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Schlechte Zeiten, gute Bücher – Der «Literaturclub» im Juni
Aus Literaturclub vom 30.06.2020.
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Lesen mit Christian Schmid Beim Einkaufen immer ein Buch dabei

Mundart-Experte Christian Schmid schreibt nicht nur selbst auf Schweizerdeutsch. Er liest auch viele Bücher in Mundart. Im Gespräch erzählt er, welche Klassiker ihn zum Einkaufen begleiten und weshalb er als Vater beim Vorlesen manchmal streiken will.

Christian Schmid

Christian Schmid

Mundart-Experte

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Christian Schmid ist Mundartspezialist, Autor und Performer. Er hat die SRF-Mundartsendung «Schnabelweid» gegründet und viele Jahre lang redaktionell betreut. Seine wichtigsten Publikationen als Autor sind «Botzheiterefaane», «Blas mer i d Schue», «Näbenusse» und «Da hast du den Salat».

SRF: Haben Sie ein liebstes Buch? Eines, das Sie Ihr Leben lang begleitet hat?

Es gibt einige – aber sie haben nur mein späteres Lebens begleitet. Die «Parallelgeschichten» von Péter Nádas zum Beispiel: ein ungeheuer toller Roman. Und: «Leben und Schicksal» von Wassili Grossman. Beides sind Bücher, die einen verändern.

Ihr bevorzugter Leseort?

Eigentlich der Garten, hinter dem Haus. Dort ist es schön ruhig. Ich vertrage nicht so gut Lärm um mich herum. Ein zweiter Lieblingsort ist der Zug.

Lesen Sie mehrere Bücher gleichzeitig? Oder eins nach dem anderen?

Immer mehrere Bücher gleichzeitig! Es gibt immer ein Buch, das ich im Bett lese. Dann schreibe ich viel über Mundart – und dafür muss ich sehr viel lesen.

Im Bus habe ich letztes Jahr fast den ganzen Gottfried Keller gelesen.

Ausserdem habe ich immer mein «Einkaufgehen-Buch». Ich muss da mit dem Bus fahren, und beim Gehen und Kommen lese ich. Als «Einkaufgehen-Buch» habe ich letztes Jahr fast den ganzen Gottfried Keller gelesen. Auch den Conrad Ferdinand Meyer, von A bis Z. Jetzt ist Otto Flake dran: «Die Monthiver-Mädchen».

Welches Buch hat Ihnen die Liebe zum Lesen eröffnet?

Ich war als Knabe ein begeisterter Karl-May-Leser. Aber ein Buch hat mir eine Rückkehr zu Karl May unmöglich gemacht: «Fettklösschen» von Guy de Maupassant. Danach habe ich versucht, nochmals Karl May zu lesen. Aber das ging nicht mehr.

Welches Buch in Mundart sollte jede und jeder in der Schweiz kennen?

Die Biografie in Romanform des Klettgauers Albert Bächtold. Bächtold ging nach dem Lehrerseminar als Hauslehrer zuerst in die Ukraine, dann nach Moskau. Dort hat er den Ausbruch der Revolution erlebt. Sein zweiteiliger Roman heisst «Pjotr Ivanowitsch» und ist ganz in Klettgauer Mundart geschrieben.

Bei welchem Buch mussten Sie zuletzt laut lachen?

Laut gelacht habe ich zuletzt bei zwei Büchern von Rachel Cusk: Bei «Danach», das wir im «Literaturclub» besprochen haben. Und dann hab ich sofort noch ihren Folgeroman «Outline» gelesen. Da musste ich wirklich laut lachen!

Was ist Ihre «Leseleiche»: ein Buch, das Sie niemals beenden?

Ich wollte immer die Tetralogie «November 1918» von Alfred Döblin lesen. Und ich habe gemeint, ich würde das schaffen. Aber ich habe es nicht über die zwei ersten Bände herausgebracht. Schade. Ob das noch kommt? Ich weiss es nicht.

Ein Buch, das Sie gerne Kindern vorlesen?

Ich habe meinen Kindern dreimal die ganze Herr-der-Ringe-Trilogie von Tolkien vorgelesen. Nach dem ersten Mal wollten sie es gleich nochmals hören. Auch nach dem zweiten Mal haben sie gesagt: «Jetzt kannst du gleich wieder beginnen.»

Nach zwei Mal ‹Herr der Ringe› hab ich gestreikt.

Dann hab ich gestreikt und habe ein, zwei andere Bücher vorgelesen. Aber ich musste es noch ein drittes Mal lesen. Also da muss was dran sein für Kinder.

Welchem Buch wünschen Sie mehr Leser?

Den Gedichten der Lyrikerin Anna Maria Bacher aus dem Pomatt, dem Aostatal in Norditalien. Sie schreibt walserdeutsche Gedichte – und sie ist eine der besten Mundart-Lyrikerinnen im alemannischen Raum.

Das sieht man auch daran, dass Heinz Holliger ihre Texte vertont hat. Er hat gesagt, Anna Maria Bacher sei wie ein Hagelwetter.

Das Gespräch führte Markus Tischer.

SRF 1, Literaturclub, 30.6.2020, 22:25 Uhr ;

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