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Feministische Kunst-Pionierin Skandal im Sperrbezirk: Zum Tod von Valie Export

Kurz vor ihrem 86. Geburtstag ist die österreichische Künstlerin in Wien gestorben. Sie hat mit ihren Fotos, Objekten und Performances die Kunstwelt nicht nur gehörig geschockt, sondern auch nachhaltig geprägt.

In ihrer Kunst ging es meistens um Frauenkörper – und Valie Export setzte gern auf Aggression. 1968 marschierte sie mit einem Pappkarton vor der nackten Brust durch München. Im legendären «Tapp- und Tastkino» durften Passanten und Passantinnen ihre Brüste berühren. Die Herren seien alle sehr sorgfältig gewesen, so erinnerte sich Valie Export später.

Schwarzweissfoto von zwei Personen in Diskussion, umgeben von Zuschauern.
Legende: «Sie brauchen nur Ihre Hände in diesen Kegel einzuführen» – die Performance «Tapp- und Tastkino» von Valie Export und Peter Weibel und der zugehörige Film, der sie dokumentierte, entstanden 1968. Das Brüsteberühren wurde dabei marktschreierisch angepriesen. VALIE EXPORT/ProLitteris

Aus dem Jahr 1969 stammt das Werk «Aktionshose Genitalpanik». Für die Performance marschierte die Künstlerin in ein Kino und dazu trug eine Hose, die ihre Vagina offen zeigte. Das berühmte Foto zeigt eine junge Frau mit entschlossenem Blick und bedrohlicher Vagina. Die Waffe, die sie im Anschlag hält, wird oft übersehen.

Valie Export mit Aktionshose von 1969
Legende: «Aktionshose Genitalpanik» (1969): Der Aufschrei über die Performance war grösser als der eingelassene Schlitz in die Hose. VALIE EXPORT/ProLitteris

Diese Werke schockten das Publikum in den 1960er-Jahren und tun es noch heute. Valie Export erklärte in einem Interview mit Radio DRS 2004: «Es ist mir nicht um den Schock gegangen, sondern um die Aggression. Natürlich!»

Mann kriecht auf Strasse vor HUMANIC-Geschäft, Passanten vorbei.
Legende: Ein seltenes Bild in der Öffentlichkeit: 1968 nimmt Valie Export Peter Weibel an die Leine. VALIE EXPORT/ProLitteris

Die Aggression war Valie Exports Mittel zum Zweck. Sie surfte gekonnt auf patriarchalen Strukturen und drehte sie um – um zeigen, dass Frauenkörper eben mehr als Lustobjekte sind. Allerdings blieb sie dabei nicht stehen. So deutlich lesbar die Kunst der Valie Export ist, unterkomplex ist sie nicht. Das «Tapp- und Tastkino» etwa macht aus den normalerweise passiven Kinobesuchern aktive Fummler, es geht da also auch um Aktivität und Passivität beim Konsum.

Rotzfrech und «Made in Austria»

Geboren wurde Valie Export 1940 in Linz als Waltraud Lehner und wuchs als eine von drei Töchtern einer Kriegswitwe auf. Sie brach früh aus, heiratete, wurde Mutter, verliess Mann und Kind, um in Wien Künstlerin zu werden und erfand sich als VALIE EXPORT neu. Sie machte sich frei von Vätern oder Männern und klaute dafür den Namen ihrer Zigarettenmarke «Smart Export».

Mit der gewohnten Lakonie hielt Valie Export im Interview 2004 fest: «Auf dieser Zigarettenschachtel stand alles drauf, was ich in einem Selbstportrait schreiben würde.» Aus der Zigarettenschachtel machte sie ein Kunstobjekt, das heute im «Museum of Modern Art» in New York zu bewundern ist.

Frau vor einem Kunstwerk mit Porträt einer rauchenden Frau.
Legende: Laster und Markenzeichen: Einen Teil ihrer Künstlernamens entnimmt Valie Export ihren Lieblingszigaretten – und schafft später ihre eigene Kreation. Keystone/APA/Georg Hochmuth

«Made in Austria» steht da und «Smart», beides passt auf die Glimmstängel und auf die Künstlerin. Valie Export bastelte sich eine neue Identität, schrieb sich als Person in die Markenwelt ein und kreierte durch Piraterie ihr eigenes Logo. Das ganze rotzfrech wie immer und mit der klaren Botschaft: Ich mache das bewusst.

Für so viel Radikalität zahlte die Künstlerin einen hohen Preis: Valie Export wurde lange nicht gewürdigt, sondern eher belächelt. In die Kunstgeschichte ist sie erst ums Jahr 2000 eingetreten, dann dafür mit umso mehr Wucht.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Nachrichten, 15.5.2026, 07:00 Uhr

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