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Grösste Sammlung dieser Art Geheime Banksy-Graffiti in der Schweizer Diplomaten-Garage

Seit rund 25 Jahren schmücken rund fünfzehn Werke von Banksy die Wände des Parkhauses der Schweizer Botschaft in London. Ein Besuch vor Ort.

In den eleganten Salons der Residenz des Schweizer Botschafters am Hof von St. James in London wird alles dafür getan, die Eidgenossenschaft im besten Licht zu präsentieren.

Funkelnde Kronleuchter, monumentale Wandteppiche von Le Corbusier und Werke von Max Bill empfangen Besucherinnen und Besucher, die Botschafter Dominique Paravicini in seinen verschiedenen Salons willkommen heisst.

Ein Schatz im Verborgenen

Doch der grösste Schatz befindet sich unterhalb der Botschaft.

Denn die Tiefgarage der Botschaft ist mit farbenprächtigen Street-Art-Fresken geschmückt. Rund fünfzig Werke bedecken Wände und Pfeiler. Sechzehn davon tragen die Signatur von Banksy, der herausragenden und geheimnisvollen Figur der Urban Art, deren Werke heute für mehrere Millionen gehandelt werden.

Damit ist das Parkhaus der Schweizer Botschaft in London gleichzeitig auch die grösste Banksy-Sammlung weltweit.

Als Botschafter Dominique Paravicini 2024 sein Amt antrat, traute er seinen Augen kaum. «Ich war überrascht von diesen Farben in dieser Garage», sagt er gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS). «Aber es ist ein unglaublicher Trumpf für unsere Arbeit als Botschaft. Es ist etwas, das wir schützen müssen, und es ist auch ein Symbol der Zusammenarbeit zwischen britischen und schweizerischen Künstlern.»

Wie kamen die Werke in die Garage?

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Ein Hinweis ist auf einen Pfeiler der Garage gesprüht: W. A. B. – eine Hommage an Wolfgang Amadeus Brülhart, damals Kulturattaché der Botschaft. Der Diplomat und Kunstliebhaber war Initiator des Projekts.

Im Jahr 2000 überzeugte er die Botschaft, die Garage für sieben Nächte für Graffiti-Künstler zu öffnen und Ende Januar 2001 eine öffentliche Veranstaltung für ein neuartiges künstlerisches Experiment zu organisieren. «Es gab viele Diskussionen, viele waren dagegen», erinnert sich Brülhart. «Aber der damalige Botschafter traf eine mutige Entscheidung.»

Die Regeln waren streng: Die Künstler arbeiteten nachts, keine illegalen Aktivitäten wurden toleriert, und Brülhart war die ganze Zeit anwesend. «Es waren sechs oder sieben Graffiti-Künstler, inkognito. Ich weiss nicht, welcher von ihnen Banksy war.»

«Wie eine Ex wiederzutreffen»

Auch Werke des Graffiti-Künstlers «CHU» befinden sich in der Garage. Das Sprayen dort war eines der ersten Male, dass er ohne Risiko, vertrieben zu werden, arbeiten konnte.

«So hast du die Möglichkeit, dich weiterzuentwickeln, deine Konzepte und Techniken zu vertiefen», erinnert sich der heute Fünfzigjährige. «Die Schweizer Botschaft hat uns eine Chance gegeben. Es ist immer eine Wette. Man wusste nicht, was wir schaffen würden.»

Und in einer Botschaft zu malen, bot auch die seltene Garantie, die eigenen Werke 25 Jahre später unversehrt vorzufinden. «Es ist so lange geheim geblieben … Sie wiederzusehen, macht mich emotional. Es ist, als würde man eine Ex-Freundin wiedersehen.»

Die Schweizer Botschaft hat diesen Schatz fast 25 Jahre lang mit grösster Zurückhaltung gehütet. Eine Zurückhaltung, die Paravicini bewusst verteidigt. «Man muss ein Gleichgewicht finden zwischen Arbeitsplatz und Ausstellungsraum. Diese Garage wird niemals öffentlich zugänglich sein, daher müssen wir das richtige Mass finden. Sie sprechen von Diskretion – wir sprechen von Schweizer Eleganz.»

Die Kunstwelt staunt

Isobel Muir, Kuratorin der Tate Gallery, ein Netzwerk von vier Galerien in Grossbritannien, hat die Banksy-Werke in der Diplomaten-Garage inventarisiert. Auch sie war über diesen Schatz verblüfft: «Wir haben noch nie so viele Werke bedeutender Künstler an einem einzigen Ort gesehen. Hier entdeckt man die Entstehung von Ideen, die später weltberühmt wurden.»

Manche Fresken markieren sogar die Anfänge visueller Codes, die heute untrennbar mit Banksy verbunden sind – etwa die Verwendung der Schriftart Courier New oder der Schablonentechnik.

Der Wert dieses Ensembles übersteigt jede Schätzung, betont Muir. «Man könnte sie niemals neu erschaffen. Sie sind buchstäblich unbezahlbar.»

RTS-Reportage zur Banksy-Sammlung (mit dt. Untertiteln):

Aus praktischen Gründen könnten sie ohnehin nicht verkauft werden. «Sie sind untrennbar mit diesem Ort verbunden», erläutert die Kuratorin. «Sobald man sie aus diesem Kontext herauslöst, verändert sich ihr Wert völlig, denn sie wurden für diesen Raum geschaffen und richten sich an diesen Raum. Ein grosser Teil der Bedeutung der Kunstwerke entsteht daraus, dass man sich hier befindet, in der Schweizer Botschaft.»

RTS 19h30, 15.2.2026, 19:30 Uhr; herb

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