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Lesetipps vom Zoo-Direktor «Auf dem Pferderücken»: Was und wo der Zürcher Zoochef liest

Schon als Kind wollte Severin Dressen Zoo-Direktor werden. 2020 ging dieser Wunsch in Erfüllung: Seither leitet er den Zoo Zürich. Viel Zeit zum Lesen bleibt Dressen deshalb nicht, aber zur Not blättert er auch mal beim Reiten in einem Buch.

Severin Dressen

Direktor Zoo Zürich

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Severin Dressen, Jahrgang 1988, stammt aus Deutschland. Er hat Biologie in Berlin studiert und in Oxford promoviert. Nach Zwischenstationen als Tierpfleger und zoologischer Kurator in verschiedenen Tierparks weltweit leitet er seit 2020 den Zoo Zürich. Severin Dressen ist Vater von vier Kindern.

SRF: Wo lesen Sie am liebsten?

Severin Dressen: Wo ist weniger relevant für mich, eher wann. Am liebsten abends vor dem Zubettgehen. Statt meines Lieblingsorts könnte ich aber den wohl kuriosesten Ort nennen: ein Pferderücken in Argentinien. Ich habe dort ein paar Monate als Ranger in einem Nationalpark gearbeitet und war oft stundenlang mit dem Pferd unterwegs. Weil das Pferd den Rückweg kannte, ist es diesen von allein gelaufen. Ich habe dabei gelesen.

Gerade waren Sie im «Literaturclub» zu Gast. Für die Sendung haben Sie den Roman «Das Geschenk» von Gaea Schoeters ausgewählt. Worum geht es da?

Die Idee des Romans basiert auf einer realen Aussage des Präsidenten von Botswana, der im Frühjahr 2024 damit drohte, 20'000 Elefanten nach Deutschland zu bringen – dies, nachdem Deutschland und andere Länder darüber debattiert hatten, die Einfuhr von Jagdtrophäen aus Afrika zu verbieten. Die Autorin lässt diese Drohung in ihrer Geschichte Realität werden. Ein spannendes Gedankenexperiment zum Thema Natur und Artenschutz.

Welches Buch hat Sie am meisten beeindruckt?

Wenn auch fiktiv, löste die Darstellung der unbarmherzigen und unerbittlichen Gesellschaft des Indiens der 1970er-Jahre in «Das Gleichgewicht der Welt» von Rohinton Mistry tiefe Erschütterung in mir aus. Zeitgleich liess es mich mit Dankbarkeit zurück, durch Zufall in eine behütete Familie in Westeuropa geboren worden zu sein.

Ein Buch, zu dem Sie bis heute nicht kommen sind.

«Im Namen der Rose» von Umberto Eco steht bei mir seit Jahren ungeöffnet im Regal.

Ein Buch, das Sie zum Lachen gebracht hat.

«A Zoo in My Luggage», eine Sammlung aller Reiseberichte des Naturforschers Gerald Durrell. Kurzweilig und im unvergleichlichen Humor der Briten gehalten.

Eines, bei dem Sie weinen mussten?

Weinen, aber zum Glück auch lachen. Im Roman «Stadt der Diebe» erzählt David Benioff die Geschichte zweier Fremder, die sich im belagerten und ausgehungerten Leningrad 1942 auf eine aberwitzige und letztlich erfolglose Suche nach zwölf Eiern begeben.

Welches Buch hätten Sie selbst gerne geschrieben?

Neben der Biologie hat mich auch Geschichte schon immer fasziniert. Insbesondere die europäische. Für sein Buch «In Europa» bereiste der niederländische Schriftsteller Geert Mak ein Jahr lang den Kontinent und besuchte Schauplätze, die Europa geprägt haben. Auf dieser Reise hätte ich Mak gerne begleitet – und dann zur Not auch das Buch geschrieben.

Ein Buch, dem Sie grössere Bekanntheit wünschen.

«A Little History of Everything» von Timothy Coulson. Das Buch ist smart, unterhaltsam, und danach ist man auf jeden Fall schlauer. Vom Urknall bis zur Gegenwart erfährt man die gesamte Geschichte unseres Planeten.

Welches Buch haben Sie schon mehr als einmal verschenkt?

«Sternstunden der Menschheit» von Stefan Zweig. Das Buch ist nicht allzu dick und daher auch geeignet, wenn man sich der Lesefreudigkeit der beschenkten Person nicht allzu sicher ist.

Welches Buch hat bei Ihnen als Kind Ihre Leidenschaft für Tiere bestärkt?

«Das grosse Buch der Tierwelt» des Tierfilmers Heinz Sielmann. Darin konnte ich Stunden blättern.

Sie haben vier Kinder. Haben Sie zum Schluss vielleicht noch einen Kinderbuchtipp?

Alle Bücher von Julia Donaldson, der Frau, die den «Grüffelo» erfand.

Das Gespräch führte Katja Schönherr.

SRF 1, Literaturclub, 3.2.2026, 22:25 Uhr ; 

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