Stereo war gestern. Heute können wir den Raum um uns herum hören.

Der Mensch ist mit einem perfekten «Surround System» ausgestattet: Wir hören Geräusche um uns herum und können sie lokalisieren. Generationen von Sound-Tüftlern haben vergeblich versucht, dieses Hörerlebnis in Musik und Film nachzuahmen. Warum war es lange Zeit so schwierig, 3D-Sound zu produzieren?

Eine Frau sitzt auf einem Sofa mit geschlossenen Augen, sie hört etwas via Kopfhörer. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Annäherung an das natürliche räumliche Hören von Klängen gelingt immer besser, insbesondere mit Kopfhörern. Getty Images

Weil wir mit beiden Ohren hören, erreicht der Schall immer erst das eine, dann das andere Ohr. Anhand dieses minimalen Zeitunterschieds kann unser Gehirn die Schallquelle orten. Dadurch hören wir von Natur aus in 3D.

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Hörspiel in 3D-Surround

Mittendrin sein in einer wilden Verfolgungsjagd durch die Stadt: SRF sendet das Hörspiel «Lost in Navigation» von Lisa-Marie Dickreiter und Andreas Götz in einer «Headphone Surround»-Version. Kopfhörer empfohlen!

Mit unterschiedlichsten Konzepten und Techniken haben Menschen versucht, dieses räumliche Hören technisch nachzuahmen. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts gab es die ersten Versuche, dieses Mittendrin bei Musikaufführungen herzustellen.

Disneys Riesen-Flop

Dazu wurden mehrere Orchester und Chöre im Aufführungsraum platziert. Sie bespielten das Publikum von allen Seiten. Einzelne Instrumente konnten so genau im Raum lokalisiert werden. Diese venezianische Mehrchörigkeit war ein spektakuläres sinnliches Ereignis, wahrscheinlich ähnlich wirkungsvoll wie das ausgetüftelte Sounddesign mit Lautsprechern aktueller Hollywood-Blockbuster.

1940 produzierte dann Walt Disney den Film «Fantasia», der erste Kinostreifen mit Raumklang. Das eigens dafür entwickelte System taufte man sinnigerweise «Fantasound». Der Film war ein fantastischer Flop und stürzte das Unternehmen in eine schwere finanzielle Krise.

Ein Kopfhörer so gross wie eine Küchenmaschine

Trotzdem: Das Rennen um die beste Klangtechnik war eröffnet. Durchgesetzt hat sich schlussendlich «Dolby Digital», ein System das sechs oder mehr Kanäle zur Verfügung hat. Wobei die Aufteilung der Kanäle nicht unbedingt realitätsgetreu ist: Dialoge kommen meist von vorn, Soundeffekt gern aus den hinteren Lautsprechern und der zusätzliche Schub aus dem Subwoofer.

Ein Kasten mit vorne zwei Rundreglern. Oben schaut aus zwei grossen Löchern je ein Steuerungsstab, der sich in alle Richtungen legen lässt. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Steuergerät zu quadrofonischen Lautsprechern, die Pink Floyd 1967 bei ihrem ersten Surround-Konzert verwendeten. Wikimedia / Andreas Praefcke

Die Musikindustrie hat ähnliche Irrwege hinter sich: Mit der «Quadrofonie» brachte sie Ende der 1960er-Jahre ein System auf den Markt, bei dem vier im Quadrat angeordnete Lautsprecher für optimalen Raumklang sorgten. Für ganz mutige gab es auch einen Quadrofonie-Kopfhörer, der allerdings die Ausmasse einer mittelgrossen Küchenmaschine hatte.

Von Mono zu 3D-Surround-Klang

Ein weiteres Problem: Die Quadrofonie brauchte eigens dafür produzierte Schallplatten. Grosse Bands wie Pink Floyd oder Jethro Tull leisteten sich einige Jahre diesen Luxus. Dann war Schluss mit lustig: zu teuer, zu gross, zu aufwendig. Die Quadrofonie floppte.

Und das Radio? Lange Zeit rauschte es friedlich in Mono vor sich hin. Bis mit der Einführung von UKW vor 50 Jahren auch eine zweikanalige Stereoübertragung möglich war. Nun scheint wieder eine neue Ära anzubrechen: Immer mehr Radiostationen produzieren Hörspiele und Features in «Headphone Surround 3D». Ein klangliches Ereignis. Denn bei diesem Verfahren entfaltet sich der Raumklang beim Hören über Kopfhörer. Und bringt damit auch die Radiohörer dahin, wo es am akustisch am interessantesten ist: mitten ins Geschehen.

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