Bücher als E-Book kaufen – aber bitte in der Buchhandlung nebenan

Eine Website aus Berlin will mit bewährtem Konzept den E-Books zu mehr Aufmerksamkeit und Verbreitung verhelfen. Nach dem Motto «Klasse statt Masse» bietet sie ausgewählte E-Books an – ganz wie der Buchhändler um die Ecke – und will diese in Zukunft auch genau dort verkaufen.

Eine Frau sitzt in einer Buchhandlung und liest ein Ebook. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Macher von minimore.de finden: E-Books kaufen muss kinderleicht sein. Nur so hat das Format Zukunft. iStock

Lesen Sie Ihre Bücher elektronisch? Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diese Frage mit «nein» beantworten, ist gross: Zwar hat sich der Anteil an E-Book Leser in den letzten Jahren rasant erhöht, trotzdem machen die E-Books nur sechs Prozent des gesamten Bücherumsatzes in der Deutschschweiz aus. Kurzum: E-Books sind in der Schweiz ein Randphänomen.

Fehlende Aufmerksamkeit

Das will Minimore nun ändern: Frank Maleu ist Mitbegründer von minimore.de. Die Internetseite ist seit rund einem Jahr online und verkauft E-Books übers Netz. Maleu ist in der Independent-Verlag-Szene kein Unbekannter: Zusammen mit Marc Degens und Torsten Franz – sie nennen sich «alle3» – steht er neben «minimore.de» auch hinter dem Berliner Kleinverlag «SuKuLTuR» und dem Online-Feuilleton «satt.org».

«E-Books haben ein Sichtbarkeitsproblem», meint Maleu. Zwar seien E-Books auf grossen Portalen wie Amazon und Apple vertreten, anspruchsvolle Literatur gehe in der Masse aber unter. Deshalb setzen die Betreiber von minimore.de auf Klasse statt auf Masse: Auf ihrer Internetseite bieten sie rund 600 Titel an. Verglichen mit den grossen Anbietern ist das sehr wenig. Zudem versuchen sie, diese Auswahl möglichst übersichtlich zu präsentieren.

Ansprechende Übersicht, kein starrer Kopierschutz

Die Internetseite möchte aber mehr sein als ein Online-Shop: Minimore gibt Tipps, vertraut aber auch auf die Auswahl der Verlage. Das freut die vielen Kleinverlage, die mit der Seite ein prominentes Schaufenster erhalten. Wer auf unbekannte Perlen aus ist, kann hier fündig werden.

Und tatsächlich bietet minimore.de Hilfe auf der Suche nach Literatur im E-Book Format. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat minimore.de als eine Art Kompass auf der Suche nach anspruchsvoller Literatur im Internet bezeichnet. Alle E-Books werden DRM frei verkauft, sie haben also keinen harten Kopierschutz und sie lassen sich auf jedem Gerät lesen.

Analog und digital verknüpft

Eine Auswahl bieten und Empfehlungen für die Leserschaft – das klingt verdächtig nach der guten alten Sortimentsbuchhandlung. Also die Buchhandlung um die Ecke, die durch Auswahl und Kompetenz überzeugt. Minimore.de löst dieses Versprechen punkto Auswahl ein. Bezüglich den Empfehlungen besteht jedoch Luft nach oben: Es ist nicht ersichtlich, warum ein Titel unter der Rubrik «Tipp» geführt wird.

Das Team von «alle3» sieht eine Zukunft von minimore und den E-Books im Verkauf von E-Books in der Quartier-Buchhandlung. Deshalb möchte Maleu, dass Kunden E-Books auch in der gewöhnlichen Kleinbuchhandlung kaufen können, ohne sich mit den verschiedenen elektronischen Standards und Kreditkarte herumschlagen zu müssen. Sein Ziel ist es, dass der E-Book Kauf in Zukunft kinderleicht ist – ob im Netz oder in der Buchhandlung.