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Biennale Bregaglia: Schweizer Kunst abseits der Städte
Aus Kultur-Aktualität vom 19.07.2020.
abspielen. Laufzeit 03:53 Minuten.
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Ausstellung im Bergell «Biennale Bregaglia»: Festung wird zum Freiluft-Museum

Schweizer Kunst abseits der Städte: An der Biennale Bregaglia laden Kunstschaffende ein, die Besonderheiten des Bergells zu entdecken.

Der Ort Promontogno im Bergell ist ein Ort mit Geschichte: Die Sommervilla der Baronessa Castelmur und die Talsperre Lan Müraia aus römischer Zeit gehören zu den wichtigen architektonischen Landmarken.

Vor allem aber ist Promontogno ein Ausflugsziel für Wanderer. Warum stellt man an einem solch abgelegenen Ort Kunst aus?

«Man nimmt sich Zeit»

«Es bieten sich hier ganz andere Möglichkeiten als an einem Ort, an dem es schon 30 Galerien und fünf Museen gibt. Es ist noch nicht so verbraucht», erklärt Luciano Fasciati, der Kurator der diesjährigen Biennale Bregaglia.

Die Leute müssten sich entscheiden, ins Bergell zu kommen: «Wenn die Leute sich dafür entscheiden, bleiben sie auch länger. Sie nehmen sich Zeit, die Ausstellung wirklich fundiert anzuschauen.»

Ein bunt eingefärbter Baumstamm steht auf Holzbeinen.
Legende: Es werden auch Innenräume bespielt: Die Kirche etwa mit einer Skulptur von Sonja Feldmeier. Yanik Bürkli, CLUS AG

Je nach Wetter kommen 50 bis 100 Besucherinnen und Besucher pro Tag. Es gibt Wanderer, die die Kunstwerke eher zufällig entdecken, aber auch Kunstinteressierte, die extra anreisen.

Für den Ort gestaltet

Die Biennale Bregaglia ist nicht die einzige Schweizer Sommerausstellung unter freiem Himmel. Was sie laut Luciano Fasciati von anderen Ausstellungen unterscheidet, ist «dass der grösste Teil der Arbeiten für und mit dem Ort entwickelt werden. Sie werden also nicht vom Atelier an den Ort importiert, sondern entstehen in Auseinandersetzung mit der Sprache, mit dem Tal und seiner Geografie.»

Zwölf Künstlerinnen und Künstler aus allen Sprachregionen der Schweiz machen an der Biennale Bregaglia mit – aus verschiedenen Generationen, mit verschiedenen Arbeitsweisen.

Hintergrund der Biennale Bergaglia

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Im Bergell wurde Alberto Giacometti geboren und Giovanni Segantini liess sich hier für seine Malerei inspirieren. Seit zehn Jahren mausert sich das Bergell aber auch zum Ort für zeitgenössische Kunst.

Auf Initiative des Churer Galeristen Luciano Fasciati fanden diverse Kunstausstellungen statt. So wurden das Hotel Bregaglia bespielt, das Palazzo Castelmur oder die Staumauer Albigna.

Die Biennale Bregaglia knüpft an die bisherigen Ausstellungen an. Der Kunstanlass soll bis 2024 drei Mal stattfinden. Die erste Ausgabe findet diesen Sommer in Promontogno statt. Die Biennale Bregaglia kooperiert mit der gleichzeitig stattfindenden Art Safiental., Link öffnet in einem neuen Fenster

Einige beziehen sich auf die Landschaft, andere auf die Architektur wie die Talsperre Lan Müraia oder die Kirche Nossa Dona. Diese Bezugnahmen sind wichtig.

Sie lassen die Örtlichkeiten neu entdecken, sagt Luciano Fasciati: «Es wird sehr vielen auch Einheimischen erst jetzt bewusst, was sie mit diesem Ort haben und was dieser Ort bedeutet.»

Blick in den Turm

Roman Signers Installation «Am Turm» ermöglicht den Besuchern, erstmals ins Innere der mittelalterlichen Turmruine zu blicken. Von der ehemaligen Festungsanlage stehen nur noch die Aussenmauern. Eine Treppe existiert nicht mehr.

Eine Holztreppe an der Fassade eines Steinturms.
Legende: Ermöglicht neue Blicke ins Innere der Turmruine: eine Holztreppe von Roman Signer. Yanik Bürkli, CLUS AG

Signer hat nun eine Holztreppe aussen am Turm installiert. Neben Pflanzen gibt es drinnen einen in der Luft hängenden Eimer zu sehen: Ein Gebrauchsgegenstand, der auf die ursprüngliche Funktion der Ruine als Wohnturm verweist.

Im Laufe der Zeit wird der Eimer sich mit Regenwasser füllen, das auch die Pflanzen darunter bewässert. Der Eimer ist für Signer ein Sinnbild des menschlichen Eingriffs in die Natur, der aber die Harmonie zwischen Mensch und Natur nicht stört.

Spiel mit der Geschichte

Auch Alex Dorici befasst sich mit der Architektur des Ortes. Der Tessiner Künstler stellt normalerweise Zeichnungen aus Klebebändern her. Nun überträgt er dieses Prinzip auf eine Skulptur: Einen roten Metallbogen, den er in der Öffnung der Festungsmauer Lan Müraia platziert hat. Dort, wo früher Zölle erhoben wurden.

Ein abstraktes Metallgebilde in einer alten Mauer.
Legende: Von Weitem sichtbar: Alex Doricis Metallbogen in der Lan Müraia. Yanik Bürkli, CLUS AG

Die schon von Weitem sichtbare Skulptur verändert das Landschaftsbild. Sie wirkt als Portal und verweist so auf die Grenzfunktion von Promontogno.

Falsche Heuballen

Doch nicht alle Kunstwerke wurden explizit für den Ort entworfen. Zum Beispiel die Heuballen aus weiss lackiertem Chromstahl von Not Vital, die täuschend echt im Gras auf dem Felshügel liegen.

Ein Turm einer Burgruine, davor am Hang drei glänzende Heuballen.
Legende: «Was soll das?»: Die Heuballen aus Chromstahl von Not Vital sorgten für Gespräch. Yanik Bürkli, CLUS AG

Sie passen aber dennoch in die Ausstellung, so Luciano Fasciati, weil sie mit landwirtschaftlichen Traditionen spielen. «Interessanterweise gibt es diese Siloballen im Bergell kaum. Und schon das hat für Diskussionen gesorgt: ‹Bei uns gibt es das ja gar nicht. Was soll das?› Ich denke, genau das ist interessant.»

Biennale Bregaglia

Die Biennale Bregaglia, Link öffnet in einem neuen Fenster findet bis 27. September rund um die Kirche Nossa Dona und die Talsperre Lan Müraia bei Promontogno statt.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 20.7.2020, 17:10 Uhr;

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