BAK will Schweizer Literatur mit mehreren Millionen fördern

Gestern Abend hat das Bundesamt für Kultur erstmals seine Förderpläne für die Schweizer Literatur konkretisiert – dies im Rahmen der Verleihung des Grand Prix Literatur: Vorgesehen sind mehr Geld für Übersetzungen, Literaturzeitschriften und Verlage. Direktorin Isabelle Chassot nimmt Stellung.

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Bildlegende: Hat konkrete Vorstellungen, wie die Literatur in der Schweiz gefördert werden sollte: BAK-Direktorin Isabelle Chassot. Keystone

Im Moment scheinen sich verschiedene Massnahmen zu konkretisieren, wie das Bundesamt für Kultur die Literatur und das Buch in der Schweiz vermehrt fördern will. Ein Punkt ist, die Übersetzertätigkeit und Übersetzungen vermehrt zu fördern. Was genau ist da geplant?

Isabelle Chassot: Schweizer Literatur ist auch Literatur in vier Sprachen. Diese Literatur muss in den anderen Sprachregionen auch verstanden werden. Es ist wichtig, dass wir durch die Literatur auch das Umfeld, das Denken, das Leben von Autoren in anderen Regionen kennenlernen. Und wer sonst, ausser der Bund, kann solche Übersetzungen unterstützen.

Das heisst, Sie möchten Geld ausgeben für Übersetzerinnen und Übersetzer?

Das machen wir schon. Das ist eine Aufgabe, die Pro Helvetia für den Bund übernommen hat. Aber wir möchten es vermehrt machen, weil wir denken, Schweizer Literaturschaffenden brauchen auch mehr Leserschaft in anderen Sprachregionen.

Eine zweite Fördermassnahme, die jetzt konkreter zu werden scheint, ist die Förderung von Verlagen in der Schweiz. Was planen Sie da?

Wir wissen um die Schwierigkeiten, mit denen die Verlage momentan kämpfen. Sie sind mit einer technologischen Revolution konfrontiert, mit einem Lesewandel. Wir brauchen deshalb Verleger, die in der Lage sind, den Autoren zu helfen. Wir brauchen auch gute Lektorate und Kataloge, die im Internet verfügbar sind.

Was heisst das konkret? Sprechen Sie einfach Geld, damit Verlage zusätzliche Stellen schaffen können?

Uns schwebt vor, dass wir Projekte ausschreiben. mit denen wir die Verleger unterstützen würden, wenn sie Schweizer Literaturschaffende publizieren.

Sie wollen auch Literaturzeitschriften oder Zeitungen, die grosse Literaturbeilagen veröffentlichen, fördern. Welche Zeitschriften haben Sie da im Auge?

Vor allem die spezialisierten Zeitungen. Diese verschwinden immer mehr vom Markt. Aber wir brauchen sie, denn sie helfen, die Literatur und die Schriftsteller bekannt zu machen. Sie geben uns eigentlich «le goût» zum Lesen. Und es ist nötig, dass wir ihnen helfen, diesen Umbruch zu überstehen. Natürlich unterstützen wir auch digitale Zeitungen. Wenn wir keine Kritiker mehr haben, wer hilft uns dann und macht neuere Literatur bekannt?

Sie wollen Kritiker unterstützen, Verlagen unter die Arme greifen, das Übersetzen fördern. Wie viel Geld will denn das Bundesamt für Kultur zur Förderung der Literatur und des Buches aufwerfen?

Das wird ein namhafter Betrag werden. Einige Millionen Schweizer Franken.