Ferien, aber richtig Über die Kunst, den Urlaub zu gestalten

Wie gelingen Ferien? Norbert Semmer, emeritierter Professor für Arbeitspsychologie, kennt die 5 Punkte, auf die es ankommt.

1. Die Freude soll im Vordergrund stehen

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Norbert Semmer

Emeritierter Professor für Arbeitspsychologie der Universität Bern. Semmer hat im Auftrag des Bundes ein Gutachten über die Auswirkungen von Freizeit auf Gesundheit und Produktivität geschrieben.

Ferien dienen primär der Erholung. Doch nicht nur: Sie erfüllen auch eine soziale Funktion. Man verbringt Zeit mit Freunden und der Familie. In diesen Momenten denkt man nicht an die Arbeit. Dieses Abschalten hilft, sich auch im Kopf von der Arbeit zu erholen, die Batterien wieder aufzuladen.

Dabei sei es gar nicht ausschlaggebend, ob man sich mit Freunden zuhause treffe, einen kurzen Ausflug unternehme oder eine aufwändige Fernreise plane, sagt der Arbeitspsychologe Norbert Semmer. Der entscheidende Punkt sei einzig, dass das Erlebnis einem Freude bereite.

Baumelnde Füsse über einem See. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Abschalten hilft, die Batterien wieder aufzuladen», sagt Arbeitspsychologe Norbert Semmer. Getty Images

2. Umsichtiges Planen ist zentral

Damit Ferien gelingen, ist die Vorbereitung wichtig. Als erstes müssen Bedürfnisse geklärt werden. Wer allein verreist, hat es einfach. Schwieriger wird es bei Reisen mit der Familie oder mit Freunden. Hier gilt: im Vorfeld absprechen, wer was gerne unternimmt.

Wo gibt es Übereinstimmungen? Wer macht wann Kompromisse? Das Verhältnis müsse ausgewogen sein. Denn Streit und Unstimmigkeiten beeinträchtigen die Erholungswirkung von Ferien und belasten die Auszeit. Ausserdem sei es ratsam, Zeit für einen selber einzuplanen.

Ein Mann und eine Frau am Fluss. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Tipp: Auch wenn man nicht alleine in den Urlaub fährt, sollte man Zeit für einen selber einplanen. Getty Images

3. Die ständige Erreichbarkeit einschränken

Endlich ist man unterwegs – und trägt das Büro in der Jackentasche mit. Durch Smartphones sind wir praktisch überall erreichbar und ständig verfügbar. Vielleicht steht man auch unter Druck, à jour sein zu müssen. Wer im Urlaub konstant an die Arbeit denkt, erholt sich wenig.

Wer sich nicht völlig von der Arbeit abnabeln kann, soll die ständige Verfügbarkeit einzugrenzen. Zum Beispiel klar zu kommunizieren, dass man nur zwischen 17 und 18 Uhr Anrufe beantworte und auch nur in dieser Zeit Mails checke. So wird die übrige Ferienzeit reine Erholungszeit.

Das Netzkabel wird aus dem Modem gezogen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Experte rät: Schränken Sie die ständige Verfügbarkeit auf eine klar begrenzte Zeit am Tag ein. Getty Images

4. Die Arbeit auch im Kopf zuhause lassen

Wer projektbezogen arbeitet, trägt gerne auch die Arbeit in den Feierabend oder in die Ferien mit. Da gilt es zu unterscheiden: Eine gute, lustvolle Beschäftigung tut der Erholung keinen Abbruch.

Wer aber unter hohem Leistungsdruck steht und beim Job unter Versagensängsten leidet, sollte versuchen sich abzulenken: mit Joggen, Sport und anderen Freizeit- und Ferienaktivitäten. Arbeitspsychologe Norbert Semmer schlägt vor, dieses Nachdenken – gleich wie die ständige Verfügbarkeit -– auf eine klar begrenzte Zeit des Tages zu befristen.

Eine Frau sitzt im Bus und schaut aus dem Fenster. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Studien belegen, dass nach vier Wochen Ferienzeit der maximale Erholungswert ausgeschöpft ist. Getty Images

5. Ferien nehmen – unter allen Umständen

Wer unter hohem beruflichen Druck steht, sollte die Ferien keinesfalls streichen. Die Zauberformel sind hier Kurzferien. Norbert Semmer rät, die Ferientage aufzuteilen. Ein paar Mal nur für kurze Zeit zu verreisen. Einmal im Jahr einen längeren Urlaub zu planen.

Untersuchungen zeigten, dass betreffend Ermüdung und Erholung Kurzferien am wirksamsten seien. Jeder Job vertrage eine kurze Abwesenheit von etwa drei Tagen. Studien zu Langferien belegen, dass nach vier Wochen Ferienzeit der maximale Erholungswert ausgeschöpft sei.

In die Pflicht bei der Feriengestaltung nimmt Norbert Semmer auch die Arbeitgeberinnen und Kollegen: Es müsse ein Arbeitsumfeld angeboten werden, dass die Angestellten von schädlichem Druck entlaste – und zwar vor, während und nach den Ferien.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kontext, 20.06.2017, 09:00 Uhr

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