Neue Regeln für Kulturspenden New Yorker Künstler zittern um ihre Gelder – wegen Trump

In den USA wird Kunst oft von privaten Mäzenen bezahlt. Donald Trump will solche Zuwendungen unterbinden. Besonders in New York machen Kulturschaffende dagegen mobil.

Zwie Künstler bemalen eine Trump-Wachsstatue bei Madame Tussauds. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Präsident Trump ist kein Freund der Hochkultur – wer im US-Kunstbereich tätig, muss daher umdenken. Reuters

  • Die Finanzierung von Kulturprojekten liegt in den USA meist nicht beim Staat, sondern bei privaten Stiftungen und reichen Mäzenen.
  • Die Kulturgelder sind in Gefahr, denn Donald Trump will untersagen, das private Zuwendungen an Kulturprojekte von den Steuern abgezogen werden können.
  • In New York machen Künstler mit kreativen Aktionen gegen Trump mobil – und hoffen, auch den Rest des Landes mit einem Funken Protestkultur anzustecken.

Kultur wird privat finanziert

In den Vereinigten Staaten ist die Kultur Privatsache. Anders als in der Schweiz, wo die öffentliche Hand die Künste im letzten statistisch erfassten Jahr 2013 mit 2,7 Milliarden Franken bedachte, lässt sich der amerikanische Staat seine Museen jährlich bloss 146 Millionen Dollar kosten.

Die Metropolitan Opera in New York. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Weltklasse dank Spendengeldern: die Metropolitan Opera in New York. Reuters

Dass die USA dennoch über zahlreiche hochkarätige Kulturinstitutionen verfügt, die wie etwa die New Yorker Metropolitan Opera mit Jahresbudgets von über 300 Millionen Dollar operieren, ist Mäzenen und Stiftungen zu verdanken.

Spenden unterbinden

Dieses System hat bisher funktioniert, weil die betuchten Kulturfreunde ihre grosszügigen Geldgeschenke ebenso grosszügig von den Steuern abziehen konnten. Doch nun will Donald Trump diesen Abschreibungen ein Ende setzen.

Viele amerikanische Kulturschaffende befürchten deshalb das Schlimmste. «Museen, Theater, Konzerthäuser leben von diesen Geldgeschenken», sagt die Schriftstellerin Francine Prose. «Sie wird es hart treffen, wenn Millionäre und Milliardäre in Spenden keine finanziellen Vorteile mehr sehen.»

Nicht das Geld bereitet Kopfzerbrechen

Doch natürlich sind es nicht nur Geldsorgen, die Amerikas Kulturschaffende gegen Donald Trump mobilisieren. Besonders in New York, der unbestrittenen kulturellen Hauptstadt des Landes, machen Kreative ihrer Frustration über den künftigen Präsidenten mit Aktionen Luft.

Eine Frau vor «Subway Therapy»-Post-its am Union Square. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Protest mit Post-its: «Subway Therapy» am Union Square. Flickr/Allison Meier

Es sind spontane Kunstwerke wie die «Subway Therapy» in der U-Bahn-Station entstanden, wo der Künstler Matthew Levee Chaves Pendler dazu ermunterte, ihre Gedanken über Donald Trump auf Post-it-Zetteln zu notieren und an die Wand zu kleben. Den bunten Papierteppich hat das Museum der New York Historical Society inzwischen seiner Sammlung einverleibt.

Fast wie ein Moritat wirkt dagegen die Ausstellung von Rob Pruitt in der Galerie Gavin Brown‘s Enterprise an der Lower East Side: Da hängen und stapeln sich über 3000 Porträts von Barack Obama, eines für jeden Tag seiner Amtsperiode. Am 20. Januar kommt das letzte hinzu.

Rob Pruitts Installation in New York. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Bild für jeden Amtstag Obamas: Rob Pruitts Installation in New York. Gavin Brown's enterprise

Unabhängig werden

Er glaube nicht, dass die Kunst unter Donald Trump politischer werde, sagt der Kurator Hrag Vartanian: «Aber ich glaube, dass sich die Wahrnehmung von Kunst verändern wird.»

Kulturschaffende müssten lernen, sich als Teil eines grösseren Systems zu betrachten. Sich aus der Abhängigkeit von privaten Geldern und Interessen zu bewegen, wozu sie vermutlich bald gezwungen sind, hält Vartanian für einen ersten Schritt in diese Richtung.

Auch Autorin Francine Prose wird ihre Romane nicht zu Vehikel für politische Botschaften umfunktionieren. Sie spricht jedoch von einer «neuen Verantwortung, bei der es nicht um die eigenen Karriere, sondern um unsere Pflicht als Bürger geht.»

Mit Leidenschaft anstecken

Wahrnehmen ist das eine. Wahrgenommen werden ist das andere, sagt Francine Prose: «Das ist ein echtes Problem. Wenn wir hier in New York protestieren, verhallen unsere Forderungen in den Ohren von Gleichgesinnten.»

Hrag Vartanian plant aus eben diesem Grund, dieses Jahr viel zu reisen. Er will das engmaschige Netz der New Yorker Protestkultur so weit wie möglich über den Rest des Landes spannen. Tennessee, Texas, Cleveland, New Mexiko: Auf Offenheit ist er dort bereits gestossen.

Es heisst, New York sei nicht Amerika. Doch arbeiten New Yorks Kulturschaffende daran, Amerika ein bisschen mehr wie New York zu machen – ob mit oder ohne Geld, auf jeden Fall mit Leidenschaft.

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