Schriftsteller in Kuba Kubanische Intellektuelle sehnen sich nach Veränderung

Im Rahmen der Buchmesse von Havanna sprechen kubanische Autorinnen und Autoren über die Zukunft, die sie für ihr Land sehen.

Ein Bild von Fassaden in Havanna, Kuba. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wie soll die Zukunft Kubas aussehen? Intellektuelle sind sich darüber uneinig. Getty Images

Staunend stehen Touristen vor den mit Devisengeldern aufwändig sanierten Fassaden der Altstadt von Havanna, die jetzt in alter Pracht erstrahlen.

Das ist die eine Seite. Doch nur wenige Schritte von der Vorzeigeidylle entfernt, sind sie sichtbar, die maroden Häuser – vom Verfall gezeichnet.

Kubanische Misere

Im Rahmen der internationalen Buchmesse treffen sich in Havanna Kubanische Schriftstellerinnen wie die Karla Suárez, die in Lissabon lebt. Sie kommt regelmässig nach Havanna, um ihre Eltern zu besuchen.

Ein Porträt von Karla Suarez. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Karla Suárez ist in Havanna aufgewachsen, ihr Roman entwirft rasante Bilder der unerfüllten Sehnsüchte in dieser Stadt. SRF/Holger Heimann

Jedes Jahr sieht sie neue Ruinen. Die kubanische Misere mache sie traurig, sagt sie. «Der Zerfall spiegelt etwas Grösseres wider.»

Unzufriedenheit wächst

Der Mangel bestimmt das Leben im Land. Die Menschen sind unzufrieden. Vor allem die Jüngeren sind nicht mehr bereit, sich auf eine ferne Zukunft vertrösten zu lassen.

Viele wandern aus, weil es an Perspektiven mangelt. Doch einige entscheiden sich auch ganz bewusst, zu bleiben. Zu ihnen gehört Harold Cárdenas Lema. Zusammen mit Freunden hat er vor sechs Jahren einen Blog gegründet, der sich mit der kubanischen Wirklichkeit auseinandersetzt. Er ist einer von denen, die an den Wandel glauben.

Positive Veränderungen

«Kuba hat sich in den letzten Jahren enorm verändert. Ein Blog wie unserer wäre vor zehn Jahren wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Heute hingegen ist es mehr oder weniger normal», sagt Lema.

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Buchmesse Havanna

Die 26. Ausgabe der Internationalen Buchmesse Havanna fand Mitte Februar statt. Sie stand unter dem Motto «Lesen heisst wachsen». In einem Gespräch im Rahmen der Buchmesse sagte der Schriftsteller Angel Santiesteban: «Es gibt keine echte Öffnung in Kuba».

Er betrachtet die kommunistische Regierung nicht als Gegner, sondern als Verbündete: «Keine der Veränderungen der letzten Jahre kam von der Opposition, alle kamen aus dem Inneren des Systems. Deshalb ist es notwendig, zu lernen, mit den Institutionen zu arbeiten. Auch wenn sie oft sehr bürokratisch und sehr langsam sind.»

Wie steht Trump zu Kuba?

Das sieht längst nicht jeder so im Land. Der Schriftsteller Angel Santiesteban, der wegen kritischer Äusserungen inhaftiert war, ist sich sicher, dass die herrschenden Akteure auch nach Fidel Castros Tod nicht an einer umfassenden Öffnung des Landes interessiert sind.

Ein Bild einer Fassade in Havanna: Pracht und Zerfall sind nebeneinander. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Havanna sind Pracht und Verfall dicht beieinander. SRF/Holger Heimann

Für ihn gibt es nur eine Lösung: Die kommunistische Partei muss sich zurückziehen. Dafür geht er weiter auf die Strasse. Unterstützung erhofft er sich vom neuen US-Präsidenten Donald Trump. Dieser müsse Druck auf die kubanische Regierung ausüben.

Viele andere setzen hingegen darauf, dass Trump – entgegen früherer Ankündigungen – Obamas Annäherung an Kuba nicht rückgängig macht. Sie hoffen stattdessen, dass er womöglich sogar das Embargo beendet und Kuba so aus der Misere hilft.

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Kuba im Umbruch

  • Unterwegs in Kuba: Eine Reise durch ein Land im Wandel.
  • Kuba – eine Insel sucht ihr neues Modell.
  • In Kuba werden Hoffnungen geweckt – doch welche Hoffnungen?

Zugleich weiss man auch in Kuba, dass Trump unberechenbar ist. «Wir müssen abwarten», sagt der bekannte kubanische Schriftsteller Leonardo Padura. «Vielleicht siegt der Unternehmer in ihm und er sieht unser Land als interessanten Markt.»

Die Zeit drängt

Die Ungewissheit ist so gross wie die Sehnsucht nach Veränderung im Land. Die kommunistische Partei schaut erwartungsvoll nach Washington und tut derweil alles, um im eigenen Land nicht die Kontrolle zu verlieren.

Die Zeit drängt. Havanna verfällt weiter. Und die Menschen in Kuba hoffen nach vielen entbehrungsreichen Jahren auf ein besseres Leben.

Sendung: Radio SRF 2 Kultur, Kultur kompakt, 20.2.2017, 17:06 Uhr.