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Ausstellung in Lausanne Luc Delahaye auf dem Grat zwischen Realität und Inszenierung

Der frühere Magnum-Fotograf Luc Delahaye zeigt im Photo Elysée in Lausanne monumentale Bilder zwischen Dokumentation und Inszenierung.

Wer vor den grossformatigen Panoramabildern von Luc Delahaye steht, taucht ein. Zum Beispiel in eine nasskalte Szene: Fünf dunkelhäutige Männer kauern um ein loderndes Feuer. Was wirkt wie eine Momentaufnahme, ist das Resultat wochenlanger Arbeit.

Menschen um ein Feuer versammelt auf freiem Feld unter bewölktem Himmel.
Legende: Was aussieht wie eine Momentaufnahme ist sorgfältig inszeniert und am Computer zusammengesetzt. Luc Delahaye/galerie Nathalie Obadia

«Ich bin vom Feuer ausgegangen. Ich wusste, dass ich darum Migranten versammeln würde», sagt Delahaye. Eine Woche lang liess er nahe Calais ein Dutzend Männer posieren. Zurück im Pariser Atelier setzte er das Bild am Computer aus unzähligen Aufnahmen zusammen.

Abschied vom klassischen Fotojournalismus

Delahaye dokumentierte in den 1990er-Jahren die grossen Kriege – in Afghanistan, Bosnien, Tschetschenien oder Ruanda. 17 Jahre arbeitete er als Fotojournalist, zuletzt für die legendäre Agentur Magnum.

Mann in schwarzem Pullover vor weisser Wand.
Legende: Luc Delahaye gehört zu einer Generation von Fotografen und Fotografinnen, die die Schnittstelle zwischen dokumentarischer und künstlerischer Praxis neu definiert haben. Keystone/EPA/Yoan Valat

Vor rund 25 Jahren verliess er den Journalismus. «Ich wollte dasselbe anders machen», sagt er. Er fotografierte im Panoramaformat, in hoher Auflösung und vergrösserte seine Aufnahmen stark. Später begann er, Szenen zu inszenieren oder Fotografien digital zusammenzusetzen.

Die Suche nach Glaubwürdigkeit

Der Eingriff ins Bild sei für ihn eine psychologische Hürde gewesen, sagt Delahaye. Doch das Ziel sei dasselbe wie früher als Reporter: «Ich suche Glaubwürdigkeit. Nur dann packt ein Bild die Betrachterinnen und Betrachter.»

Seine Themen sind geblieben. «Mein Thema ist die Weltgeschichte», sagt der frühere Kriegsfotograf. Und so finden sich in der Ausstellung Bilder aus Konfliktzonen – von US-amerikanischen Bomben auf Stellungen der Taliban in Afghanistan, patrouillierende syrische Soldaten im zerstörten Aleppo, ein russischer Kriegsgefangener in den Händen ukrainischer Soldaten. Daneben aber auch andere Szenen aus dem UNO-Sicherheitsrat, von Verhandlungen der ölfördernden Staaten oder vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Debatten sind verstummt

Zu sehen ist die grosse Werkschau im Lausanner Photo Elysée. Kuratiert wurde sie von Quentin Bajac, dem Direktor des Pariser Museums Jeu de Paume.

Bajac erinnert sich an heftige Debatten, die Delahayes inszenierte Bilder vor 15 oder 20 Jahren auslösten. «Diese Diskussionen um Ethik sind heute fast verstummt», sagt er. Das zeige wie sehr sich unser Verständnis der Realitätstreue von Bildern in Zeiten der künstlichen Intelligenz verändert habe. Im Vergleich dazu wirke Delahaye, der vor Ort arbeitet und nur eigenes Material verwendet, fast schon wie «alte Schule».

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Le bruit du monde» im Photo Elysée Lausanne läuft vom 6. März bis 31. Mai 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 5.3.2026, 17:20 Uhr

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