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Kunstmuseum Bern über Kritik: «Wir stehen für Positionen ein, die uns überzeugen»
Aus Kultur-Aktualität vom 18.06.2024. Bild: Keystone/Gaetan Bally
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Nächste Kontroverse Kunstmuseum Bern nimmt Stellung zu Zensurvorwurf von Tracey Rose

Bereits im Vorfeld sorgte die Ausstellung «Shooting Down Babylon» der Künstlerin Tracey Rose für Kontroversen. Der Grund: 2021 unterzeichnete die südafrikanische Künstlerin einen offenen Protestbrief gegen Israel. Nun richtet sich die Künstlerin gegen das Kunstmuseum Bern.

Auf sozialen Medien beklagt sie, dass das Museum sie nicht zu einer Podiumsdiskussion über «künstlerische Freiheit» eingeladen habe. Ausserdem wirft sie dem Museum vor, eines ihrer Videos in der Ausstellung zensiert zu haben.

Im Interview nimmt Nina Zimmer, Direktorin des Kunstmuseums Bern, Stellung zu den Vorwürfen.

Nina Zimmer

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Die gebürtige Münchnerin amtet seit August 2016 als Direktorin des Zentrums Paul Klee und des Kunstmuseums Bern, das 2014 die Sammlung des umstrittenen Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt erbte.

SRF: Am Wochenende fand eine Podiumsdiskussion zum Thema Kunstfreiheit statt. Jetzt beklagt sich die Künstlerin Tracey Rose, dass sie nicht eingeladen wurde. Warum war sie nicht dabei?

Nina Zimmer: Die Kritik von Tracey Rose beruht auf einem Missverständnis. Sie dachte, es sei eine Podiumsdiskussion über ihre künstlerische Arbeit. Tatsächlich war es ein Podium, das die Kritik am Kunstmuseum aufgriff, eine solche Ausstellung überhaupt zu zeigen. Im Vorfeld gab es Forderungen nach einer Schliessung, und wir haben verschiedene Stimmen zusammengebracht, um auf einer allgemeineren Ebene darüber zu sprechen, wo die Grenzen von Kunst und Meinungsfreiheit verlaufen.

War es ursprünglich geplant, auch Tracey Rose für die Podiumsdiskussion einzuladen?

Wir haben das Podium mit Tracey Rose thematisiert. Schliesslich kam die Mediendebatte auf, als sie in Bern war. Sie wusste also davon und hat nicht den Wunsch geäussert, daran teilzunehmen. Wir sind daher etwas überrascht über die Kritik und die Art und Weise, wie sie diese äussert.

Der zweite Vorwurf gegen das Kunstmuseum lautet Zensur. Tracey Rose sagt, Sie hätten die Zeile «Stop the Muslim Holocaust» aus einem ihrer Videos entfernt. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Es gab keine Zensur. Die Ausstellung wurde zuvor in Kapstadt und in Queens (New York) gezeigt. In solchen Fällen ist es üblich, diese noch einmal auf die lokalen Kontexte zuzuschneiden und zu überprüfen. In Queens wurden zum Beispiel alle Arbeiten der Künstlerin, die «Blackfacing» zeigen, nicht ausgestellt.

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Archiv: Blackfacing
aus 100 Sekunden Wissen vom 29.01.2014. Bild: Warner Bros.
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In der politischen Situation zu Beginn dieses Jahres haben wir Tracey Rose geraten, ihre Arbeit «A Muster of Peacocks» nicht zu zeigen, und sie hat sich entschieden, unserem Rat zu folgen. Seitdem hat sie weder den Kuratorinnen der Ausstellung noch dem Kunstmuseum signalisiert, dass sie ihre Entscheidung revidieren möchte.

Umso überraschter waren Sie über ihre Vorwürfe? Wie haben Sie Tracey Rose gegenüber reagiert?

Persönlich bin ich natürlich getroffen von diesem Vorgehen und den Vorwürfen. Ich habe mich sehr für diese Ausstellung eingesetzt. Letztlich engagiere ich mich für die Kunst und die Werte, die dahinter stehen. Tracey Rose ist eine wichtige Stimme der postkolonialen Kunst. Ihre Arbeiten, die auf das Südafrika der Apartheid reagieren, sind prägend für die Kunst der 90er-Jahre. Und sie ist eine wichtige Stimme, auf die eine junge Generation von Künstlerinnen heute wieder zurückgreift.

Wird das Kunstmuseum Bern in Zukunft sensibler mit solchen Themen umgehen oder welche Lehren ziehen Sie aus der Kontroverse um die Ausstellung?

Wir gehen schon jetzt sehr sensibel mit diesen herausfordernden politischen Themen um. Mit Positionen, die die eigentliche Auseinandersetzung mit Kunst immer mehr überlagern. Für uns ist es wichtig, dass wir uns für künstlerische Positionen einsetzen, die uns überzeugen und für die stehen wir gerade ein.

Das Interview führte Bodo Frick.

Ausstellungshinweis

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Die Ausstellung «Shooting Down Babylon» im Kunstmuseum Bern ist noch bis am 11. August zu sehen.

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Radio SRF2 Kultur, Kultur-Aktualität, 18.06.2024, 17:10 Uhr. ; 

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