Dass Ausländer für uns pickeln, hat in der Schweiz Tradition

Der Bau des ersten Gotthard-Tunnels brachte Ende des 19. Jahrhunderts viele Gastarbeiter in die Schweiz. Kein einmaliger Umstand: In den letzten 140 Jahren sind viele Menschen der Arbeit wegen in die Schweiz gezogen.

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Im TV-Highlight «Gotthard» erfahren Sie mehr über die positiven und kritischen Aspekte, die die Arbeiter aus dem Ausland in die Schweizer Täler brachten.

Mit Baubeginn des 15 Kilometer langen Tunnels suchten tausende ausländische Arbeiter am Gotthard ihr Glück. Es waren zumeist junge Männer aus armen italienischen Provinzen. Vereinzelt reisten auch Deutsche, Franzosen und Österreicher an.

Bergdörfern wandeln sich radikal

Das Projekt war dringend auf die Arbeitskräfte angewiesen. Die Regionen wurden dabei jedoch auf eine harte Probe gestellt. Schlägereien und Messerstechereien waren zu dieser Zeit an der Tagesordnung und die Einheimischen beklagten eine «Verluderung der Sitten».

Wohnhäuser, Geschäfte und Wirtshäuser schossen wie Pilze aus dem Boden. Auch das horizontale Gewerbe florierte und bot manchen Frauen eine Möglichkeit, ihr karges Einkommen mit Prostitution aufzubessern. Ruhe kehrte erst wieder in die Bergdörfer, als die Mineure nach Abschluss der Arbeiten wieder abzogen.

Pasta im Urnerland

In Göschenen wurde aber auch eine Bocciabahn gebaut und eine Schule für ausländische Kinder eingerichtet. 1875 gab es in Göschenen 20 italienische Lebensmittelgeschäfte. Sie versorgten die Mineure mit vertrauten Esswaren, die damals noch auf keinem Urner Speisezettel standen: Reis, Teigwaren, Polenta.

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Das grosse Webspecial zum «Gotthard»-Film:

Ein Mineur verdiente zwischen 3.80 und 4 Franken pro Tag – mehr als auf anderen Baustellen. Lampe, Lampenöl, Kleidung, Unterkunft und Essen mussten die Mineure selber bezahlen. Was übrig blieb, schickten viele nach Hause zu ihren Familien. Belege von damals zeigen, dass 1876 rund 600'000 Franken nach Norditalien überwiesen wurden.

Anhaltende Tradition der Gastarbeiter

Auch heute senden viele Ausländer mit einer Arbeitsstelle in der Schweiz ein Teil des Gehaltschecks nach Hause. 2016 wird die Zahl der Überweisungen von Privatpersonen ins Ausland wohl eine Milliarde Schweizer Franken übersteigen.

Auch heute noch ist der Grossteil der Menschen, die Geld nach Hause senden, zwischen 25 und 34 Jahren alt. Ein Drittel davon sind inzwischen Frauen.

Sendungen zu diesem Artikel

  • SRF 1 12.12.2016 21:40

    DOK
    Gotthard – Das Jahrhundertbauwerk

    12.12.2016 21:40

    Das Ziel war ambitiös: Der längste Eisenbahntunnel der Welt sollte quer durch das Gotthardmassiv den Norden mit dem Süden Europas verbinden. Doch das Unternehmen drohte fast zu scheitern. «DOK» über die die Hintergründe und die Bedeutung dieser Meisterleistung des 19. Jahrhunderts.

  • Video «Gotthard – die Schweizer Film-Premiere (Teil 2)» abspielen
    SRF 1 12.12.2016 20:05

    Schweizer Film
    Gotthard – die Schweizer Film-Premiere (Teil 2)

    12.12.2016 20:05

    Der Tunnelbau droht zu Scheitern. Max, Anna und Tommaso kämpfen auf verschiedenen Seiten um den Erfolg des Jahrhundertprojektes. Der zweite Teil des grossen TV-Event-Movies von Regisseur Urs Egger, am 12.12.2016 auf SRF 1.

  • Video «Gotthard – die Schweizer Film-Premiere (Teil 1)» abspielen
    SRF 1 11.12.2016 20:05

    Schweizer Film
    Gotthard – die Schweizer Film-Premiere (Teil 1)

    11.12.2016 20:05

    Göschenen 1873: Die Bauarbeiten des ersten Gotthard-Tunnels ziehen Hunderte aus ganz Europa an. Mittendrin stehen die Göschener Fuhrmannstochter Anna, der deutsche Ingenieur Max und der italienische Mineur Tommaso. Das Jahrhundertbauwerk schweisst die drei zusammen. Das TV-Event-Movie am 11.12.2016.