«Lebt wohl! – Jetzt hab ich nichts mehr auf der Erde!» Das sind die letzten Worte der Maria Stuart in Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Was die echte Mary, Queen of Scots, kurz vor ihrem Tod noch zu sagen hatte, kann man im Perth Museum in Schottland in diesen Tagen selbst lesen.
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Bild 1 von 3. Der weit über 400 Jahre alte Brief von Maria Stuart ist erstmals für ein breites Publikum zugänglich. Bildquelle: Julie Howden.
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Bild 2 von 3. Das schottischen Perth Museum stellt den Brief in der Ausstellung «The Last Letter of Mary, Queen of Scots» aus. Bildquelle: Julie Howden.
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Bild 3 von 3. Neben dem Brief sind auch Bilder der schottischen Königin ausgestellt sowie weitere Schätze der Nationalbibliothek. Bildquelle: Julie Howden.
Es sind die letzten Zeilen, die Maria Stuart in der Nacht vor ihrem Tod geschrieben hat. Auf Geheiss ihrer Cousine, Königin Elizabeth I. von England, wurde sie am nächsten Morgen wegen einer angeblichen Verschwörung hingerichtet.
Ein Vorwurf, den Maria bis zuletzt bestritt. «Ich verachte den Tod und schwöre, dass ich ihm unschuldig an jeder Schuld begegne», schrieb sie ihrem Schwager Heinrich III. von Frankreich.
Mit ihrem Tod habe eine Tragödie aus religiösen und politischen Intrigen ein gewaltsames Ende genommen, sagt die Historikerin und Publizistin Philippa Gregory: Der schottischen Königin sei vorgeworfen worden, eine Revolution gegen ihre Cousine Elisabeth I., der Königin von England, angezettelt zu haben.
«Maria Stuart hat im feindseligen Umfeld aus habgierigen Lords, verfeindeten Protestanten und Katholiken zwar nicht immer geschickt agiert. Aber die Beweise für ihre Schuld waren zum Teil gefälscht», so Gregory. Und selbst zu jener Zeit sei die Enthauptung eines Monarchen ein ausserordentliches Urteil gewesen – ganz besonders für eine Frau.
Die stickende Monarchin
Maria Stuart bestieg den schottischen Thron im Jugendlichen Alter von 19 Jahren. Sie sprach Latein, schrieb Gedichte und spielte Laute. Sie sei nicht nur klug gewesen, sondern auch schön. Den Höflingen soll das Herz geklopft haben beim Anblick des «Schnees ihres reinen Antlitzes und des Goldes ihres gelockten und geflochtenen Haares». Dies ist in Quellen jener Zeit zu lesen.
In erster Linie sei sie jedoch eine Monarchin gewesen, die ihr Amt sehr ernst genommen habe. Sie habe fast keine Sitzung ihres Kronrats verpasst, auch wenn die Männer sie dabei argwöhnisch beobachtet hätten. Sie habe während der Kabinetts-Sitzungen gestickt. Das habe offenbar Missbilligung ausgelöst. «Aber weshalb sollte sie nicht sticken, solange sie zuhörte?», so Gregory.
Blutiges Ende
Die vier sepia-braunen Briefbögen, die normalerweise im Tresor der schottischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden, geben einen Einblick ins Innere einer Königin und eines royalen Dramas. Ein Dokument aus einer Zeit, in der Problem-Prinzen und andere missliebige Mitglieder der Königsfamilie nicht diskret auf ein abgelegenes Landgut gezügelt wurden – sondern gewaltsam entsorgt.
Ein Zeugnis einer Tragödie zwischen zwei Königinnen, die am 8. Februar 1587 im grossen Saal von Schloss Fotheringay ein blutiges Ende nahm. Maria war 44 Jahre alt, als ihr Kopf rollte. Heute liegen die beiden Rivalinnen, wie es sich für Königinnen geziemt, im Tod wieder vereint in der Westminsterabtei in London nebeneinander.
Die Briefbögen, beschrieben mit einer akurat ruhigen und gestochenen Handschrift, sind ebenso eine praktische Mahnung an uns Gegenwärtigen. Wirklich wichtige Nachrichten, die man noch einige hundert Jahre später lesen kann, sollte man nicht tippen, sondern schreiben. Von Hand, auf Papier, das am Ende nach einer guten Tinte riecht. Besonders, wenn man morgens um acht enthauptet wird.