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Rätoromanische Literatur «In einer fremden Sprache ist immer Sommer»

Seit 80 Jahren ist Rätoromanisch eine offizielle Landessprache. Zwar sprechen sie stets weniger Menschen. Trotzdem bietet sie eine Vielfalt an literarischen Perlen – auch in zweisprachigen Ausgaben.

Rut Plouda: Lyrisches Erinnern

Bergdorf
Legende: Ftan, der Wohnort von Rut Plouda. Imago/Imagebroker/Bahnmüller

Rut Plouda lebt im Unterengadiner Ftan. In ihrem Erzählband «Sco scha nüglia nu füss / Wie wenn nichts wäre» schildert sie subtil und feinfühlig Erinnerungen an ihren Sohn. Er hatte das Downsyndrom und starb im Alter von 19 Jahren.

Das Buch ist keine Geschichte des Leidens und der Trauer. Vielmehr erzählt die Autorin in fragmentarischen Skizzen vom viel zu kurzen Leben ihres Sohns: von seiner Lebensfreude und seiner Verträumtheit. Episoden in Haus und Stall, am Berg, am Fluss.

Die Schilderungen sind sehr präzise und halten dennoch die nötige Distanz. In diesem wundervollen Buch ist es die Sprache selbst, in welcher der Schmerz über den Verlust Linderung sucht.

Buchhinweis

Rut Plouda: «Sco scha nüglia nu füss / Wie wenn nichts wäre». Chasa editura rumantscha, 2017 (auch als Hörbuch).

Chatrina Josty: Der Lebenssound der Generation Y

Porträt Chatrina Josty
Legende: Chatrina Josty schreibt regelmässig Kurztexte für die Sendung «Impuls» bei RadioTelevisiun Svizra Rumantscha. RTR

Die Jungautorin Chatrina Josty widmet sich in ihrem literarischen Debüt «Barbacor / Herzkater» der Generation der heute etwa 18- 30-Jährigen. Sie sind mit der Globalisierung und Digitalisierung aufgewachsen.

In kurzen Texten reflektiert das Buch Absurditäten des Massentourismus oder stellt private Beziehungskrisen spannungsvoll dem alltäglich gewordenen Terrorismus von Fanatikern gegenüber.

Über den modernen, philosophisch durchtränkten und dabei gut lesbaren Gedankenbildern schwebt die Grundfrage: Wie lässt sich in einer Welt, in der alle Gewissheiten beseitigt scheinen, noch Halt finden?

Buchhinweis

Chatrina Josty: «Barbacor / Herzkater». Chasa editura rumantscha, 2017.

Bibi Vaplan: Anregung zum Innehalten

Porträt Bibi Vaplan
Legende: Bibi Vaplan singt auch kraftvolle Lieder in Rätoromanisch. Morena Buser , Link öffnet in einem neuen Fenster

«E las culurs dals pleds / Und die Farben der Worte» ist das bisher einzige Buch der aus Scuol stammenden Songpoetin Bibi Vaplan, Link öffnet in einem neuen Fenster. Es versammelt Gedichte, Sprüche, Gedanken und Aphorismen. Es ist ein Lesebuch zum Durchblättern, Verweilen, Nachdenken.

Die einzelnen träfen, kecken und oft schrägen Texte sprechen für sich. Da heisst es etwa: «Ich könnte nie ohne Briefkasten leben. Jeden Tag kann ich aufs Neue hoffen, darin etwas Grosses zu finden.» Oder: «Wer will schon in Freiheit leben, wenn das Gefängnis so nahe liegt?»

Bibi Vaplan ist der rätoromanische Künstlername der Autorin Bianca Mayer und heisst in der deutschen Übersetzung «Bianca, geh langsam!». Ihr Buch bietet die praktische Anleitung für ein Leben, in dem auch das Innehalten seinen Platz findet.

Buchhinweis

Bibi Vaplan: «E las culurs dals pleds / Und die Farben der Worte». Zytglogge, 2016.

Porträt Angelika Overath
Legende: Angelika Overath promovierte mit einer Arbeit über die Farbe Blau in der modernen Lyrik. SRF / Lukas Maeder

Angelika Overath: Verliebt in die Sprache

Die bekannte deutsche Autorin Angelika Overath ist mit ihrer Familie vor über zehn Jahren von Tübingen nach Sent im Engadin gezogen.

Dort hat sie sich nicht nur in die Landschaft verliebt, sondern auch in die rätoromanische Sprache: So sehr, dass sie begonnen hat, rätoromanische Lyrik zu schreiben. Herausgekommen sind mehrere Publikationen mit rätoromanischen Gedichten und Übertragungen ins Deutsche.

Im Bändchen «Poesias» heisst es etwa: «In üna lingua estra tuot es da stà.» Oder in der etwas längeren deutschen Variante: «In einer fremden Sprache ist immer Sommer. In der anderen Sprache lacht alles. Die fremde Zunge spricht dich frei.»

Buchhinweis

Angelika Overath: «Poesias dals prüms pleds». 33 romanische Gedichte und ihre deutschen Annäherungen. Btb, 2017.

Mehr Schweizer Literatur...

... gibt es auf der SRF-Literaturplattform «Ansichten».

2 Kommentare

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