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Leute ohne Maske im ÖV ansprechen?
Aus Kultur-Aktualität vom 28.09.2020.
abspielen. Laufzeit 03:31 Minuten.
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Zivilcourage im ÖV Wie sage ich es einem Maskenmuffel?

Wer viel Bahn oder Bus fährt, kennt das Problem: Die meisten Leute tragen eine Maske. Aber eben nicht alle. Wie reagiert man richtig?

Im ÖV gilt die Maskenpflicht. Dennoch begegnet man zuweilen Reisenden, die keine Maske tragen. Soll man Menschen ohne Maske in Tram oder Bus ansprechen? Wenn ja, wie?

Das sei jedem selbst überlassen, sagt Michelle Meier, die Bildungsverantwortlichen bei Amnesty International Schweizer Sektion. Wenn man das Bedürfnis habe, etwas zu sagen, solle man das auch tun. «Sie haben ein Recht auf freie Meinungsäusserung.»

So sicher nicht

Bloss: Wie macht man das? Wie spricht man die ältere Frau im Bus oder den jungen Mann im Zug darauf an, dass sie ohne Maske reisen? Soll man hingehen und sagen: «Hey, Sie, setzen Sie gefälligst eine Maske auf»?

Das sei keine gute Idee, sagt Michelle Meier. Sie weiss, wie man Menschen auch in problematischen Situationen ansprechen kann. Amnesty International veranstaltet zu diesem Thema Kurse, in denen man lernt, wie man im gesitteten Gespräch Stammtischparolen entschärfen oder in heiklen Situationen Zivilcourage beweisen kann.

Video
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Aus Puls vom 14.09.2020.
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Austausch auf Augenhöhe

Das Wichtigste sei, sagt Michelle Meier, immer so deeskalierend wie möglich auf Personen zuzugehen. Meier rät dazu, das Gespräch mit einer Frage beginnen und nicht mit einer Aufforderung.

Sie gehe zu der Person hin und stelle sich vor, so Meier. Das führe nicht gleich zu einer Abwehrreaktion, sondern könne der Anfang eines Gesprächs sein. Oder einer Diskussion.

Michelle Meier hat noch einen Tipp: «Das Wichtigste ist, dass man auf Augenhöhe mit den Personen spricht, dass man sich auch physisch auf die Höhe der Person begibt.»

Sitze die Person ohne Maske, sagt Meier, empfehle es sich, sich zu ihr herunterzubeugen. Immer ein guter Anfang sei es, mit einer persönlichen Geschichte beim unmaskierten Gegenüber anzukommen.

Hauptsache Selbstschutz

Aber weshalb sagen wir eigentlich nichts, wenn andere sich unserer Meinung nach falsch verhalten? Meistens wohl, weil wir Angst haben. Angst davor, der oder die Angesprochene könnte mit einer Beleidigung kontern, auf die uns nichts mehr einfällt. Oder im schlimmsten Fall handgreiflich werden.

Wie kann man sich vor solchen Reaktionen schützen? Oberstes Gebot in diesen Situationen sei der Selbstschutz, sagt Michelle Meier.

Einen Betrunkenen anzusprechen, der übellaunig wirke, sei selten eine gute Idee. Wolle man eine aggressiv wirkende Person dennoch ansprechen, sei es sinnvoll, das nicht allein zu tun, sondern Umstehende um Hilfe zu bitten.

Zivilcourage zu beweisen bedeutet schliesslich nicht, sich mutwillig in Gefahr zu begeben.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 28.9.2020, 8:15 Uhr;

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Ich für meinen Teil bin ganz sicher dass in der Angelegenheit, Maske tragen oder nicht, die gesündesten jene sind, die beides zulassen können. Gesund aus zwei Gründen, sie müssen nicht belehren und können verschiedene Meinungen tolerieren, mit Maske ist o.k. ohne Maske auch und sie schätzen die Lage realistisch ein. Alles andere ist genau genommen unnötige Belehrung, leider tragen diesen Belehrungdrang viel zu viele Menschen in sich, in tausenden von Angelegenheiten die nicht der Rede wert sind.
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  • Kommentar von Hans Peter Bruppacher  (Hans Peter Bruppacher)
    Im SRF-Artikel „Trägt jemand keine Maske, hat er sicher einen guten Grund dafür“ vom 06.07.2020,wurde aufgeklärt. Und nicht gehetzt. Schade, dass im obigen Artikel, die Probleme der Behinderten nicht nicht angesprochen wurde. Gratismut ist keine Zivilcourage.
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  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen darf, trägt sie auch nicht unterhalb der Nase oder unterm Kinn (wie zB kürzlich über 2 Stunden lang im IC, obschon jemand gegenüber sass).
    Ich kann leider in solchen Situationen nicht angemessen reagieren, da zu sehr im Stress. Das ebenfalls überforderte Bahnpersonal sagt schon lange nichts mehr. Platz wechseln geht nicht im Pendlerzug. Ich habe leider keine Wahl. Solche Leute muten mir (und vermutlich anderen) viel Stress zu.
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Viele Menschen meiden die direkte Konfrontation. Dies ist ein Grund, wieso solches egoistisches Verhalten immer mehr zunimmt. Es gibt kein direktes Feedback mehr durch die Umgebung. Ich persönlich spiegle gerne das Verhalten der Menschen. Er benimmt so egoistisch und respektlos, so tue ich dies ihm gegenüber auch. Setze mich bspw. demonstrativ neben ihn und breite mich richtig aus, so dass er kaum noch Platz hat und es ihm eher unangenehm ist. Damit zeige ich ich, wie ich mich seinetwegen fühle.
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