Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Letztes Buch «Abschied(e)» Julian Barnes tritt ab und verrät: «Ich verehre Roger Federer!»

Der britische Schriftsteller Julian Barnes feiert seinen 80. Geburtstag und bringt zu diesem Anlass sein letztes Buch «Departure(s)» heraus. Wir haben den Meister der Ironie getroffen und mit ihm über literarische Abschiede, die SBB-Bahnhofsuhr am Handgelenk und seine Liebe zum Schweizer Tennisgott geplaudert.

Julian Barnes

Schriftsteller

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Julian Barnes ist ein britischer Schriftsteller und bekannt für seinen zugänglichen Stil auch bei anspruchsvollen Themen und seine oft philosophischen Romane. Zu seinen bekanntesten Werken zählen «Flauberts Papagei» und «The Sense of an Ending», für den er 2011 mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde. Seine Texte beschäftigen sich häufig mit Erinnerung, Liebe, Geschichte und der Unzuverlässigkeit von Erinnerung.

SRF: Ihr 80. Geburtstag und die Veröffentlichung Ihres neuen und zugleich letzten Buches «Abschied(e)» finden fast gleichzeitig statt. Wie feiern Sie?

Julian Barnes: Ausschweifend feiern und mich betrinken liegt dieses Jahr nicht drin. An meinem Geburtstag lädt eine gute Freundin zu einem kleinen Abendessen ein. Am nächsten Tag stehe ich mit Ian McEwan auf der Bühne, um mein neues Buch zu feiern, dafür möchte ich in guter Form sein. Statt einer grossen Feier plane ich ein langsames Feiern über ein ganzes Jahr, mit Lesen, Museums‑ und Galeriebesuchen.

Warum ist «Abschied(e)» Ihr letztes Buch?

Weil es sich richtig anfühlt. Ich veröffentliche seit 45 Jahren Bücher. Irgendwann merkt man, dass man sich zu wiederholen beginnt. Und es gibt kaum etwas Traurigeres als einen alten Autor, der sich selbst kopiert. Das wollte ich vermeiden.

Älterer Mann im Freien mit sakko über der Schulter.
Legende: Mit 80 Jahren zieht der britische Schriftsteller Julian Barnes einen Schlussstrich unter seine Karriere als Buchautor. Imago/opale.photo

Der englische Titel «Departure(s)» meint sowohl Abreise als auch Aufbruch. In der deutschen Übersetzung von Gertraude Krüger heisst das Buch «Abschied(e)». Ist dieses letzte Buch für Sie eher ein Abschied oder ein Aufbruch?

Ein Abschied. Vor allem ein Abschied von meinen Leserinnen und Lesern. Es ist keine Bilanz meines Werks, aber ich greife noch einmal Themen auf, die mich früher beschäftigt haben. Es führt nicht zu etwas Neuem hin.

Kurzkritik zu «Abschied(e)»

Box aufklappen Box zuklappen

«Abschied(e)» ist Julian Barnes’ letztes Buch, ein Buch über die grossen Themen seines Schreibens: Liebe, Krankheit und Tod sowie Erinnerung und Vergessen.

In «Abschied(e)» verbindet er Essay, Autobiografie und Fiktion: Eine Liebesgeschichte mit 40-jähriger Lücke und ein Hund namens Jimmy führen zu grundlegenden Fragen. Julian Barnes’ Ironie ist leicht und nie von oben herab. Seine Liebe zu seinen Figuren ist aussergewöhnlich und dieses neue, letzte Buch ist eine Art Abschiedsbrief an seine Leserschaft. Das Buch macht Lust, wieder von vorne anzufangen und das Gesamtwerk von Julian Barnes wiederzuentdecken.

Sie tragen seit Jahrzehnten eine SBB-Bahnhofsuhr. Warum?

Wegen des Designs: klar, funktional, schwarz‑weiss mit rotem Sekundenzeiger. So stelle ich mir Zeit vor. Ich trage diese Uhr seit 30 oder 40 Jahren, also nicht die exakt gleiche, aber dasselbe Design, das ich sehr elegant finde.

Sie waren immer wieder in der Schweiz. Was mögen Sie an der Schweiz?

Die Geschichte, die Landschaft, ihre Menschen. Und: Ich verehre Roger Federer! Der beste Tennisspieler aller Zeiten, für mich jedenfalls.

Was fasziniert Sie an Roger Federer?

Sein Temperament und seine scheinbare Mühelosigkeit. Und die Geschichte, dass er für seinen ersten Grand‑Slam‑Sieg eine Kuh geschenkt bekam. Ich frage mich, ob es inzwischen eine ganze Federer‑Herde gibt?

Viele Rockstars haben nach ihrer letzten Welttournee eine allerletzte Tournee. Werden Sie unter Umständen nach dem letzten Buch ein allerletztes Buch schreiben?

Nun, falls ich noch ein weiteres Buch schreiben sollte, müsste es wohl so etwas heissen wie «I was only joking», «Ich habe nur gescherzt».

Spüren Sie denn den Drang, so ein allerletztes Buch zu schreiben?

Nein. Aber ich werde nicht aufhören zu schreiben. Ich bin seit meinen frühen 20ern auch Journalist und mag diese Arbeit. Ich schreibe Literaturkritik, Essays und ähnliches. Das werde ich ganz sicher weiter tun.

Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern noch etwas sagen?

Alles steht in meinen Büchern. Aber ich kann hinzufügen: Kaufen Sie dieses Buch. Es ist sehr gut.

Das Gespräch führte Jennifer Khakshouri.

Buchhinweis

Box aufklappen Box zuklappen

Julian Barnes: «Abschied(e)». Kiepenheuer & Witsch, 2026.

Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 15.1.2026, 8:06 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel