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Kunstschau zu Dantes Inferno in Rom
Aus Kultur-Aktualität vom 20.10.2021.
abspielen. Laufzeit 03:30 Minuten.
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Ausstellung «Inferno» In Rom ist die Hölle los

Zum 700. Todestag des Dichterfürsts Dante Alighieri zeigt eine grosse Ausstellung in Rom Gemälde aus der Hölle – Kunst, die sich von Dantes Text «Göttlicher Komödie» inspirieren liess.

Dante-Gedenkveranstaltungen gibt es in ganz Italien in diesem Jahr zuhauf. Für Italienbesucherinnen und -besucher am reizvollsten ist die grosse Ausstellung zum «Inferno», also zur Hölle.

Ausgehend von dem eindrucksvollen Kapitel der Hölle in Dantes «Göttlicher Komödie» werden Werke aus rund 600 Jahren Kunstgeschichte gezeigt. Von der Renaissance bis heute.

Unendliche Qualen

In der ersten Ausstellungssektion «Aufenthaltsort der verlorenen Seelen» werden schaurige Gemälde vor allem von Meistern der Renaissance präsentiert, wie etwa von Pieter Huys, Jan Brueghel dem Älteren und aus der Werkstatt des Hieronymus Bosch. Deren Werke stellen die unermessliche Pein der Sünder in der Hölle dar, mit oft perversen Darstellungen unendlicher Qualen.

Legende: «Äneas und Sibylle in der Unterwelt» heisst das Gemälde von Jan Brueghel dem Älteren. Es zeigt eine furchteinflössende Szene. Scuderie Roma

In der zweiten Ausstellungssektion sind Originalschriften von Dantes Meisterwerk aus verschiedenen Jahrhunderten zu sehen. Immer mit recht angsteinflössenden Darstellungen. Furcht sollen auch die Illustrationen von Gustav Doré einjagen, die der französische Künstler im 19. Jahrhundert zum Höllenkapitel der Göttlichen Komödie schuf.

Teuflische Metamorphosen

Die verschiedenen Gestalten des Teufels thematisiert die dritte Sektion der römischen Höllenschau, mit Werken von Dürer, Delacroix und vielen anderen. Interessant sind hier auch die volkstümlichen Teufelsdarstellungen.

Zum Beispiel ein hölzerner Dämon des 17. Jahrhunderts, der bei Umzügen durch spanische Ortschaften die Sünder einschüchtern sollte. Oder Teufelsmarionetten und höllische Szenenbilder, die in traditionellen neapolitanischen und sizilianischen Puppentheatern verwendet wurden.

Legende: Die Zeichnung «la voragine infernale» – «Der Höllentrichter» von Sandro Botticelli zeigt eine Art Wegweiser durch die Hölle. Scuderie Roma

Moderne Höllen

Die vierte Sektion zeigt von Menschen erzeugte Höllenzustände und vor allem entsetzliche Kriegsszenen von Goya, Otto Dix und Alfred Kubin. Das Böse wird durch eine Originalausgabe von Primo Levis erschütterndem biografischen Buch «Ist das ein Mensch?» aus dem Jahr 1947 thematisiert. Levi schildert darin seine erschütternden KZ-Erfahrungen.

Auch das Böse des modernen Terrorismus hat in der Ausstellung Platz gefunden, etwa der Anschlag auf die Twin Towers 2001. Die britischen Künstlerbrüder Jake und Dinos Chapman stellen diese Gewalttat als Installation mit zwei Hügeln aus Menschenleibern in Miniaturform dar.

Legende: Die eindrucksvolle Installation von Jake und Dinos Chapman war bereits in mehreren Ausstellungen zu sehen. Flickr / Marcin Lachowicz

Unter klarem Sternenhimmel 

Am Ende der Göttlichen Komödie erzählt Dante Alighieri, wie er einen klaren Sternenhimmel sieht. Ein Zeichen der Hoffnung. Und so endet auch die grosse Höllen-Schau in Rom: Mit wunderschönen Weltraumfotografien und mit Sternenbildern der Maler Gerhard Richter und Anselm Kiefer.

Legende: Anselm Kiefers «The Renowned Orders of the Night» zeigt den Künstler als einsamen Mann unter dem Sternenhimmel. Scuderie Roma

Und wer noch einmal tief in eindrucksvolle Höllenbilder eintauchen will, der kann sich den 1911 gedrehten ersten Film zu Dantes Inferno anschauen. Eine italienische Stummfilmperle mit vielen nackten Sündern, die allerlei quälenden Strafen ausgesetzt werden.

Ausstellungshinweis

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Die Kunstausstellung «Inferno» ist vom 15. Oktober 2021 bis zum 9. Januar 2022 in der Scuderie del Quirinale in Rom zu sehen.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktualität, 20.10.2021, 7:06 Uhr

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