte, wer die dargestellten Frauen sind und wer die Denkmäler geschaffen hat – und sprayte die Denkmäler dann in Neonfarben aufs Papier.

Seitdem hat das Projekt sie nicht mehr losgelassen. Mittlerweile umfasst ihr gemaltes beziehungsweise gesprühtes Archiv 300 Frauen-Denkmäler im gesamten deutschsprachigen Raum.

Kleiner, aber persönlicher

Dass Frauendenkmäler oft so viel kleiner sind als die von Männern, hat auch Vorteile, findet Beeck: Sie wirkten oft zugänglicher. In vielen Fällen seien sie kombiniert mit Brunnen oder Bänken. Bei ihren Reisen erlebe sie immer wieder, dass Menschen einen sehr persönlichen Bezug zu den Frauendenkmälern hätten, erzählt die Künstlerin: «Es kommen oft Ehepaare oder Frauen an diesen weiblichen Denkmälern vorbei und fragen: ‹Hat sie heute noch keine Blumen bekommen? Wie geht es ihr heute?›»

Diese Frauen-Denkmäler hat Frauke Beeck in Kunst verwandelt

Diese spezielle Anziehungskraft von Frauendenkmälern hat Frauke Beeck schon überall erlebt. Anderes, erzählt sie, unterscheide sich von Region zu Region. Zum Beispiel, welchen Frauen überhaupt Denkmäler gewidmet werden: In Berlin seien es Politikerinnen und Wissenschaftlerinnen, in Bremen dagegen einfache Frauen – Fischerinnen, Strassenfegerinnen, Marktfrauen.

Hierzulande seien oft Stifterinnen, Schriftstellerinnen oder Freiheitskämpferinnen dargestellt. Auch das Frauenwahlrecht sei ein grosses Thema. Denkmäler von Naturwissenschaftlerinnen gebe es in der Schweiz eher nicht.

«Frauensleute» in Buchform gepackt

40 Frauendenkmäler in der Schweiz hat Frauke Beeck zusammengetragen und in Kunst verwandelt: Das Ergebnis ist in einem nur DIN A5 grossen Büchlein festgehalten. Auf jeder Seite sind zwei neonfarbene Spraybilder von den «Frauensleuten» zu sehen, wie Frauke Beeck sie nennt. Darunter ist jeweils eine kurze Biografie der Frau zu lesen.

Buchhinweis

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Frauke Beeck: «Frauensleute. Spraybilder. Schweiz.», FATart, 2026.

Für sie seien Denkmäler «Ideen für die Zukunft», sagt Frauke Beeck. Damit ihre Recherchearbeit wirklich in die Zukunft weist, hat Wikimedia, die Mutterorganisation der Wikipedia, ihre Recherchen zu Frauendenkmälern im Internet veröffentlicht – samt der Biografien dieser immer noch zu wenig beachteten «Frauensleute».

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 18.2.2026, 07:06 Uhr ; 

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