Die Gurlitt-Taskforce beendet ihre Arbeit – es bleibt viel zu tun

Die Taskforce, die die Herkunft der Werke in der Sammlung Gurlitt geprüft hat, hat ihre Arbeit abgeschlossen. Von den fast 500 verdächtigen Werken konnten nur fünf als Raubkunst identifiziert werden. Auch nach Abschluss der Arbeit der Taskforce bleibt noch viel zu tun.

Illustration: Cornelius Gurlitt vor Gemälden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Noch sind längst nicht alle Werke in der Sammlung von Cornelius Gurlitt restlos geprüft. SRF/Cecilia Bozzoli

Zwei Jahre lang versuchte eine international besetzte Taskforce, die Geschichte des wertvollen Gurlitt-Kunstschatzes zu klären. Genau 1497 Werke mussten dafür Stück für Stück unter die Lupe genommen werden.

Nun hat die Taskforce ihren Abschlussbericht vorgelegt. Nur bei 11 von 499 raubkunstverdächtigen Werken konnte die Herkunft lückenlos geklärt werden. Lediglich in fünf Fällen liess sich eindeutig NS-Unrecht nachweisen.

Eine bleibende Aufgabe

Es bleibt weiterhin viel zu tun. Taskforce-Chefin Ingeborg Berggreen-Merkel sagte bei der Vorstellung des Abschlussberichts in Berlin, zu sämtlichen Werken aus dem Münchner Bestand seien die Grundrecherchen abgeschlossen. Das Material stehe nun für weiterführende Recherchen zur Verfügung: «Es ist eine bleibende Aufgabe, die wir den Opfern der Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit schuldig sind.»

Zur Erinnerung: Der im Mai 2014 verstorbene Eigenbrötler Cornelius Gurlitt hatte in seiner Münchner Wohnung jahrzehntelang mehr als 1250 teils hochkarätige Kunstwerke gehortet. Später wurden in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg nochmals fast 250 Arbeiten gefunden, darunter Gemälde von Picasso, Renoir und Monet.

Nur fünf eindeutige Nachweise

Die Sammlung stammte von seinem Vater Hildebrand Gurlitt, der trotz seiner teils jüdischen Abstammung einer der wichtigsten Kunsthändler der Nazis war – und nebenher eine private Sammlung aufbaute.

Nur in fünf Fällen hat die Taskforce inzwischen eindeutig nachweisen können, dass die Nationalsozialisten die Werke einst den jüdischen Eigentümern geraubt oder abgepresst haben. Dazu gehören Max Liebermanns «Zwei Reiter am Strand» und die «Sitzende Frau» von Henri Matisse. Beide Werke wurden inzwischen an die Erben zurückerstattet.

Verdächtige Bilder werden in Bonn ausgestellt

Die deutsche Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat angekündigt, ein Folgeprojekt zur Taskforce beim neu gegründeten Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg zu initiieren. Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Zudem will sie die unter Raubkunstverdacht stehenden Bilder Ende 2016 in der Bundeskunsthalle in Bonn ausstellen.

Die Frage, wie es nun weitergeht, bleibt. Grösster Unsicherheitsfaktor bleibt vorerst weiter der Rechtsstreit um das Erbe. Gurlitt hatte die Sammlung mit seinem Tod 2014 dem Kunstmuseum Bern vermacht, eine Cousine ficht das Testament an. Bis zum 1. Februar können die Beteiligten nun zu einem Gutachten über Gurlitts Geisteszustand Stellung nehmen. Erst danach wird das Oberlandesgericht München entscheiden.

Sendung: Kulturnachrichten, SRF 2 Kultur, 14.1.2016, 16.30 Uhr