Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Rätoromanisch: unnötiger Luxus? abspielen. Laufzeit 56:46 Minuten.
Aus Schnabelweid vom 22.08.2019.
Inhalt

Sprache erhalten Rätoromanisch dort fördern, wo es gesprochen wird

Rätoromanisch überlebt nur, wenn es von Generation zu Generation weitergegeben wird. Aber das ist einfacher gesagt als getan, wenn die Hälfte der Rätoromanen ausserhalb des rätoromanischen Gebiets lebt.

Noch gibt es die kleine Sprache, welche seit 1938 die vierte Landessprache der Schweiz ist. Etwa 50'000 bis 60'000 Personen sprechen Rätoromanisch. Die Sprecherzahl ist seit einigen Jahrzehnten stabil.

Entwarnung gebe es allerdings keine, sagt Liedermacher Linard Bardill, denn immer noch gebe es Bündner Gemeinden, die von Rätoromanisch auf Deutsch wechselten – zumindest inoffiziell, wenn die Gemeindeversammlung plötzlich auf Bündnerdeutsch statt auf Rätoromanisch abgehalten werde. Und eine Gemeinde, die einmal gekippt sei, wechsle nie wieder ins Rätoromanische zurück.

Legende: Video Aus dem Archiv: Franz Hohler, «Totemügerli» auf Rätoromanisch abspielen. Laufzeit 02:29 Minuten.
Aus Kultur vom 25.09.2017.

Sprachgebiete bewahren

Seit dem Mittelalter wird das rätoromanische Sprachgebiet immer kleiner. Reichte es um 700 noch bis zum Bodensee, wurde es danach durch das Schweizerdeutsch stetig zurückgedrängt – zuletzt durch die stark gestiegene Mobilität im 20. Jahrhundert.

Kinder im Kindergarten mit blauen T-Shirts.
Legende: Gezielte Sprachförderung ist eine Massnahme, um das Überleben des Rätoromanischen zu sichern. Keystone / Arno Balzarini

Um den Verlust rätoromanischer Gebiete zu verhindern, führte der Kanton Graubünden das sogenannte «Territorialitätsprinzip» ein: Sprechen mindestens 40 Prozent der Einwohnerinnen einer Gemeinde Rätoromanisch, gilt sie als amtlich einsprachig, ab 20Prozent als zweisprachig. Rätoromanisch wird dadurch gegenüber dem Deutschen bevorteilt, mit dem Ziel rätoromanischsprachige Gemeinden zu bewahren.

Fünf Menschen in bündner Kleintheater
Legende: Gianna Olinda Cadonau (hi.re.) ist Kopräsidentin des Kleintheaters La Vouta in Lavin, hier im Kreise ihrer Kolleginnen. Keystone / Christian Beutler

Gianna Olinda Cadonau, Direktionsmitglied der rätoromanischen Sprachorganisation «Lia Rumantscha», ist grundsätzlich froh um diese Regelung im kantonalen Sprachengesetz. Gleichzeitig müsse man täglich dafür kämpfen, dass das Gesetz auch eingehalten werde, sagt sie.

Fördergelder: Wie einsetzen?

Unterstützung gibt es auch vonseiten des Bundes: Etwa fünf Millionen Franken investiert er jährlich in die Förderung des Rätoromanischen. Ein Teil davon geht an die Lia Rumantscha. Sie initiiert und finanziert Projekte, welche die rätoromanische Sprache und Kultur fördern.

Porträt Linard Bardill
Legende: Linard Bardill plädiert für gezieltere Förderung. Keystone / GIAN EHRENZELLER

Linard Bardill findet, in der Bündner Sprach- und Kulturförderung werde das Geld teilweise zu wenig zielgerichtet eingesetzt. Zum Beispiel werde zu wenig für die Rätoromaninnen ausserhalb der Rumantschia getan.

Denn: Die Hälfte aller Rätoromanen lebt nicht in der Rumantschia, sondern in Chur, Zürich oder Bern. Gianna Olinda Cadonau gibt Bardill ein Stück weit Recht, weist aber darauf hin, dass man sich in der Lia Rumantscha seit Jahren genau darum bemühe.

Rätoromanisch ist überall

Das Territorialitätsprinzip müsse dafür etwas aufgeweicht werden, sagt Cadonau: «Rätoromanisch muss überall dort gefördert werden können, wo es gesprochen wird» – auch wenn das Orte seien, an denen es nie eine rätoromanische Bevölkerungsmehrheit gegeben habe. Dies könne zum Beispiel mit zweisprachigen Kindergärten geschehen.

Das scheint der Schlüssel für den Erhalt des Rätoromanischen im 21. Jahrhundert zu sein: Die Förderung der Sprache ausserhalb der Rumantschia könnte dazu beitragen, dass Rätoromanisch auch dort von Generation zu Generation weitergegeben wird und nicht verlorengeht.

Linard Bardill fasst die Diskussion fatalistisch zusammen: «Irgendwann wird Rätoromanisch aussterben – wie jede Sprache. Aber jetzt haben wir Spass dran.»

Der SRF Kultur Newsletter

Zwei Hände halten ein Tablet, dahinter steht SRF Kultur.
Legende:Getty Images / Bildmontage

Abonnieren Sie unseren Newsletter – mit den besten Kulturgeschichten der Woche, Tipps und Trouvaillen.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Ich bin in einem solchen Ort mit rätoromanischer Minderheit aufgewachsen, aber trotz romanischen Kindergarten und Romanischstunden in der Primarschule hat man fast ausschließlich Deutsch gesprochen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Heinz Gerber  (rosenzeit)
    Warum soll man etwas am zwangshaft am Leben erhalten, wenn es nicht mehr zeitgemäss ist ? Schaut nach vorne und wenn schon 2-sprachig in der Schule, dann eine, die der Zukunft hilft: englisch hilft allen. In Bern gab es auch Mattenenglisch, eine eigene Ausdrucksweise im Mattenquartier. Da war keine Frage ob man die Sprache retten solle, aber es gibt heute noch Bücher in dieser Sprache. Wenn selbst Gemeindeversammlungen in die deutsche Sprache wechseln - dann lasst es Erinnerung bleiben.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Samuel Nogler  (semi-arid)
      Meine zweite Sprache an der Schule war Deutsch und die hat mir sehr weit geholfen. Meine erste Sprache, Putèr gilt gemeinhin als Schlüssel zu Sprachen. Ohne Italienisch, Spanisch oder Katalonisch je gelernt zu haben, verstehe ich sie problemlos. Auch für Englisch und Französisch war es mir eine grosse Hilfe.
      Zudem: Wenn wir von Ausländer erwarten, dass sie in der Deutschschweiz Deutsch können, müssen wir von den Deutschweizern erwarten, dass sie Romanischen Gebiet Romanisch sprechen!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen