Zum 26. Mal in Folge zeichnet das Bundesamt für Kultur herausragende Schweizer Kulturschaffende aus. Der mit 40'000 Franken dotierte Schweizer Grand Prix Kunst / Prix Meret Oppenheim geht 2026 an Fabrice Gygi, Hilar Stadler und Tilla Theus. Das teilte das Bundesamt für Kultur (BAK) mit.
Es ehrt die drei Persönlichkeiten für ihr Lebenswerk. Die Preisverleihung findet am 15. Juni in Basel in Anwesenheit von Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider statt.
Skulpturen der Überwachungsgesellschaft
Der Genfer Fabrice Gygi ergründet mit seinen Skulpturen autoritäre Strukturen. So finden sich in seinem Werk immer wieder Elemente aus dem modernen Sicherheits- und Kontrollapparat, beispielsweise Panzer- und Strassensperren, Sandsäcke oder Planen. An der 25. Biennale von São Paulo vertrat er die Schweiz mit einem zwölf Meter hohen Wachturm.
-
Bild 1 von 3. Seit den 1990er-Jahren entwickelt Fabrice Gygi (*1965 in Genf) – geprägt von der alternativen Hausbesetzerszene – eine Ästhetik des Entkommens. Bildquelle: BAK/Yumna Al-Arashi.
-
Bild 2 von 3. In seinem Werk tauchen immer wieder Elemente aus dem modernen Sicherheits- und Kontrollapparat auf: Wie bei diesem imposanten und zwölf Meter hohen Kunstwerk mit dem Titel «Vigie» bei der 25. Biennale in São Paulo, der an die Ausstattung eines Hochsicherheitsgefängnisses erinnert. (2002). Bildquelle: Keystone/AP Photo/Dario Lopez-Mills.
-
Bild 3 von 3. Oder in dieser Ausstellung im CAN, Centre d’art contemporain Neuchâtel mit einer an einen Bauzaun erinnernden Installation. (1997). Bildquelle: Joël von Allmen.
Zu Gygis Werk gehören nicht nur Skulpturen. Er arbeitete auch mit diversen Drucktechniken, machte Performances, stellte Installationen auf und Schmuckstücke her. Aktuell widmet er sich dem Aquarell und der Ölmalerei. Werke des 1965 geborenen Künstlers sind international ausgestellt, in Häusern wie dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Genf oder dem Centre Georges Pompidou in Paris.
Kurator mutiger Ausstellungen
Dem Kurator und Museumsleiter Hilar Stadler wird die Auszeichnung für seine Museumspraktik verliehen. Er habe die Schweiz nachhaltig geprägt, schrieb das BAK. Seit 30 Jahren ist er Direktor des Museums im Bellpark in Kriens. Die eidgenössische Kunstkommission würdigt seine Fähigkeit, «ein vielfältig interessiertes Publikum anzusprechen und zu beweisen, dass eine regionale Institution mit wenig Ressourcen exzellente Arbeit leisten kann».
-
Bild 1 von 3. «Mal sind wir ein Kunstmuseum, mal ein Fotomuseum oder ein hardcore Brauchtumsmuseum. Wir erfinden uns von Ausstellung zu Ausstellung neu.» – Zitat von Hilar Stadler aus der Mitteilung des BAK. Bildquelle: Patrick Blank.
-
Bild 2 von 3. Das Museum im Bellpark in Kriens (LU) besteht seit 1991. Es befindet sich in einer ehemaligen Fabrikantenvilla. Die Identität dieses Ortes ist untrennbar mit Hilar Stadler verbunden, der das Haus seit 1996 leitet. Bildquelle: KEYSTONE/Urs Flueeler.
-
Bild 3 von 3. Gezeigt werden mal ortsgeschichtliche Ausstellungen, etwa mit Krienser Masken und kurz darauf wieder zeitgenössische Kunst oder Fotografie. Bildquelle: Martin Stollenwerk.
Hilar Stadler, geboren 1963, habe einen einzigartigen kuratorischen Ansatz entwickelt, «der sich auf den Status der kulturellen Arbeit in unserer Gesellschaft ausrichtet», hiess es weiter. Die Ausstellungen im vom Kunsthistoriker geleiteten Museum seien mutig und würden Unerwartetes behandeln – von Schweizer Töfflikultur (2005) über die Architektur von Ehepaar Robert Venturi und Denise Scott Brown (2008) bis hin zur Kunst der amerikanischen Musikerin Kim Gordon (2022).
Schlüsselfigur der Schweizer Postmoderne
Die 82-jährige Tilla Theus ist die erste Architektin, welche allein mit dem Schweizer Grand Prix Kunst gewürdigt wird. Ihre berühmteste Arbeit ist das Zürcher Fünfsternehotel Widder, das aus dem Umbau von acht mittelalterlichen, denkmalgeschützten Häusern hervorging. Doch auch den Hauptsitz der FIFA in Zürich oder das Panorama-Bergrestaurant Weisshorn in Arosa hat Theus entworfen. Die Architektursprache der gebürtigen Bündnerin ist geprägt von Farben, Ornamenten und Stimmungen, heisst es in der Mitteilung.
-
Bild 1 von 4. Seit ihrem Abschluss an der ETH Zürich und der unmittelbar anschliessenden Gründung ihres eigenen Büros im Jahr 1969 setzt sich Tilla Theus (*1943 in Chur) für eine eigenständige, einfühlsame Architektur ein. Bildquelle: Lukas Lienhard.
-
Bild 2 von 4. Ob beim Umbau des Fünfsternehotels Widder in Zürich (im Bild: Bar im Widder) ... Bildquelle: Tilla Theus und Partner AG.
-
Bild 3 von 4. ... bei der Konzeption des neuen Hauptsitzes der FIFA in Zürich zwischen 2003 und 2006 ... Bildquelle: Tilla Theus und Partner AG.
-
Bild 4 von 4. ... oder bei der Sanierung des Leuenhofs in Zürich (im Bild: Erdbebenstruktur). Ab 2021 betreute Theus das Projekt des 1915 erbauten Leuenhofs, der zu den markantesten Gebäuden an der Bahnhofstrasse in Zürich gehört. Bildquelle: Tilla Theus und Partner AG.
Zu Beginn ihrer Karriere schwamm sie damit noch gegen den Strom, bevor sich der Stil durchsetzte. Heute ist sie «Pionierin der Schweizer Architektur und Schlüsselfigur der Schweizer Postmoderne», so das BAK in seiner Mitteilung. Theus ist unter anderem spezialisiert auf Umbauten und Sanierungen denkmalgeschützter Objekte. Für diese Tätigkeit wird sie nun auch gewürdigt, für die «vorbildliche Arbeit im Umgang mit historischer Bausubstanz und beim Bauen im Bestand». Solche Ansätze seien heute im Hinblick auf nachhaltige Architektur besonders wichtig, heisst es in der Mitteilung.