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Blick durch eine runde Öffnung. Zu sehen ist ein Eisfeld mir Eisläufern, im Hintergrund das Amsterdamer Rijksmuseum.
Legende: Die Kunstwelt blickt auf das Amsterdamer Rijksmuseum. Imago/Paulo Amarim
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Kunst Wie schreibt man Kunstgeschichte politisch korrekt?

Was tun, wenn alte Gemälde das Wort «Neger» oder andere verletzende Ausdrücke im Titel tragen? Das Amsterdamer Rijksmuseum hat sich entschieden: Es ändert die Werktitel. Das hat für Diskussionen gesorgt.

Reiche niederländische Kolonialherren liessen sich gerne mit ihren dunkelhäutigen Dienern porträtieren. So auch Jan Pranger, der Generaldirektor der westindischen Handelskompagnie in Ghana. Sein Gemälde hängt prominent in einem der Säle mit Kunst aus dem 18. Jahrhundert im Amsterdamer Rijksmuseum.

Das Gemälde aus dem Jahr 1742 zeigt ein Stück Geschichte, sagt die Konservatorin der Abteilung Geschichte, Eveline Sint Nicolaas. Früher seien bei der Beschreibung des Werkes verletzende Bezeichnungen wie «Neger», «Neger-Diener» oder «Negerjunge» verwendet worden. Solche Ausdrücke sollen nicht mehr verwendet werden.

Gemälde: Ein Mann mit dreieckigem Hut und roter Schärpe im Vodergrund. Dahinter im Schatten ein dunkelhäutiger Mann in dunkler Bekleidung.
Legende: Frans van der Mijn: Porträt von Jan Pranger, Öl auf Leinwand, 1742. Wikimedia

Keine «Hottentotten» mehr

Auch «Hottentotten» für Angehörige eines Mischvolkes in Südwestafrika oder das Wort «Kaffer», mit dem schwarze Südafrikaner abwertende bezeichnet wurden, sollen umbenannt werden. «Die betroffenen Völker haben sich diese Namen nicht selbst gegeben, vielmehr haben wir Europäer das getan. Es sind Perspektiven aus dem Westen. Genau das wollen wir im Rijksmuseum nicht mehr», sagt die Konservatorin und erzählt, dass sie immer wieder diesbezügliche Reklamationen von Besuchern bekämen.

In einer Glasvitrine im gleichen Saal wie das Porträt von Jan Pranger stehen zwei Spucknäpfe. Deren reiche Verzierungen zeigen Sklaven bei der Tabaksernte. Niemand werde als Sklave geboren, sondern zum Sklaven gemacht, sagt Eveline Sint Nicolaas. Der Ausdruck «Sklave» soll im Rijksmuseum deshalb zukünftig wo immer möglich mit dem Wort «versklavt» ersetzt werden.

Unehrlich und falsch?

Auch wenn jetzt in den Online-Foren von Zeitungen geklagt werde, das Museum würde die Geschichte verleugnen: Es sei wichtig, dass nichts aus der niederländischen Kolonialgeschichte beschönigt werde, betont Eveline Sint Nicolaas. Schliesslich seien die Niederlande mit der Sklaverei reich geworden.

Das Rijksmuseum nimmt darum die Werkbeschreibungen seines gesamten Bestandes unter die Lupe und passt sie der heutigen Zeit an, wobei aber alle ursprünglichen Texte bewahrt werden. Diese Neuerungen werden nicht von der ganzen Kunstwelt verstanden. Der britischer Kunstkritiker Julian Spalding, Link öffnet in einem neuen Fenster etwa liess in «The Times» verlauten: Wörter wie «Neger» aus dem historischen Kontext zu entfernen sei falsch. Es sei unehrlich, weil damit Geschichte umgeschrieben würde. Und auf künstlerischer Ebene sei es Zensur.

Büchse der Pandora

Ebenfalls in den «Times» äussert sich Tate-Direktor Nicholas Serota, Link öffnet in einem neuen Fenster. Er selber würde in seinem Museum nicht an Werktiteln herumdoktern – ausser man bekäme vom Künstler selber die Erlaubnis. Was er sich allerdings vorstellen könnte: Eine Erklärung neben dem Werk, die den Titel in eine andere Zeitperiode einordnet.

Im Guardian fragt Redaktor Stephen Moss, Link öffnet in einem neuen Fenster: Was würde passieren, wenn man die gesamte Kulturproduktion auf politische Korrektheit scannen würde? Eine Art Büchse der Pandora täte sich auf, meint Moss. Und fragt: Was gibt uns das Recht, die Vergangenheit zu bearbeiten?

Das Museum korrigiert nur sich selbst

Diese Haltung nennt Moss' Kontrahent Joseph Harker, Link öffnet in einem neuen Fenster im gleichen Blatt ultra-pedantisch. Er argumentiert dafür, den Originaltitel des Werkes zu ändern und in einer Fussnote zu erwähnen. So könne man eine frühere Ära verstehen und das Werk gleichzeitig einem breiten Publikum zeigen.

Auf die gleiche Seite schlägt sich der bekannte Kunstkritiker Jonathan Jones, Link öffnet in einem neuen Fenster vom Guardian. Er begründet seine Haltung in seinem Blogbeitrag gleich wie Kia Vahland, Link öffnet in einem neuen Fenster, Kunstkritikerin der Süddeutschen Zeitung: Die meisten Bilder, die vor dem 18. Jahrhundert entstanden, hatten gar keine Titel. Sie wurden erst später von Kunsthistorikern formuliert. Daraus schliesst Vahland: «In den allermeisten Fällen korrigiert das Museum damit nur sich selbst, nicht aber die Künstler und Urheber.»

Das Rijksmuseum lässt sich in jedem Fall nicht von seinem Kurs abbringen. Es möchte zudem auch andere Kulturhäuser für das Thema sensibilisieren: In den kommenden Monaten verfasst es in Zusammenarbeit mit zwei Völkerkundemuseen ein Buch mit entsprechenden Sprachanleitungen.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur aktuell, 21.12.2015, 17:45 Uhr

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2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Bolder , Muhen
    Definitiv die falsche Entscheidung. Man soll zur eigenen Geschichte stehen. Da gehören auch Werktitel dazu, die ein Stück unserer Geschichte widerspiegeln. Zudem war ein Neger für die meisten Leute in Europa einfach die Bezeichnung für einen Schwarzafrikaner. Kaum jemand hat hier in Europa bei dieser Bezeichnung an die Sklaverei gedacht.
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  • Kommentar von James Klausner , Interlaken
    Wie sollen folgende Generationen das Ausmass des Unrechts und den alltäglichen, gleichsam selbstverständlichen Rassismus erfassen können, wenn man nun hingeht und die Spuren tilgt und Texte euphemistisch beschönigt? Opfern und Tätern der entsprechenden Epoche erwächst daraus weder Gerechtigkeit noch Einsicht, sie sind tot. Wer in solchen Bildern und Texten Wörtern wie "Neger" begegnet, soll daran stolpern, sich genieren und sich Fragen über die Zeit der Altvorderen stellen müssen. Stehen lassen!
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