Was ist passiert? Russland soll dieses Jahr wieder an der internationalen Kunstbiennale von Venedig teilnehmen können – so zumindest der Plan der Biennale-Stiftung. Das Land will seinen Pavillon mit Arbeiten einheimischer Künstler bestücken. Das sorgt in Italien und auch darüber hinaus für Empörung, denn wegen des Kriegs gegen die Ukraine ist Russland seit 2022 nicht mehr an der weltgrössten Kunstausstellung präsent. Seit dem Wochenende regt sich nun Protest gegen den Entscheid der Biennale.
Wer protestiert gegen die Teilnahme Russlands? Einerseits die Ukraine: Aussenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna gaben an, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie ihres Landes habe. Das unterstreiche, «dass Kultur in Russland untrennbar mit dem militaristischen Regime verbunden ist». Auch Europäische Spitzenpolitiker stellen sich gegen die geplante Wiedereröffnung des russischen Pavillons: «Die Entscheidung der Fondazione Biennale ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands», kritisierten der für Kultur zuständige EU-Kommissar Glenn Micallef und Henna Virkkunen, die EU-Vizepräsidentin für Technologie, Sicherheit und Demokratie.
Was sind ihre Forderungen? Werde Russland tatsächlich zur Biennale zugelassen, wolle man «weitere Massnahmen prüfen, einschliesslich der Aussetzung oder Beendigung eines laufenden EU-Zuschusses an die Biennale Foundation», wie Micallef und Virkkunen erklärten.
Wie reagiert Italien? Die Regierung in Rom und insbesondere der Kulturminister Alessandro Giuli forderten die Biennale dazu auf, Russland nicht zuzulassen, sagt SRF-Korrespondent Franco Battel. Dabei sei darauf hinzuweisen, dass der Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco der rechten Regierung in Rom und Giorgia Meloni politisch nahesteht. Unterstützung erhalte die Biennale ausgerechnet von der anderen Seite des politischen Spektrums, nämlich von Massimo Cacciari, dem ehemaligen sozialdemokratischen Bürgermeister Venedigs. Dieser sagte in einem Interview, die Zensur von Künstlerinnen und Künstlern sei zu verurteilen.
Wie reagiert die Biennale? Der Biennale-Präsident denke nicht daran, klein beizugeben, so Franco Battel. Gegenüber der italienischen Tageszeitung «La Repubblica» habe Buttafuoco den Entscheid verteidigt und von einer kulturellen Waffenruhe in einer von Konflikten geprägten Welt gesprochen. Zudem habe er auf die Biennale-Tradition Russlands verwiesen sowie darauf, dass auch Länder wie etwa der Iran, Israel oder die Ukraine willkommen seien.
Gibt es weiteren Widerstand? Die feministische russische Gruppe Pussy Riot hat angekündigt, gegen die Teilnahme Russlands an der Biennale protestieren zu wollen. In einem Instagram-Post schrieb das Kollektiv: «Wir haben eine Botschaft an diese blutdürstigen Propagandisten: Erwartet Widerstand. Wir wollen unsere uneingeschränkte Solidarität mit der Ukraine, den Opfern russischer Kriegsverbrechen, den russischen politischen Gefangenen und den ukrainischen Kriegsgefangenen ausdrücken.»