Über den Menschen Conrad Gessner weiss man herzlich wenig. Zeitgenossen beschreiben den Zürcher Naturforscher und Stadtarzt als grossen, schlanken Mann. Er selbst nahm sich eher als schwächlich und kränklich wahr. Klar ist: dieser Conrad Gessner hat in seinen 49 Lebensjahren Gewaltiges geleistet. Aus dem 1516 in ärmlichen Verhältnissen geborenen Zürcher wurde ein grosser Universalgelehrter.
Und es ist anzunehmen, dass es sein Glaube war, der ihn ein Leben lang anspornte, Gottes Werk in der Natur zu erforschen. Ihm fiel auf, dass es in der Natur viele Dinge gab, die keinen offensichtlichen Nutzen hatten, die aber unglaublich schön waren.
Wer etwas wissen will über diesen Mann, der in Zürich von den Reformatoren Huldrych Zwingli und Heinrich Bullinger gefördert wurde, wendet sich am besten direkt seinen Werken zu. Seine Bücher mit handschriftlichen Notizen, Zeichnungen und Briefe, seine Rezeptsammlung sind jetzt erstmals in einer Ausstellung im Landesmuseum und zoologischem Museum der Universität Zürich zusammengeführt zu einem wundersamen Parcours durch das gesammelte Wissen der Renaissance.
Wunderbarer Zeichner
Um die alten Bücher und Manuskripte zu schützen, hat das Landesmuseum das Licht stark gedimmt. So liegen die Abbildungen aus der unvollendeten «Historia plantarum» wie kostbare Preziosen hinter Glas, beleuchtet von kleinen Lämpchen. Diese Abbildungen belegen, dass Conrad Gessner ein wissbegieriger Beobachter und gleichzeitig ein wunderbarer Zeichner war.
Während der berühmte italienische Naturforscher Ulisse Aldrovandi zum Beispiel die Taglilie zwar tadellos abbildet, übertrifft Conrad Gessners Bildmaterial alles. Auf seiner Vorlagezeichnung fügt er unzählige Detailzeichnungen der Wurzeln und Blüten an, samt ganzne und aufgeschnittenen Samenkapseln und ergänzt alles mit Anmerkungen. Eine für die damalige Zeit einzigartige Kombination aus Text und Bild.
Meilensteine der Botanik und Zoologie
Seine «Historia plantarum» hat Conrad Gessner nie zu Ende gebracht. Der Biografen Urs Leu bedauert das: «Ich bin überzeugt, das hätte einen Meilenstein in der Botanik gegeben.» In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember 1565 starb Gessner an der Pest. So bleibt die «Historia animalium» Gessners bedeutendsten Werk.
Mit diesem Inventar des Lebens legte Gessner während der Renaissance nicht nur den Grundstein für eine moderne Zoologie – seine mehrbändige, mit Holzschnitten bebilderte Tierenzyklopädie sollte das Tierbild bis ins 18. Jahrhundert prägen. Seine Tierbilder eroberten die Welt bis nach China. Und die Königin Maria Stuart stickte während ihrer Gefangenschaft Wandteppiche mit Gessners Tierbildern als Vorlage.
Eintauchen in eine Zeit des Umbruchs
Für die Ausstellung im Landesmuseum haben die Ausstellungsmacher die historischen Zimmer aus dem 16. Jahrhundert ausgewählt und so einen stimmungsvollen Rundgang konzipiert.
Auf diesem Rundgang ist ein Eintauchen in eine Zeit des Um- und Aufbruchs und einer gewaltigen Wissensexplosion möglich. Und, so erkennt man, diese Zeit hat durchaus Ähnlichkeiten mit heute.