Vorhang auf für Harlekins und Pierrots, Prinz und Zauberin, den Kaufmannsgehilfen Jegorka und magische Grossväterchen. Grosses sowjetisches Theater zur feierlichen Eröffnung des symbolträchtigen Schauspielhauses im russisch besetzten Mariupol.
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Bild 1 von 4. Am 16. März 2022 wird das Theater bei einem russischen Luftangriff grösstenteils zerstört. Im Gebäude befanden sich hunderte Zivilisten. Die genaue Opferzahl ist noch immer unklar. Bildquelle: AP Photo/Alexei Alexandrov.
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Bild 2 von 4. Schon bald darauf wird das Theater in Mariupol aufwändig instandgesetzt. Von denjenigen, die es zerstört hatten. Bildquelle: AP Photo/Alexei Alexandrov.
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Bild 3 von 4. Im Dezember 2025 wird das Haus mit einer Gala, die auch im russischen Fernsehen übertragen wurde, feierlich wiedereröffnet. Bildquelle: IMAGO/ZUMA Press.
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Bild 4 von 4. Das Schauspielhaus im ukrainischen Mariupol im Winter 2019 – etwa zwei Jahre vor seiner Zerstörung. Bildquelle: Петро Халява/Wikimedia Commons.
«Die feuerrote Blume», die erste Inszenierung am Theater in Mariupol, ist ein Märchen über die Kraft der Liebe und die Überwindung des Bösen. Eine Moral, die sich an diesem symbolträchtigen Ort in ihr Gegenteil verkehrt.
«Tanz auf den Knochen», kommentierte die Schauspielerin Vira Lebedynska, eine ehemalige Schauspielerin am Theater, das Propagandaspektakel gegenüber dem britischen «The Guardian».
Die Bombardierung des Theaters
Das Theater war während des russischen Angriffs auf Mariupol im März 2022 Zufluchtsort für Zivilisten in der schwer umkämpften Stadt. Dennoch warfen russische Flieger zwei 500 Kilogramm schwere Bomben auf das Gebäude ab.
Wie viele Menschen gestorben sind, ist bis heute ungeklärt, die meisten hatten in den Werkstätten im Untergeschoss ausgeharrt. Beim russischen Wiederaufbau wurden die Keller zubetoniert.
Auch das offizielle Namensungetüm des Theaters ist eine starke Ansage: «Republikanisches russisches akademisches Dramatheater Mariupol» – mit «Ehren-Auszeichnung». Das klingt sehr rühmlich und überdeckt das wenig Rühmliche.
Neoklassizistische Augenwischerei
Samtsessel, prächtige Kronleuchter und viel goldene Gipsstuckatur beschwören eine neoklassizistische sowjetische Ewigkeit. Erhaben sieht Russland sich und seine Kultur gerne.
Der russische Schauspieler und Regisseur Wladimir Maschkow, er gilt als langjähriger Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin, schwärmte bei der Eröffnung makaber: «Man kann einen Menschen töten, aber man kann nicht seine Kultur auslöschen.» Eine Täter-Opfer-Umkehr, denn de facto überspielt Russland am Theater in Mariupol gerade die ukrainische Kultur.
Gleichschaltung am Theater
Neuer Generaldirektor des Theaters ist der Ukrainer Igor Solonin, der bisher stellvertretender Zirkusdirektor in Donezk war. «Wiedergeburt», «Rückkehr in den eigenen Hafen», «Wiederauferstehung des Donbass» – das sind die Schlagwörter rund um die Eröffnung des Hauses.
Igor Solonin versichert: «Seitdem wir alle sozusagen wieder nach Hause zurückgekehrt sind, gibt es keine Probleme mehr. Das Denken ist russisch.»
Russische Märchen
Der Wiederaufbau des Theaters und seiner Stadt scheint in Putins Russland ein besonderes Anliegen zu sein. Mariupol wurde etwa zur Schwesterstadt von Putins Geburtsstadt St. Petersburg erhoben – das Theater sollte zügig für etwas Glanz zwischen den Ruinen sorgen.
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Bild 1 von 3. Russland lässt das von ihm fast gänzlich zerstörte Theater in Mariupol wieder auferstehen (18.12.2025) …. Bildquelle: IMAGO/SNA.
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Bild 2 von 3. … mit prunkvoller Innenausstattung …. Bildquelle: IMAGO/SNA.
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Bild 3 von 3. … und einem Namen, der es in sich hat: «Republikanisches russisches akademisches Dramatheater Mariupol» – mit «Ehren-Auszeichnung». Bildquelle: IMAGO/SNA.
Etwa 150 von ehemals 200 Theaterangestellten und Schauspielern in Mariupol kooperieren heute mit den Russen. Sie führen Stücke auf mit Titeln wie «Warnung» oder «Die Entstehung des Faschismus». Wer keinen russischen Pass annimmt, wird massiv drangsaliert. Im Theater können sich die Bewohner jetzt vom schönen Schein russischer Märchen verzaubern lassen.