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Sommerserie «Besser Leben» Einfach wau! Was uns Hunde über das Leben lehren

Was lehrt das Leben mit einem Hund? Einiges, finde ich. Sie machen unser Leben besser. Und: Von den Vierbeinern lernen heisst, zu lernen, wie man ein entspanntes, authentisches und wachsames Leben führt.

Worin für mich das beglückende – und auch erhellende – im Leben mit einem Hund liegt? Zunächst einmal ist es das Leben mit einem Wesen, das einer fundamental anderen Relevanzstruktur folgt. Das relativiert auch die eigenen Sorgen, Ängste und Hoffnungen.

Person auf einem Sofa mit zwei Hunden in einem holzgetäfelten Raum.
Legende: Zu Besuch in einer Dackel-Kita in Zürich. «Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber nicht schön und nicht sinnvoll – Hunde machen unser Leben besser», findet Wolfram Eilenberger, Philosoph und Moderator der «Sternstunde Philosophie». SRF

Jeder Tag mit einem Hund lässt mich fragen, ob all das, was ich in meinem Leben gerade für so wichtig und entscheidend halte, wirklich so hochgehängt werden muss. Berufliche Zielsetzungen zum Beispiel. Oder politische Ärgernisse. Wiederkehrende Zugverspätungen. Ein verfrühtes Ausscheiden der eigenen Nationalmannschaft. Kennt so ein gemeiner Rüde alles nicht. Kümmert ihn nicht.

Hund sein heisst: im Moment leben

Für ihn zählt: Vesper, Auslauf, Kontakt, Sex – klar; Zuneigung, der richtige Riecher. Jeden Tag wieder. Jeweils ziemlich im Moment verweilend. Auch ein mögliches Leben! Und sogar ein offenbar erfülltes.

Mehrere Hunde an Leinen auf einem Rasen.
Legende: Ein Hund macht viel Arbeit, dennoch gibt es immer mehr Hundehalter. Welche Sehnsucht steckt dahinter? SRF

Genau dieser Hunde-Riecher für das gute, richtige, unverstellte Leben war es auch, der den antiken Kynikern ihren Namen gab. Denn kynos (κύων), das heisst auf Griechisch Hund. Der Philosoph Diogenes von Sinopie war im alten Griechenland der berühmteste unter den Kynikern. Anstatt in einem Haus lebte er in einem Fass – mitten auf dem Marktplatz. Dort ass und schlief er, wusch er sich, polterte und pinkelte.

Einfach wau!

Er vermied alles Künstliche, Affektierte, Bornierte. Authentisch würden wir heute sagen: immer frei heraus. Diogenes machte aus seinen Bedürfnissen keinen Hehl. Genauso wenig wie aus seiner Abscheu für Menschen, die meinten, das gute Leben läge im Erfolg, im Ruhm, in der Macht. Mit anderen Worten: Diogenes war ein ganz schön cooler Hund!

Und dann gäbe es da noch das Verhältnis des gemeinen Caninen zum Schlaf. Einfach phänomenal! Die können schlafen – 18 Stunden am Tag. Ohne jede Reue, ohne Problem. Nichts schöner, nichts friedlicher auf dieser Welt als ein schlafender Hund.

Wahrscheinlich auch deshalb das Sprichwort: schlafende Hunde sollte man nicht wecken.

Brauner Hund schläft auf gelbem Stoff in der Sonne.
Legende: Ein Dackel bei seinem friedvollen Nickerchen. Ob er wohl von Leckerlis träumt? IMAGO / Dreamstime

Zudem weiss der Volksmund, der Hund sei der beste Freund des Menschen. Aber evolutionär war es wohl umgekehrt: Da war der Mensch der beste Freund des Hundes. Soll heissen: Es waren die Hunde, unser Leben mit ihnen, die den Menschen überhaupt erst zum Kultur- und Zivilisationswesen gemacht haben. Durch ihren Schutz, ihre Wachsamkeit, ihren Jagdverstand. Wir verdanken diesen Wesen also fast alles. Nur wenige Menschen wissen das. Aber jeder Hund! Dieser Stolz, der ihn durchs Leben trägt: Er weiss, was er für uns bedeutet! Wahrlich, von Hunden lernen, heisst leben lernen! Wau!

In besonderem Masse gilt das bislang Gesagte nun vom Dackel. Für den Kenner deshalb auch der eigentliche Hund unter den Hunden. Denn so unwahrscheinlich seine Form, so selbstbewusst sein Auftritt. So devot sein Blick, so unzerstörbar sein Eigensinn. So kurz seine Beine, so weittragend sein Radius. So mutig sein Streben, so fein sein Sinn für die Situation. Er ist ein wahres Genie im Erkennen menschlicher Stimmungslagen – und also auch deren gezielter Manipulation.

So lehrt das Leben mit solch einem Hunde nicht zuletzt, uns vor allen in Acht zu nehmen, die uns mit treuesten Augen anhimmeln, gar freudig mit dem Schwanze wedeln, in Wahrheit jedoch ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Und was könnte nützlicher sein als das?

Besser leben: Der Sommerguide der «Sternstunde Philosophie»

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Das Leben, ein Abenteuer! Abwechslungsreich, aufregend – und manchmal auch ganz schön anstrengend. Cool bleiben? Nicht immer leicht. Der Guide der Sternstunde Philosophie zeigt, wie man besser leben kann – oder vielleicht leichter durchs Leben kommt.

SRF 1, 10 vor 10, 23.7.2026, 21:50 Uhr

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