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«Tour du fantastique» eröffnet Die Schweiz als Tor zu Mittelerde: Tolkiens Welten in Neuenburg

Er übersetzte den kleinen Hobbit und den Herrn der Ringe in ikonische Bilder. Nun sind im einstigen Gefängnisturm von Neuenburg John Howes fantastische Zeichnungen zu sehen. Auch der Künstler selbst ist dort anzutreffen.

Neuenburg hüllt sich in Nebel an diesem Tag. Zur Neueröffnung des «Tour du fantastique» gibt das mittelalterliche Uferstädtchen eine mystische Kulisse zum Besten. Im ehemaligen Gefängnisturm hängen neuerdings Bilder und Zeichnungen, die dem Umland mühelos entsprungen sein könnten: Feuerspeiende Drachen, verflochtene Wälder, spitze Türme, Ritter, Zauberer und Elben – man sieht sie förmlich den Neuenburger See überragen.

Werke von John Howe

Ihr Erschaffer, der Kanadier John Howe, lebt seit 40 Jahren in der Westschweizer Stadt, die auch das Neuchâtel International Fantastic Film Festival (NIFFF) ausrichtet. Die rund 250 Zeichnungen, Bilder und Animationen des weltberühmten Illustrators markieren einen eindrucksvollen Auftakt im neu eröffneten Museumsturm. Er gilt neben Allan Lee als einer der wichtigsten Erfinder von Bilderwelten der J.R.R. Tolkien-Werke.

«Tolkien beschreibt die Dinge sehr ungenau, aber die Emotionen beschreibt er sehr tief und zugänglich», sagt Howe. Für den Künstler ist Tolkiens eindringliche Bildsprache das grösste Geschenk: eine unendliche Inspirationsquelle. Seine nahezu fotorealistischen Bilder von Frodo, Gandalf, Drachen, verschlungenen Landschaften und schwebenden Festungen prägen die Vorstellungen von Millionen von Tolkien-Fans.

Pilgerort für Tolkien-Fans

Im einstigen Gefängnistrakt gibt es auch ein extra eingerichtetes Atelier – Fans und Neugierige können Howe dort beim Zeichnen zuschauen. «Es ist eine Einladung an das Publikum, sich mit mir auszutauschen, wenn sie Fragen haben», sagt Howe.

Historisches Stadttor mit angrenzenden Gebäuden.
Legende: Eine neue Pilgerstätte für «Herr der Ringe»-Fans: Der neu eröffnete «Tour du fanastique» in Neuenburg. Keystone/Cyril Zingaro

Eine Fangemeinschaft, die sich sonst überwiegend im Internet austauscht, findet hier vorläufig einen Pilgerort. Das neue Fantasy-Museum hat sich denn auch ehrgeizige Ziele gesetzt: Gemäss der Kuratorin Diane Launier rechet man jährlich mit bis zu 50'000 Besuchern.

Vielleicht hinterlässt das malerische Neuenburg bei ihnen ähnliche Eindrücke wie bei Howe. Ausgestattet mit einem Skizzenbuch und Regenschirm streift der 68-Jährige regelmässig entlang dem Doubs oder durch die Areuse-Schlucht auf der Suche nach neuen Sujets. Bei einer seiner Wanderungen in Neuenburg entstand die Zeichnung des Riesenbaums, der später im Film «Der Hobbit» zu sehen ist.

Mystischer Wald mit verwunschenen, moosbedeckten Bäumen.
Legende: The Perilous Wood (2004): Die Bäume im «gefährlichen Wald» erinnern an die Zeichnung «Old Man Willow» (1989), die Eingang in den Hobbit-Film gefunden hat. John Howe

Viele Ursprünge von Mythen und Legenden finden sich im Mittelalter. «Was sagen sie über uns Menschen aus?», fragt sich Howe. Auch Wilhelm Tell sei eine mythische Figur, die eine ganze Nation präge. Für den Künstler existieren stets zwei Welten mit verschiedenen Wahrheiten.

Menschliche Sehnsüchte und Abgründe möchte Howe möglichst glaubwürdig abbilden. Dafür studiert er akribisch Kleidung, Rüstungen, Waffen, Bäume, Burgen – seine Welten sollen einen realistischen Fluchtort schaffen. «Wir wissen, es gibt keine Drachen, doch alle wissen, wie sie aussehen», sagt Howe in einem Video, die zwischen seinen Zeichnungen auf Bildschirmen abgespielt werden.

Ausstellungshinweis

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«La tour du fanatastique» in Neuenburg wurde am 18. Dezember eingeweiht. Die «Reise in die Welten von John Howe» ist noch bis zum 18. Oktober 2026 zu erleben.

Die detailreichen Zeichnungen sind hervorragende Filmvorlagen. Für den Regisseur Peter Jackson («Herr der Ringe») wurden sie unverzichtbar. Derzeit arbeitet Howe an der Amazon-Serie «Die Ringe der Macht», die bald in die dritte Staffel geht. Howe bepinselt längst ein kulturelles Fantasy-Gedächtnis. Ganz schweizerisch entsteht derzeit auch ein Drache für die Uhren von Jaquet Droz. Dieser wohnt im Nachbarort La Chaux-de-Fonds.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur Aktuell, 22.12.2025, 8:06 Uhr ; 

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