Zum Inhalt springen

Header

Video
Über Wednesday Martins Buch «Untrue»
Aus Kulturplatz vom 29.01.2020.
abspielen
Inhalt

«Untrue» von Wednesday Martin «Weibliche Lust ist autonom, aggressiv, abenteuerlustig»

Was wir über weibliche Sexualität zu wissen glauben, sei falsch, sagt Bestsellerautorin Wednesday Martin. Die Gründe.

Wednesday Martin war glücklich verheiratet und sexuell gelangweilt. Sie wollte herausfinden, ob mit ihr etwas nicht stimmt. So fing die Sozialforscherin an zu graben, wühlte sich durch wissenschaftlichen Daten, sprach mit vielen Expertinnen und mit noch mehr Frauen über ihre intimen Erfahrungen. Dabei machte sie, wie sie gerne betont, erstaunliche Entdeckungen.

Die untreue Frau

Die Annahme, dass Männer einen stärkeren Sexualtrieb haben als Frauen, hält sich beharrlich im Populärwissen. Dass Frauen eine behagliche und gefühlsbetonte Langzeitbeziehung brauchen um sexuell aufzublühen auch. Dass Frauen aber begehren und betrügen, das macht die Menschen rasend.

Der untreuen Frau haften noch immer Stigmas an. Sie wird gerne pathologisiert. «Wir sagen, dass mit ihr etwas nicht stimmt, dass sie emotionale, psychologische Probleme oder gar physiologische Probleme haben muss», sagt Martin. «Wir finden es unmoralisch und asozial.»

Das sei nicht fair, findet die Autorin und räumt in «Untrue» auf mit dem Mythos des zurückhaltenden weiblichen Sexualtriebs.

«Männliche Sexualforscher, Autoren und Wissenschaftler erzählen uns seit Jahrhunderten die Geschichte der weiblichen Sexualität. Da gibt es viel falsches Wissen.» Mit ihren Nachforschungen versucht sie die Mär der sexuell passiven Frau aufzudecken.

Langeweile in der Monogamie

Mit freudiger aber nachdrücklicher Vehemenz bringt Martin ihre Kernthese hervor: «Die Daten zeigen, dass Frauen in der Sexualität einen grösseren Wunsch nach Neuheit und Vielfalt haben als Männer. Dass Monogamie für Frauen schwieriger zu leben ist. Dass Frauen sich in langfristigen monogamen Beziehungen schneller langweilen als Männer.»

Wednesday Martins «Untrue»

Wednesday Martin
Legende: Elena Seibert

Die 53-jährige US-Autorin Wednesday Martin ist Anthropologin und Sozialforscherin. Sie schreibt populärsoziologische Bestseller und als Journalistin über Themen wie Familie, Gender und Popkultur.

Ihr neuestes Buch «Untrue» ist ein polemisches Plädoyer für den weiblichen Seitensprung. Martin beschreibt darin in einer bunten Zusammenfügung neuster Forschungsergebnisse, Expertengesprächen und persönlichen Geschichten, dass Frauen einen viel autonomere, aggressivere und abenteuerlustigeren Sextrieb haben als bisher angenommen. Eine Darstellung weiblicher Untreue, die vieles auf den Kopf stellt, was wir über Frauen und Sex zu wissen meinen.

Buchhinweis

Wednesday Martin: «Untrue. Warum fast alles, was wir über weibliche Untreue zu wissen glauben, unwahr ist», 2019, Piper Verlag.

Denn, fällt die ökonomische Abhängigkeit und Stigmatisierung der untreuen Frau erstmal weg, blüht das weibliche Verlangen regelrecht auf.

«Wird den Frauen die Angst genommen, dass sie beschämt oder verlassen werden von ihrem Mann, ist die weibliche Sexualität genauso autonom, aggressiv und abenteuerlustig wie die männliche.»

Mit Seitensprüngen Ehen retten

Mit dieser Erkenntnis will Martin jetzt Ehen retten. «Wenn wir Menschen in langfristigen heterosexuellen Lebenspartnerschaften sagen, dass es für Frauen normal ist, sich zu langweilen und dass sie deshalb nicht weniger sexuelle Wesen sind, sondern einfach nur etwas mehr Abwechslung brauchen, könnten wir viele Ehen und langfristige Beziehungen verbessern.»

Die Sozialforscherin will, dass Frauen ihre Sexualität hinterfragen. Dass sie das Gefühl bekommen, ein Recht zu haben, ihr Begehren auszuleben. Dass sie darüber nachdenken, wen und wie sie begehren. Ihr Plädoyer für den weiblichen Seitensprung soll hierzu animieren.

Was Frauen wollen

Es ist höchste Zeit, dass sich Frauen vom sexuellen Objekt zum Subjekt machen. «Seit #MeToo stehen wir an einem gesellschaftlichen Wendepunkt», sagt Martin. «Jetzt, da wir der Welt klargemacht haben, was Frauen nicht wollen, können wir endlich darüber reden, was sie wollen. Es ist ein revolutionärer Moment.»

Sendung: SRF 1, Kulturplatz, 29.01.2020, 22:25 Uhr

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Was der Mensch oder das Ego oft sucht - egal ob Mann oder Frau - ist die Quadratur des Kreises in der Beziehung, einige Beziehungsberaterinnen, speziell auch in den USA haben das längst aufgegriffen - auch darum weil sie es aus eigener Erfahrung durchlebt haben. Wie kann man vielleicht Sicherheit und Spannung zusammen bringen. Und - warum bleibt da trotz all den Goodies immer noch ein Gefühl des "incompleteness"? Die körperliche Unerfülltheit mag der richtig Sex sein aber niemals der seelische.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    @Katja
    Schon etwas von wählerisch gehört?
    Mit diesem Buch wird Me toi zT
    wiederlegt
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
  • Kommentar von Katja Richner  (Petra Beer)
    Da muss man sich nur fragen, weshalb es für viele Männer so viel schwerer ist, eine Frau ins Bett zu kriegen als umgekehrt. Der Sexualtrieb bei den Männern dürfte m.E. doch um Einiges grösser sein als bei den Frauen
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von Silas Räber  (Silair)
      Vielleicht sind die Frauen wählerischer. Was ich aber feststelle, ist, dass eher Frauen als Männer fremd gehen. Gibt klar beides, jedoch mit Überhand bei den Frauen (meine Erfahrung stellt keineswegs eine anerkannte Meinung dar sondern meine persönliche)