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Kunst Der Richtige zur richtigen Zeit: Biennale-Kurator Okwui Enwezor

Zum ersten Mal überhaupt richtet dieses Jahr ein Afrikaner die Biennale in Venedig aus. Für Okwui Enwezor ist die ehrwürdige Kunstschau zwar der Höhepunkt seiner Karriere, die Wahl überrascht aber nicht: Enwezor kuratiert Kunst, die visuellen Genuss mit politischem Engagement vereint.

Okwui Enwezor in schwarzem Anzug und weissem Hemd in einer Ausstellung stehend.
Legende: Nicht einzelne Künstlerkarrieren interessieren ihn, sondern die grossen Fragen: Okwui Enwezor in München, 2011. Imago

Er kam aus New York angeflogen, eilte durch das Vitra Museum, erschien kurz an der Pressekonferenz und verschwand wieder im Fond einer Mercedes-Limousine: Das ist das Leben von Okwui Enwezor, dem global agierenden Ausstellungsmacher und diesjährigen Direktor der Biennale in Venedig. In etwas mehr als einem Monat ist es soweit: Dann eröffnet er als erster Afrikaner die älteste Kunstbiennale, Link öffnet in einem neuen Fenster der Welt.

Das neue, moderne Afrika

Enwezor war nach Weil am Rhein gekommen, um die Ausstellung «Making Africa» zu eröffnen. Die Ausstellung über Design und Kunst vom afrikanischen Kontinent hat er als Berater begleitet. Er, der die zeitgenössische afrikanische Kunst überhaupt erst auf die Landkarte der Museumswelt setzte, und das schon vor über 20 Jahren.

Die Ausstellung zeigt, wie aus «Ressourcenarmut», «Recycling» und «Umgestaltung» neues innovatives Design entsteht, sowohl in der Mode wie auch im Produktedesign und in der Kunst. Enwezor nennt es die informelle Ökonomie. Er sieht darin eine neue Produktivität des modernen Afrikas.

Die Welt von den Rändern her betrachten

Legende: Video «Weltbürger – wie Kurator Okwui Enwezor die Kunstwelt eroberte» abspielen. Laufzeit 5:28 Minuten.
Aus Kulturplatz vom 25.03.2015.

Weltruhm erlangte Enwezor mit knapp 35 Jahren, als er auserkoren wurde, die Documenta11 zu kuratieren: Im Jahr 2002, ein Jahr nach den Anschlägen des 11. Septembers, verantwortete er die wichtigste Kunstschau der Gegenwart. Es brauchte damals einen aussereuropäischen Blick auf die Kunst – und Enwezor mit seinen Wurzeln in Nigeria und einer Ausbildung in den USA war der richtige Mann.

Er schaffte internationale Ableger der Documenta in Lagos oder Neu Delhi, dekonstruierte den eurozentrischen Blick und betrachtete die Welt von den Rändern aus. Entstanden ist eine hoch politische Ausstellung in einer Mischung aus dokumentarischer Bestandsaufnahme und künstlerischen Statements zur Lage der Welt.

Meilenstein der Kunstbiennalen

Es scheint, als ob Enwezor immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. So kuratierte er kurz nach dem Fall der Apartheid die Johannesburg Biennale in Südafrika. Die Ausstellung brachte zum ersten Mal die internationale Kunstcommunity in dieses abgeschottete Land. Sie gilt bis heute als Meilenstein der Kunstbiennalen.

Das war 1997. Fast 25 Jahre später ist er zur Stelle, als der arabische Frühling sich entfaltet. Er kuratierte ein Festival für Tanz, Theater und Kunst in Beirut. Damit ist er mittendrin in der Auseinandersetzung mit den politischen Umwälzungen der Region.

Kunst, die etwas zu sagen hat

Enwezor gilt als der schwarze Intellektuelle, der Kunst und Politik zusammenbringt. Immer die grossen Fragen im Visier, gilt er als Kopf, der visuellen Genuss mit politischem Engagement vereinen kann. Nicht einzelne Künstlerkarrieren interessieren ihn, sondern Kunst, die etwas zu sagen hat über die Konflikte dieser Welt.

So überrascht es nicht, dass seine Künstlerliste für die Biennale in Venedig nicht allzu viel Neues zu bieten hat. Es scheint, als wolle er Bestehendes reflektieren. Und darüber nachdenken, wie es in diesen turbulenten Zeiten weitergehen kann.

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