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Traumjob Velokurier «Wer später bremst, ist länger schnell»

Schlechtes Wetter, viel Verkehr und Zeitdruck – warum ist der Beruf des Velokuriers für viele ein Traumjob?

Legende: Video Unterwegs mit Autor und Velo-Fan Max Küng abspielen. Laufzeit 26:29 Minuten.
Aus Kulturplatz vom 10.10.2018.

Wer als Velokurier arbeitet, macht sein Hobby zum Beruf. Die meisten treten auch in ihrer Freizeit in die Pedale, können von Zweirädern nicht genug kriegen und haben mehrere Velos im Keller stehen.

Doch: «Velokurier ist mehr als ein Job, es ist etwas, worauf ich stolz sein kann», sagt Nicola Isler von der Genossenschaft Velokurier Winterthur. Als Velokurier unterwegs zu sein, heisst für ihn und seine Berufskollegen, einen Beitrag an eine nachhaltige Gesellschaft zu leisten.

«Mein Job ist ein Statement»

Das Wichtigste ist für Isler, eine sinnvolle Arbeit zu haben, mit der er sich identifizieren könne. «Mein Job ist ein Statement», sagt Isler. «Mehr als das: Er ist eine Lebenshaltung.»

Die meisten seiner Berufskollegen und -kolleginnen teilen diese Haltung. Es geht weniger ums Geldverdienen. Günstig zu wohnen und wenig zu besitzen, scheint unter den Velokurieren Standard zu sein. Sie verkörpern eine Gegenkultur zur Konsumgesellschaft, indem sie materiellen Verzicht mit grösstmöglicher Freiheit und Selbstbestimmung in der Arbeit kompensieren.

Wendig, schnell und unabhängig: Velokuriere suchen sich die Lücken im Verkehr, schlagen den Autokolonnen und manchmal auch den Verkehrsregeln ein Schnippchen. Das kann euphorisch machen: «Die schönsten Momente sind dann, wenn der Flow einsetzt», sagt Marc Herter, Co-Geschäftsleiter der Genossenschaft Velokurier Winterthur. «Ich fliesse sozusagen durch den Stadtverkehr. Ich werde zu einer Einheit mit meinem Velo.»

Ein Velokurier
Legende: Immer auf zack und scharf an den Verkehrsregeln vorbei: Ein Velokurier flitzt durch die Strasse. Keystone / Alessandro Della Valle

Glücksgefühle empfindet auch sein Kollege Beat Wipf: «Wenn ich mich mit einem Auftrag durch den Verkehr schlängle, darf ich über nichts Anderes nachdenken. Ich bin im Moment, nirgends sonst. Das ist ein schöner Zustand. Ich vermisse ihn, wenn ich länger in den Ferien bin.»

Neue Geschäftsideen

Freiheit und Beweglichkeit – diese Prinzipien versuchen die Kuriere auch in der Organisation ihrer Arbeit umzusetzen. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum die Arbeitszufriedenheit stimmt.

Die Genossenschaft Velokurier Winterthur setzt auf flache Hierarchien, Durchlässigkeit und Mitbestimmung. Und ist auch nicht faul, wenn es um das Entwickeln neuer Geschäftsideen geht. Die Winterthurer Velokuriere bringen nicht nur Pakete, sie giessen in Ferienabwesenheiten Pflanzen und hüten Wohnungsschlüssel. Vielleicht können Velokuriere mit ihrer Reaktionsschnelligkeit auch im Geschäftsleben die eine oder andere Lücke finden. Ganz nach dem Motto: «Wer später bremst, ist länger schnell».

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