Zum Inhalt springen

Header

Audio
Vatikan gibt brisante Akten frei
Aus Info 3 vom 04.03.2019.
abspielen. Laufzeit 02:40 Minuten.
Inhalt

Vatikan im Zweiten Weltkrieg Welche Rolle spielte Papst Pius XII. während der Nazizeit?

Der Vatikan macht die Akten von Pius XII. öffentlich. Das wird die Beurteilung des umstrittenen Papstes beeinflussen.

Warum hat sich Papst Pius XII. nicht klarer gegen die Vernichtung der Juden während des Zweiten Weltkrieges geäussert? Diese Frage steht im Zentrum der Kontroverse um den Weltkriegspapst, der 1939 gewählt wurde.

Denn Pius XII. hat einerseits mit den Nationalsozialisten zusammengearbeitet. Und die Vernichtung der Juden durch Nazi-Deutschland nie direkt kritisiert. Andererseits hat er in Rom geholfen, viele Juden vor der Verfolgung zu bewahren.

Was also waren seine Motive? Was hat ihn beeinflusst? Diese Fragen sind bis heute schwer zu beantworten. Denn die Dokumente zum Pontifikat von Pius XII. sind unter Verschluss. Das ändert sich nächsten Frühling. Der Vatikan hat beschlossen, das Archiv zu öffnen.

Neue Quellen, neue Erkenntnisse

200'000 Dokumente werden damit für die Forschung zugänglich. Korrespondenz mit Bischöfen, Seelsorgern, Regierungen. Dazu Verwaltungsakten des Vatikans.

Diese Quellen ermöglichen neue Erkenntnisse zum umstrittenen Papst, glaubt Christian Rutishauser. Der oberste Schweizer Jesuit hat Judaistik studiert und im Vatikan zum jüdisch-christlichen Dialog gearbeitet.

Papst an einer Schreibmaschine
Legende: Welche Rolle spielte er ganz genau? Das Bild ist diffus und wird sich ändern. Keystone

Er kennt die Quellen und sagt: «Es gibt bereits Dokumente über Pius XII., etwa in Deutschen Archiven. Aber das päpstliche Archiv ist das wichtigste. Vieles kann nicht untersucht werden, solange diese Quellen unter Verschluss sind.»

Christian Rutishauser hofft auf ein differenzierteres Bild. «Der Kampf um Pius XII. ist sehr ideologisch. Objektive, wissenschaftliche Forschung kann hier eine Entspannung bringen.»

Den umstrittenen Papst seligsprechen?

Eine Entspannung wäre auch ganz im Sinne des Vatikans. Denn Pius XII. soll seliggesprochen werden. Der Prozess läuft bereits – und wurde von jüdischen Gruppierungen heftig kritisiert.

Es stellt sich die Frage, ob die römisch-katholische Kirche es sich leisten kann, einen Papst selig zu sprechen, der im Verdacht steht, zu wenig gegen den Holocaust getan zu haben.

Papst Pius XII. inmitten einer Menschenmenge
Legende: 1943 wurde Pius XII. verehrt. Heute ist er umstritten. Keystone

«Ich bin überzeugt, dass die Öffnung des Archivs einen Einfluss hat auf die Seligsprechung», sagt Christian Rutishauser, der in engem Kontakt steht mit dem Vatikan. Die Rolle von Pius XII. werde nochmal ganz genau angeschaut.

Allerdings ist es wenig wahrscheinlich, dass der Vatikan von einer Seligsprechung absieht, selbst wenn das Bild von Pius XII. im Zweiten Weltkrieg ambivalent bleibt.

Die Öffnung des Archivs dürfte denn auch nicht zu einer völlig neuen Beurteilung von Pius XII. führen. Ein Zeichen ist der Entscheid aber dennoch. Ein Schritt des Vatikans auf die Juden zu. Denn sie hatten die Öffnung schon länger gefordert. Und sich diese Woche zufrieden gezeigt.

Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

Es wurden noch keine Kommentare erfasst. Schreiben Sie den ersten Kommentar.