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Gemälde im Gespräch Warum wurde auf diesem Rembrandt ein Turban übermalt?

Nächste Woche kommt bei Sotheby's in London ein Gemälde aus dem 17. Jahrhundert unter den Hammer. Lange wurde es einem unbekannten Maler zugeschrieben wurde, inzwischen gilt es als Rembrandt. Auslöser der aktuellen Debatte ist ein kleines Detail, das erst bei der Restaurierung sichtbar wurde – und ein Artikel im «Guardian», der es politisch deutet. Was ist Fakt, und was Spekulation? Das Wichtigste in ein paar Pinselstrichen.

Was zeigt das fragliche Bild? Es handelt sich um eine Darstellung der biblischen Szene «Lasset die Kindlein zu mir kommen». Christus segnet Kinder, die ihm von ihren Eltern gebracht werden, obwohl seine Apostel sie zunächst abweisen.

Warum gibt das Bild jetzt zu reden? Im Zuge einer Restaurierung wurde sichtbar, dass eine Figur ursprünglich einen Turban trug, der später aber übermalt wurde. Ein Sotheby’s-Experte deutete das Detail im «Guardian» als Hinweis auf religiöse Toleranz im Amsterdam des 17. Jahrhunderts – vielleicht sogar als zeitgeschichtlichen Kommentar Rembrandts zur damaligen Flüchtlingssituation in holländischen Stadt Leiden.

Wie belastbar ist diese Lesart aus kunsthistorischer Sicht? Sicher ist: Es gab Zuwanderung im Holland des 17. Jahrhunderts. Die Frage sei aber, ob das etwas mit dem Bild zu tun habe, sagt Bodo Brinkmann, Kunsthistoriker und früherer Kurator am Kunstmuseum Basel. Es handle sich bei diesem Rembrandt um eine innerjüdische Darstellung mit jüdischen Eltern, Kindern und einem jüdischen Messias. Vor diesem Hintergrund sei die Deutung eines Migrationsbezugs aus seiner Sicht nicht schlüssig, da Migration grundsätzlich das Verhältnis zu «Fremden» von aussen betreffe.

Was hat Sotheby's von der ganzen «Guardian»-Geschichte? Kurz vor einer Auktion können solche Deutungen zusätzliche Aufmerksamkeit erzeugen. Kunsthistoriker Bodo Brinkmann sieht darin weniger eine gesicherte kunsthistorische Aussage als vielmehr eine zugespitzte Interpretation im Rahmen medialer und marktlogischer Logiken. Gleichzeitig bezweifelt er, dass das kapitale Werk eines Rembrandt solche Narrative überhaupt nötig hätte.

Was lässt sich sicher über das Bild sagen? Klar ist für Kunsthistoriker Bodo Brinkmann vor allem der ikonographische Rahmen des Werks: eine biblische Szene mit stark theologischer Bedeutung. Wer den Auftrag für das Bild gab, ist unbekannt, ebenso die ursprüngliche Intention. Plausibler als eine politische Deutung erscheint Brinkmann eine religiös-theologische Lesart, insbesondere im Kontext damaliger Vorstellungen vom Heil der Kinder. «Man hat sie so früh wie möglich getauft, damit sie nicht ungetauft sterben. Ich könnte mir vorstellen, dass dort ein Punkt liegt.»


SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 26.06.2026, 17:10 Uhr ; 

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