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Michaela Oberhofer, Kuratorin vom Museum Rietberg, im Gespräch über die Benin-Initiative
Aus Kultur-Aktualität vom 27.01.2021.
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Raubkunst aus dem Benin So wollen Schweizer Museen koloniale Raubkunst aufdecken

Um mögliche Raubkunst in der eigenen Sammlung aufzudecken, spannen Schweizer Museen zusammen. Dabei geht es ihnen vor allem um Anerkennung von Unrecht.

Die Kritik an kolonialen Gütern in Museen wächst. Länder wie Frankreich arbeiten seit einigen Jahren verstärkt daran, die Herkunft ihrer Sammlungen aufzuarbeiten und koloniale Güter zurückzugeben.

Die Schweiz steht mit dieser Arbeit noch am Anfang. Das soll sich nun ändern: Acht Schweizer Museen haben sich unter Führung des Museums Rietberg zusammengeschlossen, um gemeinsam die Herkunft ihrer Sammlungen aus dem Königtum Benin in Nigeria zu untersuchen.

Zwei afrikanische Statuen blicken sich an.
Legende: Woher genau stammen Kunstwerke wie diese? Und wem haben sie einst gehört? Das wollen acht Schweizer Museen nun gemeinsam herausfinden. Museum Rietberg

Benin Initiative Schweiz

Ziel der «Benin Initiative Schweiz», Link öffnet in einem neuen Fenster ist es, herauszufinden, welche Benin-Objekte auf Strafexpeditionen zurückzuführen sind. Auch soll untersucht werden, wie genau die Stücke in die Schweiz gelangten.

Bestände aus Benin finden sich in mehreren Schweizer Museen, darunter im Museum Rietberg in Zürich. Zum Thema Kolonialkunst in der Schweiz hat das Museum bereits eine Ausstellung gezeigt.

Dabei sei aufgefallen, dass es noch Potential zur Aufarbeitung der Verflechtung des Königreichs Benin und der Schweiz gebe, sagt Rietberg-Kuratorin Michaela Oberhofer. «Es gibt es noch sehr viele Unklarheiten, wie der Transfer von den Objekten genau ausgesehen hat», sagt Michaela Oberhofer.

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Bénédicte Savoy – Kolonialkunst muss zurück nach Afrika
Aus Sternstunde Philosophie vom 11.10.2020.
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Raubkunst oder nicht: Forschung soll aufklären

Klar ist: 1897 kam es zu einer Strafexpedition der Briten gegen Benin City. In diesem Zuge wurden tausende Objekte geraubt. Objekte, die später in die Schweiz gelangten. Welche Objekte noch in der Kolonialzeit und welche in der Postkolonialzeit in die Schweiz gelangten, soll nun durch das Forschungsprojekt aufgedeckt werden.

Einfach werde das nicht, sagt Michaela Oberhofer, denn in solchen Objekt-Biografien spielen Händler und Sammler verschiedener Häuser eine Rolle. Deshalb sei ein gemeinsames Forschungsprojekt mit mehreren Schweizer Museen und mit Nigeria sinnvoll.

Enge Zusammenarbeit mit Nigeria

Bis zum Sommer nächsten Jahres wolle man sich erstmal einen Überblick über die Objekte der Schweizer Museen verschaffen. Dabei arbeitet die «Benin Initiative Schweiz» eng mit nigerianischen Historikerinnen und Historikern zusammen.

«Wir wollen nicht nur mit unseren westlichen Quellen arbeiten, sondern auch die Quellen und die Archive in Nigeria auswerten», erklärt Michaela Oberhofer. Auch mündliche Überlieferungen vor Ort sollen dabei berücksichtigt werden.

Anerkennung und Zusammenarbeit steht im Zentrum

Dass dabei auch Raubkunst in der eigenen Sammlung aufgedeckt werden könnte, dessen ist sich die Rietberg-Kuratorin bewusst. Sie glaube aber, dass diese Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte eine gute Chance sein könne, um eine neue Art von Beziehung mit Nigeria aufzubauen.

Dabei gehe es einerseits um Anerkennung des Unrechts, das während der Kolonialzeit geschehen sei. Aber es gehe auch um eine Zusammenarbeit in musealen und wissenschaftlichen Projekten und um eventuelle Rückgaben von Objekten: «Falls Nigeria eine Restitution wünscht, sind wir auch dafür offen», sagt Michaela Oberhofer.

Radio SRF 2, Kultur-Aktualität, 26.1.2021, 17:10 Uhr.;

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
    1.) Ich halte das Hirngespinst "Raubkunst" für schizophren, oder zumindest inkonsequent: Wie sähe es mit der Forderung der Restitution aus, falls man die Raubzüge Napoleons in der Schweiz und Italien berücksichtigen würde?
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    1. Antwort von Mario Schulze  (MMario)
      Eine Leseempfehlung für Sie: Bénédicte Savoy: Patrimoine annexé. Les biens culturels saisis par la France en Allemagne autour de 1800. Éditions de la Maison des sciences de l'homme, Paris 2003. Savoy gehört wiederum, wie im Artikel zu lesen, zu den prominenten Verfechterinnen der Restitution. Der Vorwurf der Schizophrenie scheint mir ins Leere zu laufen. Vielleicht weiss Sie nur mehr.
    2. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Ich danke ihnen für die Leseempfehlung. Wenigsten in der Sendung "Sternstunde Philosophie" hat Bénédicte Savoy diesen Kontext nicht angesprochen, ich habe in dieser Sendung einen Menschen mit einer verengten Perspektive erlebt.
  • Kommentar von Mark R. Koller  (Mareko)
    Dank den damaligen Sammlern sind diese Kunstwerke heute noch erhalten und in den öffentlichen Sammlungen der Museen zugänglich. Die angebliche Raubkunst (es war zumeist ein Handel) nun in die Ursprungsländer zurückzugeben zu wollen, bedeutet, sie der möglichen Zerstörung preiszugeben oder sie "verschwinden" wieder in irgendwelchen Privatsammlungen im Ausland.
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    1. Antwort von Jonas Sanddorn  (Sanddorn)
      Ich stimme da zu: Nach so vielen Jahren gehören diese Gegenstände zu den Kulturgütern der Menschheit und nicht irgendwelchen korrupten Oligarchen.