Der britische Schriftsteller Julian Barnes feiert seinen 80. Geburtstag und bringt zu diesem Anlass sein letztes Buch «Departure(s)» heraus. Wir haben den Meister der Ironie getroffen und mit ihm über literarische Abschiede, die SBB-Bahnhofsuhr am Handgelenk und seine Liebe zum Schweizer Tennisgott geplaudert.
SRF: Ihr 80. Geburtstag und die Veröffentlichung Ihres neuen und zugleich letzten Buches «Abschied(e)» finden fast gleichzeitig statt. Wie feiern Sie?
Julian Barnes: Ausschweifend feiern und mich betrinken liegt dieses Jahr nicht drin. An meinem Geburtstag lädt eine gute Freundin zu einem kleinen Abendessen ein. Am nächsten Tag stehe ich mit Ian McEwan auf der Bühne, um mein neues Buch zu feiern, dafür möchte ich in guter Form sein. Statt einer grossen Feier plane ich ein langsames Feiern über ein ganzes Jahr, mit Lesen, Museums‑ und Galeriebesuchen.
Warum ist «Abschied(e)» Ihr letztes Buch?
Weil es sich richtig anfühlt. Ich veröffentliche seit 45 Jahren Bücher. Irgendwann merkt man, dass man sich zu wiederholen beginnt. Und es gibt kaum etwas Traurigeres als einen alten Autor, der sich selbst kopiert. Das wollte ich vermeiden.
Der englische Titel «Departure(s)» meint sowohl Abreise als auch Aufbruch. In der deutschen Übersetzung von Gertraude Krüger heisst das Buch «Abschied(e)». Ist dieses letzte Buch für Sie eher ein Abschied oder ein Aufbruch?
Ein Abschied. Vor allem ein Abschied von meinen Leserinnen und Lesern. Es ist keine Bilanz meines Werks, aber ich greife noch einmal Themen auf, die mich früher beschäftigt haben. Es führt nicht zu etwas Neuem hin.
Sie tragen seit Jahrzehnten eine SBB-Bahnhofsuhr. Warum?
Wegen des Designs: klar, funktional, schwarz‑weiss mit rotem Sekundenzeiger. So stelle ich mir Zeit vor. Ich trage diese Uhr seit 30 oder 40 Jahren, also nicht die exakt gleiche, aber dasselbe Design, das ich sehr elegant finde.
Sie waren immer wieder in der Schweiz. Was mögen Sie an der Schweiz?
Die Geschichte, die Landschaft, ihre Menschen. Und: Ich verehre Roger Federer! Der beste Tennisspieler aller Zeiten, für mich jedenfalls.
Was fasziniert Sie an Roger Federer?
Sein Temperament und seine scheinbare Mühelosigkeit. Und die Geschichte, dass er für seinen ersten Grand‑Slam‑Sieg eine Kuh geschenkt bekam. Ich frage mich, ob es inzwischen eine ganze Federer‑Herde gibt?
Viele Rockstars haben nach ihrer letzten Welttournee eine allerletzte Tournee. Werden Sie unter Umständen nach dem letzten Buch ein allerletztes Buch schreiben?
Nun, falls ich noch ein weiteres Buch schreiben sollte, müsste es wohl so etwas heissen wie «I was only joking», «Ich habe nur gescherzt».
Spüren Sie denn den Drang, so ein allerletztes Buch zu schreiben?
Nein. Aber ich werde nicht aufhören zu schreiben. Ich bin seit meinen frühen 20ern auch Journalist und mag diese Arbeit. Ich schreibe Literaturkritik, Essays und ähnliches. Das werde ich ganz sicher weiter tun.
Möchten Sie Ihren Leserinnen und Lesern noch etwas sagen?
Alles steht in meinen Büchern. Aber ich kann hinzufügen: Kaufen Sie dieses Buch. Es ist sehr gut.
Das Gespräch führte Jennifer Khakshouri.