Um es gleich vorwegzunehmen: Ja, Donald Trump und die Zölle sind natürlich ein Thema. In einer Zeichnung von Patrick Chappatte küsst Tech-Gigant Mark Zuckerberg dem US-Präsidenten die Schuhe. In der Sprechblase darüber steht «like».
Gabriel Giger zeichnet Trump in Papstrobe. Hinter ihm schreitet Vizepräsident J.D. Vance. Auf einem roten Samtkissen trägt er eine Kapuze des Ku-Klux-Klans. Doch der US-Präsident ist natürlich nicht das einzige Thema, das die Pressezeichner und -zeichnerinnen 2025 beschäftigt hat.
Es geht auch um die Schweiz und die EU, die Schweiz und die UBS, und um die Klimakatastrophe. Sarkozy, der aus dem Gefängnis flüchtet, Tempo 30, der Bergsturz von Blatten und um vieles mehr.
In Berner Museum für Kommunikation sind insgesamt 267 Zeichnungen von rund 50 Zeichnenden zu sehen, wobei diese die Ausstellung selbst kuratiert haben. Die Künstler und Künstlerinnen schickten jeweils ihre fünf Lieblingswerke ein. Einzige Voraussetzung: Die Zeichnung muss 2025 in der Schweiz publiziert worden sein. Das heisst, dass die ganze Bandbreite wird abgedeckt: von politisch links und rechts, von Nebelspalter bis Petarde.
Stephan Lütolf zeichnet unter dem Namen «Cic» zum Beispiel für den Bund und für SRF. Er hat die Ausstellung mitorganisiert. Was auffällt, ist, dass es im Verhältnis zur Bevölkerungszahl in der Westschweiz mehr Pressezeichner gibt.
Lütolf hat dafür eine überraschende Erklärung und nennt zwei Gründe: Erstens sei in der Westschweiz französische Einfluss höher und in Frankreich habe es seit der Revolution Tradition, die Mächtigen zu kritisieren und gegen Adel und Monarch aufzubegehren. Zweitens habe der franko-belgische Raum generell eine starke Comic-Kultur, die auch über die Grenzen hinweg in der Westschweiz mitschwinge. Im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum: hier galten Comics lange als verpönt. Es habe also viel mit der Kultur zu tun.
Putin-Cartoon besticht – die beste Karikatur des Jahres
Pressezeichnungen sind Meisterwerke der Kommunikation. Mit wenigen Strichen bringen sie Geschichten und Ereignisse verdichtet und pointiert auf den Punkt. So auch die Zeichnung, die die Jury dieses Jahr zur besten Pressezeichnung erkoren hat. Sie erhält den Swiss Cartoon Award und stammt von «Pitch Comment», einem Jurassier.
In seiner Zeichnung sitzt die Nato rund um einen Tisch. Und über diesem Tisch schwirrt eine Wespe mit dem Gesicht von Putin. Die Nato-Mitglieder sagen Nein: «keinesfalls bewegen, sonst wird er noch aggressiver».
Die Jury hat diese Pressezeichnung zum Sieger erkoren, weil sie findet, es sei ein Cartoon wie ein Wespenstich, sagt Lütolf.
«Es ist eine alltägliche Situation, die alle kennen, die man auf die Weltpolitik des Jahres 2025 adaptieren kann.» Man müsse zuerst mal überhaupt auf die Idee kommen, Putin als Wespe zu bezeichnen. «Das ist kein gängiges Bild, eher der Bär. Und darum sticht diese Zeichnung tatsächlich.»
Bilder für die Demokratie
Die Ausstellung «Gezeichnet» bietet die Möglichkeit, das Jahr 2025 noch einmal Revue passieren zu lassen – aus humorvoller, satirisch überspitzter, manchmal auch bitterböser Perspektive.
Manchmal muss man laut lachen, manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Denn Pressezeichnungen sind nicht einfach nur lustig. Sie reflektieren und kommentieren das Geschehen und sind damit ein wichtiges Element zur Meinungsbildung. Sie sind Pfeiler unserer Demokratie.