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Auf Solo-Tour Wie sich Pegasus-Frontmann Noah Veraguth neu erfindet

Ende 2025 spielte die Originalbesetzung von Pegasus ihr letztes gemeinsames Konzert vor 7000 Fans in Bern. Mehr als 20 Jahre lang prägte Noah Veraguth als Sänger und Songschreiber den Sound der Bieler Band – und nun beginnt für ihn ein neues musikalisches Kapitel.

Auf die vergangenen 18 Monate blickt der Musiker mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Über 100 Shows mit dem Zirkus Knie, eine emotionale Abschiedstournee und Studioaufnahmen fasst er als «extrem intensive Zeit» zusammen. Ein Gespräch über das, was bleibt, wenn etwas Grosses endet, aufregende Aufbrüche und musikalische Wurzeln.

Noah Veraguth

Schweizer Musiker und Performer

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Noah Veraguth (geb. 1987) ist Sänger und Songwriter und steht seit 1996 als Frontmann der Bieler Band «Pegasus» auf der Bühne. Die Gruppe veröffentlichte mehrere erfolgreiche Alben und trat in der Schweiz sowie im Ausland auf. Veraguth wuchs in Biel auf und lebte später unter anderem in London, Berlin und Zürich.

SRF: Die Originalbesetzung von Pegasus hat sich Ende 2025 verabschiedet. Was bedeutet das für Sie heute?

Noah Veraguth: Es ist ein harter Einschnitt. Die Band existiert ja weiter, aber nicht mehr so wie die letzten 20 Jahre. Diese vier Jugendfreunde, die zusammen angefangen haben, zusammen auf Bühnen standen und sich blind verstanden – diese Formation gibt es nicht mehr. Und dieser Bruch kommt erst im Nachhinein richtig an.

Haben Sie gespürt, dass diese Konstellation zu Ende geht?

Nicht wirklich. Ich kannte aus Beziehungen, dass man spürt, wenn etwas kippt. Hier war es plötzlich sehr real und überraschender, als mir lieb war. Man sucht zuerst bei sich: «Habe ich etwas übersehen? Hätte ich früher reagieren müssen?» Das ist ein herausfordernder Moment.

Erst im Rückblick habe ich gemerkt, wie sehr mich diese Zeit gefordert hat

Wie haben sich die letzten gemeinsamen Monate angefühlt?

Heftig. Wir standen auf der Bühne und alle wussten, dass es in dieser Form zu Ende geht. Die Songs hatten plötzlich eine andere Bedeutung. Man spürt die Intensität der Leute, aber auch das Gewicht des Abschieds. Erst im Rückblick habe ich gemerkt, wie sehr mich diese Zeit gefordert hat.

Sie gehen jetzt zum ersten Mal solo auf Tour. Was erwarten Sie von dieser neuen Phase?

Es wird ein Experiment. Ich mache auf der Bühne alles alleine – mehrere Instrumente, meine eigenen Arrangements, meine ganze musikalische Welt. Das ist ein Challenge, weil der Fokus nun komplett auf mir liegt. Aber genau das reizt mich: herausfinden, wie sich das anfühlt, wenn ich als Solokünstler ganz bei mir bin.

Was unterscheidet die Solotour am meisten von den Jahren mit Pegasus?

Mit einer Band teilt sich die Aufmerksamkeit automatisch auf mehrere Menschen auf. Jetzt bin nur noch ich da. Keine Konfetti, keine grossen Gesten. Es wird fein, klein, intim. Und ich merke: Das ist das Gegenteil von dem, was ich mein Leben lang gemacht habe. Aber es fühlt sich richtig an.

Zum ersten Mal seit ich 15 bin, kann ich einfach schreiben, ohne mich an einen bestehenden Sound halten zu müssen.

Sie haben gesagt, Sie wollen «zurück zur Quelle». Was bedeutet das für Sie?

Zurück zur Gitarre, zum Klavier, zur ersten Emotion. Ich will wieder an den Punkt, an dem Musik machen nur aus einem Gefühl entsteht – ohne Vorgaben, ohne den Filter «Wie passt das zu Pegasus?». Zum ersten Mal seit ich 15 bin, kann ich einfach schreiben, ohne mich an einen bestehenden Sound halten zu müssen. Das ist ein befreiendes Gefühl.

Wenn Sie an das denken, was jetzt beginnt: Welcher Gedanke trägt Sie in die nächste Etappe?

Dass nichts mehr selbstverständlich ist. Dass etwas Wertvolles in der alten Form vorbei ist und dass genau daraus etwas Neues entstehen kann. Es ist nicht nur Vorfreude. Es ist auch Aufregung, Unsicherheit aber schon auch diese neue Energie, die plötzlich da ist.

Das Gespräch führte Judith Wernli.

Radio SRF 3, Focus, 23.2.26, 20:03 Uhr ; 

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