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Zeilen vor der Hinrichtung «Lebt wohl. Um acht werde ich geköpft»: Queen Marys letzter Brief

Die letzten Worte der Königin von Schottland, bevor sie 1587 hingerichtet wurde: Der weit über 400 Jahre alte Brief ist erstmals für ein breites Publikum im schottischen Perth Museum zugänglich. Ein letzter Gruss – und ein Plädoyer für das Schreiben von Briefen.

«Lebt wohl! – Jetzt hab ich nichts mehr auf der Erde!» Das sind die letzten Worte der Maria Stuart in Friedrich Schillers gleichnamigem Drama. Was die echte Mary, Queen of Scots, kurz vor ihrem Tod noch zu sagen hatte, kann man im Perth Museum in Schottland in diesen Tagen selbst lesen.

Aus Queen Marys Abschiedsbrief

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An den allerchristlichsten König, meinen Bruder und alten Verbündeten

Heute nach dem Abendessen ist mir mein Urteil eröffnet worden: Ich soll morgen früh um acht Uhr wie eine Verbrecherin hingerichtet werden. Ich hatte nicht die Zeit, Euch einen vollständigen Bericht über alles zu geben, was geschehen ist; doch wenn Ihr meinem Arzt und meinen anderen unglücklichen Dienern Gehör schenkt, werdet Ihr die Wahrheit erfahren.

Mittwoch, um zwei Uhr morgens

Eure Euch innig liebende und wahrhaftigste Schwester

Es sind die letzten Zeilen, die Maria Stuart in der Nacht vor ihrem Tod geschrieben hat. Auf Geheiss ihrer Cousine, Königin Elizabeth I. von England, wurde sie am nächsten Morgen wegen einer angeblichen Verschwörung hingerichtet.

Ein Vorwurf, den Maria bis zuletzt bestritt. «Ich verachte den Tod und schwöre, dass ich ihm unschuldig an jeder Schuld begegne», schrieb sie ihrem Schwager Heinrich III. von Frankreich.

Historische Zeichnung einer öffentlichen Hinrichtungsszene.
Legende: Am 8. Februar 1587 wurde Maria Stuart (1542–1587) hingerichtet. Getty Images/Hulton Archive

Mit ihrem Tod habe eine Tragödie aus religiösen und politischen Intrigen ein gewaltsames Ende genommen, sagt die Historikerin und Publizistin Philippa Gregory: Der schottischen Königin sei vorgeworfen worden, eine Revolution gegen ihre Cousine Elisabeth I., der Königin von England, angezettelt zu haben.

«Maria Stuart hat im feindseligen Umfeld aus habgierigen Lords, verfeindeten Protestanten und Katholiken zwar nicht immer geschickt agiert. Aber die Beweise für ihre Schuld waren zum Teil gefälscht», so Gregory. Und selbst zu jener Zeit sei die Enthauptung eines Monarchen ein ausserordentliches Urteil gewesen – ganz besonders für eine Frau.

Die stickende Monarchin

Maria Stuart bestieg den schottischen Thron im Jugendlichen Alter von 19 Jahren. Sie sprach Latein, schrieb Gedichte und spielte Laute. Sie sei nicht nur klug gewesen, sondern auch schön. Den Höflingen soll das Herz geklopft haben beim Anblick des «Schnees ihres reinen Antlitzes und des Goldes ihres gelockten und geflochtenen Haares». Dies ist in Quellen jener Zeit zu lesen.

Historische Szene mit Personen in Renaissance-Kleidung.
Legende: Eine Königin zum Niederknien: Maria Stuart, die Queen of Scots, machte Eindruck auf ihre Mitmenschen. IMAGO/H. Tschanz-Hofmann

In erster Linie sei sie jedoch eine Monarchin gewesen, die ihr Amt sehr ernst genommen habe. Sie habe fast keine Sitzung ihres Kronrats verpasst, auch wenn die Männer sie dabei argwöhnisch beobachtet hätten. Sie habe während der Kabinetts-Sitzungen gestickt. Das habe offenbar Missbilligung ausgelöst. «Aber weshalb sollte sie nicht sticken, solange sie zuhörte?», so Gregory.

Blutiges Ende

Die vier sepia-braunen Briefbögen, die normalerweise im Tresor der schottischen Nationalbibliothek aufbewahrt werden, geben einen Einblick ins Innere einer Königin und eines royalen Dramas. Ein Dokument aus einer Zeit, in der Problem-Prinzen und andere missliebige Mitglieder der Königsfamilie nicht diskret auf ein abgelegenes Landgut gezügelt wurden – sondern gewaltsam entsorgt.

Ein Zeugnis einer Tragödie zwischen zwei Königinnen, die am 8. Februar 1587 im grossen Saal von Schloss Fotheringay ein blutiges Ende nahm. Maria war 44 Jahre alt, als ihr Kopf rollte. Heute liegen die beiden Rivalinnen, wie es sich für Königinnen geziemt, im Tod wieder vereint in der Westminsterabtei in London nebeneinander.

Ausstellungshinweis

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Historisches Gebäude mit Säulen und Beleuchtung.
Legende: Perth Museum/Greg Holmes

Die Ausstellung «The Last Letter of Mary, Queen of Scots» ist bis am 26. April 2026 in Schottland im Perth Museum zu sehen. (Eintritt frei)

Die Briefbögen, beschrieben mit einer akurat ruhigen und gestochenen Handschrift, sind ebenso eine praktische Mahnung an uns Gegenwärtigen. Wirklich wichtige Nachrichten, die man noch einige hundert Jahre später lesen kann, sollte man nicht tippen, sondern schreiben. Von Hand, auf Papier, das am Ende nach einer guten Tinte riecht. Besonders, wenn man morgens um acht enthauptet wird.

Radio SRF 1, Rendez-vous, 4.2.2026, 12:30 Uhr ; 

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