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Sommerserie «Besser Leben» Macht freiwilliges Engagement glücklicher?

Wer sich freiwillig engagiert, investiert Zeit, Energie, sich selbst. Warum machen Menschen mehr, als sie müssten?

Manchmal geht es um Leben und Tod. «Geht der Pager los, bekomme ich weiche Beine.» Tehya Birch ist Seeretterin beim Seerettungsdienst Wädenswil. Sie weiss nie, was sie erwartet. Meistens Menschen in Not.

Einmal rettete Tehya einer Frau das Leben. Sie war am Ertrinken, nicht mehr ansprechbar. «Ich schwamm zu ihr hinaus, hatte noch die Joggingkleider an und zog sie zurück an Land.» Während Jahren strickte die Frau Tehya Socken zu Weihnachten. «Sie nannte mich ihren Engel.»

Engagement als Lebensform

Als ich Tehya am Zürichsee treffe, steht eine Übung an. Was tun, wenn mehrere Segelboote mit Kindern kentern? Tehya und ihre Teammitglieder fahren mit dem Rettungsschiff raus, springen ins Wasser, bringen die Kinder in Sicherheit und richten die gekenterten Mini-Segelboote, die Optimisten, wieder auf. Es ist kräftezehrend. Tehya atmet schwer. «Mir gibt das Sinn. Ich weiss, dass es drauf ankommt, ob ich da bin oder nicht.»

Frau in Neoprenanzug lächelt auf einem Boot auf dem Wasser.
Legende: Action am Wasser: Seeretterin Tehya Birch bei der Übung auf dem Zürichsee. SRF

Wer sich engagiert, gestaltet die Welt. Ob als Rettungsschwimmerin, in der Flüchtlingshilfe oder im Trachtenverein. Für den Philosophen Albert Camus war Engagement eine Lebensform. Die freie Entscheidung, Verantwortung zu übernehmen, gerade in einer Welt voller Abgründe. Vieles können wir nicht kontrollieren, aber wir können uns engagieren. Uns entscheiden für Solidarität statt Rückzug und Ohnmacht. Genau daraus kann Sinn entstehen.

Engagement: Erfüllung statt Erholung?

Engagement ist mehr als nur Mitmachen. Es braucht Entschlossenheit, Verbindlichkeit, manchmal auch Mut und die Bereitschaft, schwierige Situationen auszuhalten. Das kennt Tehya. Einmal brannte ein Auto aus, gleich am Seeufer. Die Seeretterinnen und Seeretter mussten eine Ölsperre einrichten. Für den Fahrer kam jede Hilfe zu spät. Es sind Bilder, die Tehya bis heute begleiten.

In der Zwischenzeit sind die Kinder wieder im Trockenen, die Optimisten an Land geschleppt. Tehya Birch ist erschöpft, aber strahlt. «Das Wasser ist mein Element und wenn ich dazu beitragen kann, dass Menschen sicher den See nutzen können, umso schöner.»

Person im Wasser neben einem Boot mit Rettungsweste.
Legende: Die Seerettung ist fordernd. Aber Tehya Birch macht diese Arbeit glücklich. SRF

Seerettung sei Teamarbeit. «Ich habe hier meine zweite Familie gefunden.»

Gegenpol zur Gleichgültigkeit

Sinn entsteht dort, wo Menschen ihre Fähigkeiten entfalten und sich mit anderen verbunden fühlen, einander Sorge tragen. Das ist ein Gedanke der Philosophin Martha Nussbaum. Genau das tut Tehya. Sie ist eine hervorragende Schwimmerin, setzt ihr Können freiwillig für andere ein und findet Zugehörigkeit im Verein.

Besser leben: Der Sommerguide der «Sternstunde Philosophie»

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Das Leben, ein Abenteuer! Abwechslungsreich, aufregend – und manchmal auch ganz schön anstrengend. Cool bleiben? Nicht immer leicht. Der Guide der Sternstunde Philosophie zeigt, wie man besser leben kann – oder vielleicht leichter durchs Leben kommt.

Freiwilligenarbeit spendet damit gleich dreifach Sinn: Man findet Freundinnen und Freunde, tut, worin man gut ist und kreiert ein eigenes Stück Welt. Ob auf dem Fussballplatz oder auf dem Zürichsee. Wer sich freiwillig engagiert, zeigt: Es ist mir nicht egal, was um mich herum passiert. «Vieles liegt nicht in unseren Händen, wichtig ist, was wir trotzdem tun», so Tehya.

Rettungsboot auf einem See vor einer bewaldeten Landschaft und Häusern.
Legende: Beim Seerettungsdienst hat Tehya Birch nicht nur motivierte Kollegen, sondern auch Freundinnen und Freunde gefunden. SRF

2026 ist das Internationale Jahr der Freiwilligenarbeit. Was auf den ersten Blick nach etwas Zusätzlichem klingt, entpuppt sich als Erinnerung daran, dass Menschen auch ganz anders können, als manchmal suggeriert wird: solidarisch sein, einander stützen.

Angesichts von Krieg, Elend und Klimawandel ist persönliches Engagement Ausdruck eines Willens, sich nicht von der Welt überwältigen zu lassen. Der Gegenpol zur Gleichgültigkeit. Tehya verkörpert das. Tritt sie im Garten aus Versehen auf eine Schnecke, kommen ihr fast die Tränen. Das kleine Lebewesen ist kein Detail.

SRF 1, 10 vor 10, 24.7.2026, 21:50 Uhr.

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