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Zwingli-Jahr 2019 «Wir sollten den Katholiken das Fraumünster schenken»

In Deutschland geht das Reformationsjubiläum zu Ende, in der Schweiz fängt es erst richtig an: 2019 ist Zwingli-Jahr. Eine Pfarrerin fordert mehr Fortschritt in der Ökumene: «Wir sollten den Katholiken das Fraumünster schenken.»

Fraumünster beleuchtet bei Nacht mit Spiegelung im Wasser der Limmat
Legende: Pfarrerin Elisabeth Wyss-Jenny schlägt vor, den Katholiken im Sinne der Ökumene das Fraumünster zu schenken. Keystone

Fraumünster, Grossmünster, Predigerkirche: Das sind symbolträchtige Orte in Zürich. Sie prägen die Altstadt und stehen für die wechselvolle Geschichte der Zwingli-Reformation.

Ginge es nach der reformierten Pfarrerin Elisabeth Wyss-Jenny, dann sollte die reformierte Kirche hier Grösse zeigen und den Katholiken das Fraumünster geben. Aus ihrer Sicht wäre das ein echtes Bekenntnis zur Ökumene auf lokaler Ebene.

Viele kleine Schritte

Elisabeth Wyss-Jenny blickt auf ein langes Leben als Pfarrerin zurück. Sie ist für die Kurse im Kloster Kappel verantwortlich, einer Einrichtung der reformierten Landeskirche des Kantons Zürich. Zum Reformationsjubiläum gab es bislang viele kleine Schritte. Doch der Meilenstein ist ausgeblieben.

Stattdessen gab es Lippenbekenntnisse. So erklärten etwa Papst Franziskus und der frühere Präsident des Lutherischen Weltbundes, Munib A. Younan, in einer Stellungnahme: Viele Christen sehnten sich danach, «die Eucharistie an einem Tisch zu empfangen als konkreten Ausdruck der vollen Einheit». Zur Mahlgemeinschaft kam es auch 2017 nicht.

Kritik: zu teuer, nicht nachhaltig

Dennoch ist Elisabeth Wyss-Jenny mit dem Reformationsjubiläum bislang zufrieden. Von Aufbruchstimmung ist die Rede. Von der lebendigen Seite der Kirche. Ähnlich sieht das Martin Schmidt, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche in St. Gallen. Bislang haben in der Schweiz hunderte Veranstaltungen stattgefunden, Tausende Gäste kamen.

Kritischer fällt die Bilanz von Ralph Kunz aus. Er ist Theologie-Professor an der Universität Zürich. Er zweifelt an der Nachhaltigkeit des Reformationsjubiläums. Die Millionen fürs Reformationsjubiläum hätten auch für innovative Projekte ausgegeben werden können. «Da wäre einiges möglich gewesen, und dann reut es mich ein bisschen, wenn ich ans Jubiläum denke.»

«Haben schon dümmer Geld ausgegeben»

Martin Schmidt widerspricht: «Wir haben schon dümmer Geld ausgegeben.» Die Kirche müsse den Übergang konstruktiv gestalten und keinen Untergang verwalten. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Es fängt schon bei den Predigten an.

Früher war das die Kernkompetenz der reformierten Kirche. Doch Martin Schmidt erlebt immer wieder Predigten, bei denen er sich fragt: «Haben die Menschen das verstanden?» Die Sprache der Kirche funktioniere oft nur noch an Hochzeiten und Beerdigungen.

Auch Ältere bleiben der Kirche fern

Hinzu kommt: Immer weniger Menschen gehen überhaupt noch in den Gottesdienst. Vielen gebe der Gottesdienst nichts mehr, sagt Pfarrerin Elisabeth Wyss-Jenny. Sie meint damit nicht nur junge, sondern auch ältere Menschen.

Die Theologin und die Theologen sind sich einig: Die eigentliche Arbeit für die Kirchen hat erst begonnen. Und damit sind nicht die nächsten Events gemeint, etwa das grosse Jubiläumsjahr der Reformation in Zürich von 1519. Sondern die tägliche Arbeit vor Ort.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Perspektiven, 5.11.2017, 8.30 Uhr

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